Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 15. November

Wie die Emmanueller Maria verehren
Aus den Zeitschriften

Wie die Emmanueller Maria verehren

Die Spiritualität der 1972 aus der Charismatischen Erneuerung hervorgegangenen Gemeinschaft Emmanuel ist intensiv von der Herz-Jesu-Verehrung und der eucharistischen Anbetung geprägt. Wie stark auch die Marienverehrung das Missionsverständnis der Gemeinschaft bestimmt, erläutert Jean-Romain Frisch in der von den Madrider Claretinern herausgegebenen Internationalen Mariologischen Zeitschrift Ephemerides Mariologicae (68/Fasc. 3/ 2018). Frisch skizziert die Marienverehrung innerhalb der Gemeinschaft Emmanuel als einen allmählichen Durchbruch, der sich zum Leitmotiv entwickelte. Das Logo der Gemeinschaft zeigt heute die Muttergottes mit ihrem Sohn in Orantenhaltung. Der Name „Emmanuel“ erinnert unmittelbar an die Menschwerdung des Erlösers in der Jungfrau. Ausführlich befasst sich der Autor mit dem geistlichen Weg Pierre Goursats (1914–1991), des Gründers der Gemeinschaft Emmanuel. Er entdeckte Maria nach seiner Bekehrung im Lauf der Jahre als Lehrerin auf dem Weg zur Heiligkeit. 1941 wurde er eines der ersten französischen Mitglieder der Legio Mariens. Dem Schutz der Muttergottes schrieb er seine Rettung vor der Gestapo im Jahr 1944 zu. Dass dessen Geburts- und Sterbetag auf hohe Marienfesttage – den 15. August und den 25. März – fielen, wird von seinen geistlichen Söhnen und Töchtern als Zeichen verstanden. Ihnen schrieb er ins Stammbuch: „Maria baut die Gemeinschaft auf und behütet sie. Sie kommt durch alles, was wir tun, zum Vorschein und umgibt uns wie ein schützender Mantel“. Gegen die Angriffe des Teufels empfahl Goursat Maria als „einziges Heilmittel“. Angesichts der geistlichen Kämpfe, die alle zu bestehen haben, die Gottes Liebe in der Welt verkünden, rufen die Emmanueller Maria auch unter dem Titel „Mutter des Mitgefühls“ an. Ihm liegt das Bild der Schmerzensmutter zugrunde, die unter dem Kreuz bei ihrem Sohn ausharrt und unter Schmerzen zur Mutter der Kirche wird.

Die Marienverehrung der Gemeinschaft Emmanuel drückt sich konkret im Gebet aus: Alle Mitglieder weihen sich morgens Jesus durch die Muttergottes nach dem Gebet des heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort. Vor jeder gemeinsamer Veranstaltung soll ein Avemaria gebetet werden. 2017/18 feierte die Gemeinschaft ein Marianisches Jahr. Neben dem Zentrum der Herz-Jesu-Verehrung in Paray-le-Monial betreuen die Emmanueller in Frankreich auch das Marienheiligtum Notre-Dame de la Priere in l'Ile-Bouchard im Bistum Tours. Dort soll 1947 die Muttergottes vier Kindern erschienen sein und zum Gebet für Frankreich aufgerufen haben. Das Urteil der Kirche über den übernatürlichen Charakter des Geschehens steht noch aus, doch hat die Kirche Pilgerfahrten erlaubt. In Deutschland ist die Gemeinschaft Emmanuel seit Jahren im bayerischen Altötting aktiv.

Zum Umgang mit Missbrauch

Die ökumenische Zeitschrift Revue d'Éthique et de Théologie Morale interviewt in ihrer Septembernummer den bei Lyon praktizierenden Kardiologen Bertrand Virieux. Der 47-Jährige Familienvater wurde als Kind von einem katholischen Geistlichen missbraucht und ist Mitbegründer der Hilfsorganisation „La Parole libérée“. Vor zwei Jahren ging Virieux mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit. Der Priester, der ihn missbrauchte, stand wegen vier sexuellen Übergriffen vor Gericht, doch Virieux zufolge hatte er sich wesentlich mehr zuschulden kommen lassen. Die meisten waren bereits verjährt. Im Interview stellt Virieux sehr differenziert die Ambivalenz des derzeitigen öffentlichen Umgangs mit dem Thema sexueller Missbrauch durch Geistliche heraus. Er warnt vor unbegründeten Beschuldigungen. So unerlässlich es aus seiner Sicht ist, den Opfern zu helfen, ihr oft jahrzehntelanges Schweigen zu brechen, so klar benennt er die andere Seite der Medaille: Den Opfern Gehör zu schenken bedeutet zwar zunächst eine Form der Anerkennung ihrer leidvollen Erfahrungen, doch „könne man darin auch die Lust an der Selbstdarstellung einer Institution sehen, die sich ein menschlicheres und empathischeres Image zulegen will“.

Bischof und Patriot in Kriegszeiten

Dem hundertsten Jahrestag des Ende des Ersten Weltkriegs widmet die von der Katholischen Universität Lille herausgegebene Zeitschrift „Mélanges de Sciences Religieuses“ ihre Quartalsnummer 3/2018. Darin wird der bischöfliche Patriotismus in Deutschland an der Person des Speyerer Bischofs und späteren Münchner Kardinals Michael von Faulhaber (1869–1952) veranschaulicht. Der Speyerer Diözesanpriester Dominik Schindler, der im vergangenen Jahr von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität den Johann Michael Sailer-Preis für seine Dissertation über Faulhabers Jahre in Speyer erhielt, zeichnet die Pastoralbesuche des Bischofs nach Flandern, Lothringen und Nordfrankreich nach. Viermal reiste der Speyerer Bischof 1915/16– auch in seiner Funktion als stellvertretender Feldpropst der bayerischen Armee – an die Westfront. Schindlers Darstellung zufolge betrachtete Faulhaber den Ersten Weltkrieg als „Modell des gerechten Krieges“. Krieg war aus seiner Sicht zeitweise erforderlich, um die politische Situation zu befrieden, doch könne „der Krieg an sich nur ein Notfall sein“. Im Mittelpunkt seiner Frontbesuche standen Begegnungen mit den deutschen Soldaten bei heiligen Messen und Ansprachen sowie der Austausch mit den Militärgeistlichen. Ausdrücklich mahnte Faulhaber zu moralisch verantwortlichem Verhalten: Die Soldaten sollten fremdes Eigentum verschonen und die Rechte der Frauen im Feindesland respektieren. Dass ein Soldat anschließend notierte, der Bischof habe „wie ein wahrer Soldat“ gesprochen, mag auch mit Faulhabers Wagemut zusammenhängen: In Flandern wagte sich der Speyerer Bischof bis an die vorderen Kampflinien vor und erlebte Angriffe auf Schützengräben, die er in seinem Tagebuch kommentierte „Der gute Hirte setzt sein Leben für die Schafe aufs Spiel.“ Nach dieser Reise erhielt er als erster Bischof das Eiserne Kreuz. Schindlers Artikel liefert Einblicke in die geistliche Haltung etlicher Soldaten, die für die Teilnahme an der heiligen Messe strapaziöse Märsche auf sich nahmen, aber auch in das Patriotismusverständnis des Speyerer Bischofs, der sich bei Feldlazarettbesuchen ein Bild von der Tragik des Krieges verschaffte. Dass Faulhaber einen Granatenangriff in seinem Tagebuch etwas flapsig mit„hiis wumm“ beschrieb und sich erst 1930 klar vom Krieg distanzierte, mag aus Sicht der Nachwelt befremden. Bei aller Hirtensorge vermochte der Bischof nicht über den Horizont seiner Zeit hinauszuschauen, als er Pfälzer Soldaten „die Kraft des Gekreuzigten“ in Aussicht stellte, die jenen zuteil werde, „die das Credo mit ihrem Feldherrn singen“.

DT/reg

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14.09.2021, 13  Uhr
Alexander von Schönburg
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