Inkarnierte Spiritualität

Der neue Custos des Heiligen Landes wird für Anfang Juni in Jerusalem erwartet. Von Oliver Maksan
Inkarnierte Spiritualität

Jerusalem (DT) Gut kennt Pater Francesco Patton (Foto: IN) seine neue Arbeitsstelle nicht. Nur ein einziges Mal war der Franziskaner, der am Freitag zum neuen Custos des Heiligen Landes gewählt und vom Papst bestätigt wurde, bislang dort. Doch bald wird der 53-jährige Italiener aus Südtirol ausgiebig Gelegenheit haben, das Land des Herrn kennenzulernen. Seine Ankunft wird dabei alles andere als profan sein. Entsprechend dem an den Heiligen Stätten üblichen Brauch wird Pater Francesco feierlichen Einzug in Jerusalem, der Grabeskirche und Bethlehem halten müssen. Viele der etwa 260 Mitbrüder der Custodie werden ihn dann zusammen mit einer Ehrenwache durch die beiden heiligen Orte geleiten. Wie die Custodie dieser Zeitung am Montag mitteilte, steht der Termin für die Ankunft des neuen Custos noch nicht fest, wird aber für Anfang Juni erwartet. Schon jetzt grüßte der neue Custos in Richtung seiner neuen Wirkungsstätte. „Den Christen im Heiligen Land will ich sagen: Ich komme in großer Demut, auf den Zehenspitzen. Ich komme auch mit einer großen Liebe zu diesem Land im Herzen“, so Patton gegenüber Radio Vatikan. „Ich bitte alle darum, mich aufzunehmen und mir zu helfen, damit ich im Dienst der Menschen stehen kann, die dort wohnen oder die dorthin kommen, um zu studieren, um zu pilgern oder auch einfach, weil sie neugierig auf diese Stätten sind. Das ist es, worum ich bitte: Dass man mich wie einen Bruder aufnimmt.“

Geboren 1963 in der Diözese Trient, gehört der Ordensmann seit 1983 dem Orden des heiligen Franziskus an. Zuletzt Provinzialminister der Ordensprovinz Trient, hatte der Kommunikationswissenschaftler zahlreiche Aufgaben inner- und außerhalb seines Ordens inne. Seine neue Aufgabe wird ihn nicht nur ins Heilige Land mit den Staaten Israel und Palästina führen, sondern auch in die zur Provinz gehörigen Ordensniederlassungen in Syrien, Libanon, Ägypten und Jordanien sowie auf den Inseln Zypern und Rhodos. Hauptsitz des Custos ist derweil das Erlöserkloster im christlichen Viertel der Jerusalemer Altstadt. Dort residierte sein Vorgänger Pierbattista Pizzaballa zwölf Jahre lang – und hatte damit das Amt länger als normalerweise inne. Einer ersten sechsjährigen Amtszeit kann eine dreijährige Verlängerung folgen. Im Falle Pizzaballas wurde diese erneut verlängert, was nur ausnahmsweise geschieht, angesichts der schwierigen Umstände in der Region Papst Franziskus aber geboten erschien. In Pizzaballas Amtszeit fällt der Beginn des sogenannten Arabischen Frühlings mit vielfachen Auswirkungen für die Christen des Nahen Ostens. Besonders in Syrien wurden Mitglieder und Einrichtungen der Custodie in Mitleidenschaft gezogen. Pizzaballa reiste selbst nach Syrien, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Mehrfach wurden dort Ordensbrüder entführt. Besonders dramatisch ist die Lage in Aleppo. Am Samstag erst wurde die Schule der Franziskaner von einer Rakete getroffen. Eine Person starb, mehrere wurden verletzt.

Als Gründungsjahr der Custodie gilt das Jahr 1217. Wenige Jahre später reiste der heilige Franziskus selbst in die Gegend. Mit dem Ende der Kreuzzüge waren es die Minderbrüder der Custodie, die für die katholische Kirche die Heiligen Stätten hüteten. Dazu wurden sie 1342 ausdrücklich von Papst Clemens VI. beauftragt. Noch heute erfüllen sie diesen Dienst an zahlreichen Stätten. Die bedeutendsten sind dabei zweifellos die Geburtskirche in Bethlehem und die Grabeskirche in Jerusalem. In beiden Kirchen vertreten die Franziskaner die Rechte der katholischen Kirche im Rahmen des sogenannten Status quo. Dieser regelt die Besitz- und Gebetsrechte der Konfessionen an den heiligsten Stätten der Christenheit.

Der neue Custos betonte neben der Verantwortung für die Heiligen Stätten die pastorale und caritative Mission der Custodie. „Man kann nicht die Steine lieben, die an das Geheimnis der Inkarnation gemahnen, aber dabei die Menschen vernachlässigen, in denen dieses Geheimnis der Menschwerdung sich gewissermaßen fortsetzt. Die Custodie des Heiligen Landes hat auch eine pastorale Verantwortung, das Hüten der Christen des lateinischen Ritus, die im Heiligen Land leben. Und eine soziale Bedeutung, über eine Reihe von Schulen und Bildungsstätten. Das ist also keineswegs nur eine geistliche Präsenz, sondern eine sozusagen inkarnierte Spiritualität!“

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