Immer neue Gewalt gegen Christen in Indien

Katholiken: Der Staat unternimmt nichts gegen Übergriffe

Neu Delhi (DT/KNA) Im südindischen Bundesstaat Karnataka gehen die Ausschreitungen gewalttätiger Hindus gegen Christen weiter. Seit dem späten Dienstagabend beschädigten Randalierer Medienberichten zufolge an verschiedenen Orten Kirchen und verletzten mehrere Menschen. Wie der römische Pressedienst asianews am Mittwoch meldete, verwüsteten etwa Randalierer am Morgen eine syrisch-katholische Kirche in der Stadt Ujire. Im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh griffen demnach Hindus ein Karmelitinnen-Kloster nahe der Stadt Ujjain an. Ein Wächter habe dabei Schussverletzungen erlitten. Bereits am Sonntag und Montag war es zu neuen heftigen Übergriffen von Hindu-Fanatikern gekommen, bei denen mehr als ein Dutzend Kirchen verwüstet und zahlreiche Menschen verletzt wurden.

Hintergrund der neuerlichen Gewaltwelle war laut katholischer Nachrichtenagentur Ucanews (Mittwoch) die Ankündigung von Karnatakas Ministerpräsident Bookanakere Siddalingappa Yeddyurappa vom Dienstagabend, statt die Strafverfolgung der hinduistischen Täter anzugehen eher die angebliche „ausländische Finanzierung“ christlicher Missionsarbeit zu untersuchen. Zugleich versprach er laut Bericht den Christen bei einem Besuch im stark betroffenen Mangalore auch finanzielle Entschädigungen. Pfarrer Faustin Lobo, Sprecher der katholischen Kirche im Bundesstaat, sagte Ucanews, die Katholiken seien erschrocken, dass der Staat nichts gegen die Gewalt unternehme. „Konversion ist ein Mythos, Attacken auf Christen dagegen Realität“, so der Priester. Er äußerte den Verdacht, dass die von der nationalistischen Hindu-Partei BJP gestellte Regierung Karnatakas „hinter den Übergriffen“ stehe. Seit Beginn der Ausschreitungen militanter Hindus gegen Christen vor gut drei Wochen sollen nach Angaben von asianews 45 Menschen ums Leben gekommen und bis zu 50 000 in die Flucht getrieben worden sein. 56 Kirchen, elf Schulen und vier weitere kirchliche Einrichtungen seien zerstört. Am stärksten betroffen ist bislang der ostindische Bundesstaat Orissa.

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