„Ich werde in Zurückgezogenheit mit meinem Gebet immer bei Euch sein“

In freier Rede an die Priester von Rom rief Benedikt XVI. dazu auf, ausgehend vom „Jahr des Glaubens“ das wahre Konzil zu verwirklichen und die Kirche zu erneuern
Foto: dpa | Da war er noch einmal ganz in seinem Element: Vor Priestern des Bistums Rom sprach der Heilige Vater am Donnerstag in der Audienzhalle des Vatikans eine Stunde lang in freier Rede über das Zweite Vatikanum.
Foto: dpa | Da war er noch einmal ganz in seinem Element: Vor Priestern des Bistums Rom sprach der Heilige Vater am Donnerstag in der Audienzhalle des Vatikans eine Stunde lang in freier Rede über das Zweite Vatikanum.

Eminenz, liebe Mitbrüder im Bischofs- und im Priesteramt!

Es ist ein besonderes Geschenk der Vorsehung für mich, dass ich – bevor ich mich von meinem Petrusamt zurückziehe – nochmals meinem Klerus, dem Klerus von Rom begegnen darf. Es ist immer eine große Freude, zu sehen, wie die Kirche lebt, wie in Rom die Kirche lebendig ist; es gibt Hirten, die im Geiste des Obersten Hirten die Herde des Herrn führen. Es ist ein wirklich katholischer, universaler Klerus, und das entspricht dem Wesen der Kirche Roms: die Universalität, die Katholizität aller Völker, aller Rassen, aller Kulturen in sich zu tragen. Gleichzeitig bin ich dem Kardinalvikar äußerst dankbar, der hilft, die Berufungen in Rom selbst neu zu erwecken und neu zu finden, denn wenn Rom einerseits die Stadt der Universalität sein soll, muss es auch eine Stadt mit einem starken, festen Glauben sein, aus dem auch Berufungen entstehen. Und ich bin überzeugt, dass wir mit Hilfe des Herrn die Berufungen finden können, die Er selbst uns schenkt, dass wir sie lenken und ihnen helfen können, zu reifen, und so der Arbeit im Weinberg des Herrn dienen.

Heute habt Ihr vor dem Grab des Apostels Petrus das Glaubensbekenntnis gesprochen. Im „Jahr des Glaubens“ scheint es mir angemessen, ja, vielleicht notwendig, dass sich der Klerus von Rom am Grab des Apostels versammelt, über den Jesus gesagt hat: „Dir vertraue ich meine Kirche an. Auf dich will ich meine Kirche bauen“ (vgl. Mt 16,18–19). Vor dem Herrn habt Ihr gemeinsam mit Petrus bekannt: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16). So wächst die Kirche: gemeinsam mit Petrus Christus bekennen, Christus folgen. Das wollen wir immer tun. Ich bin äußerst dankbar für Euer Gebet, das ich – wie ich am Mittwoch gesagt habe – fast physisch verspürt habe. Auch wenn ich mich jetzt zurückziehe, bin ich Euch allen im Gebet stets nahe, und ich bin gewiss, dass auch Ihr alle mir nahe sein werdet – auch wenn ich für die Welt verborgen bleibe.

Für heute habe ich den Umständen meines Alters entsprechend keine große, richtige Ansprache vorbereiten können, wie zu erwarten gewesen wäre. Ich möchte vielmehr ein wenig über das Zweite Vatikanische Konzil plaudern, wie ich es erlebt habe. Ich möchte mit einer Anekdote beginnen: Ich wurde 1959 zum Professor an der Universität Bonn ernannt, wo die Studenten, die Seminaristen der Diözese Köln sowie der umliegenden Diözesen studieren. So kam ich mit dem Kölner Kardinal Frings in Kontakt. Kardinal Siri aus Genua hatte – mir scheint 1961 – eine Reihe von Vorträgen verschiedener europäischer Kardinäle über das Konzil organisiert und auch den Erzbischof von Köln eingeladen, einen Vortrag zu halten mit dem Titel: „Das Konzil und die Welt des modernen Denkens“.

Der Kardinal hatte mich – den jüngsten der Professoren – aufgefordert, ihm einen Entwurf zu schreiben; der Entwurf hat ihm gefallen, und er hat in Genua diesen Text, so wie ich ihn geschrieben hatte, vorgelesen. Kurz darauf lud Papst Johannes ihn ein, zu ihm zu kommen, und der Kardinal befürchtete, er habe vielleicht etwas Ungenaues oder Falsches gesagt, und man habe ihn herbeizitiert, um ihm Vorwürfe zu machen, vielleicht sogar, um ihm dem Purpur abzuerkennen. Ja, als sein Sekretär ihn für die Audienz angekleidet hat, sagte er: „Vielleicht trage ich dieses Gewand zum letzten Mal“. Dann ging er hinein. Papst Johannes ging ihm entgegen, umarmte ihn und sagte: „Danke Eminenz, Sie haben die Dinge gesagt, die ich sagen wollte, aber wozu ich die Worte nicht gefunden habe“. So wusste der Kardinal, dass er auf dem rechten Weg war, und lud mich ein, ihn zum Konzil zu begleiten, zunächst als sein persönlicher Berater; dann, im Laufe der ersten Sitzungsperiode – mir scheint im November 1962 – wurde ich auch zum offiziellen Peritus des Konzils ernannt.

Wir haben uns also nicht nur voller Freude, sondern voller Begeisterung zum Konzil begeben. Es gab eine unglaubliche Erwartungshaltung. Wir hofften, alles würde sich erneuern, es würde wirklich ein neues Pfingsten, ein neues Zeitalter der Kirche kommen, denn die Kirche war zu jener Zeit noch recht stark, die Teilnahme am Sonntagsgottesdienst noch verbreitet, die Berufungen zum Priestertum und zum Ordensleben waren bereits ein wenig zurückgegangen, aber noch ausreichend. Man spürte jedenfalls, dass es mit der Kirche nicht vorwärts ging, dass sie abnahm, dass sie eher als etwas Vergangenes, denn als Trägerin der Zukunft erschien. In jenem Moment hofften wir, dass diese Relation sich erneuern, sich verändern würde; dass die Kirche wieder zu einer Kraft der Zukunft und der Gegenwart würde. Wir wussten, dass die Beziehung zwischen Kirche und Moderne von Anfang an ein wenig gegensätzlich war, angefangen vom Irrtum der Kirche im Fall Galileo Galilei; man dachte, diesen falschen Anfang zurechtzurücken und erneut die Einheit zwischen der Kirche und den besten Kräften der Welt zu finden, um die Zukunft der Menschheit, den wahren Fortschritt herbeizuführen. So waren wir von Hoffnung und Begeisterung erfüllt, sowie von dem Willen, das Unsere dazu beizusteuern. Ich erinnere mich, dass die Römische Synode als negatives Beispiel betrachtet wurde. Es hieß – ich weiß nicht, ob es stimmt – in der Basilika San Giovanni seien vorbereitete Texte vorgelesen worden, die Mitglieder der Synode hätten durch Applaus zugestimmt, und so sei die Synode abgelaufen. Die Bischöfe sagten: „Nein, so machen wir das nicht. Wir sind Bischöfe, wir sind selbst handelnde Subjekte der Synode; wir wollen nicht nur billigen, was gemacht wurde, wir wollen vielmehr handelndes Subjekt und Träger des Konzils sein.“ So sagte auch Kardinal Frings, der für seine absolute, unbedingte Treue zum Heiligen Vater berühmt war, in diesem Fall: Hier sind wir in anderer Funktion. Der Papst hat uns einberufen, Väter zu sein, ein Ökumenisches Konzil zu sein, handelndes Subjekt, das die Kirche erneuert. So wollen wir diese unsere Rolle annehmen.

Der erste Moment, bei dem diese Haltung zum Vorschein kam, war gleich der erste Tag. Für diesen ersten Tag war die Wahl der Kommissionen vorgesehen, und es waren auf unparteiische Weise – so jedenfalls versuchte man – die Listen, die Namen vorbereitet worden; und diese Listen waren zu verabschieden. Doch sofort sagten die Konzilsväter: Nein, wir wollen nicht bereits fertige Listen verabschieden. Wir sind das handelnde Subjekt. Die Abstimmung musste also verschoben werden, weil die Konzilsväter einander ein wenig kennenlernen und selbst die Listen vorbereiten wollten. Und so geschah es. Kardinal Liénart von Lille und Kardinal Frings aus Köln hatten öffentlich gesagt: „So nicht. Wir wollen unsere Listen machen und unsere Kandidaten wählen“. Das war kein revolutionärer Akt, sondern ein Akt des Gewissens, der Verantwortung, seitens der Konzilsväter.

So begann eine große Aktivität, um einander kennenzulernen. In der „Anima“, wo ich wohnte, erhielten wir zahlreiche Besuche: Der Kardinal war sehr bekannt, wir haben Kardinäle aus der ganzen Welt gesehen. Ich erinnere mich gut an die große und schlanke Gestalt Bischof Etchégarays, der Sekretär der Französischen Bischofskonferenz war, an die Begegnungen mit Kardinälen etc.. Und das war typisch für das ganze Konzil: kleine Begegnungen untereinander. So habe ich große Gestalten wie De Lubac, Daniélou, Congar etc. kennengelernt. Wir haben verschiedene Bischöfe kennen gelernt; ich erinnere mich besonderes an Bischof Elchinger aus Straßburg, etc.. Und das war bereits eine Erfahrung der Universalität der Kirche und der konkreten Realität der Kirche, die nicht einfach nur Anweisungen von oben erhält, sondern gemeinsam wächst und vorangeht, immer natürlich unter der Anleitung des Nachfolgers Petri.

Alle kamen, wie ich schon sagte, mit großen Erwartungen; es war niemals ein Konzil von solchen Dimensionen ausgetragen worden, aber nicht alle wussten, wie sie sich verhalten sollten. Diejenigen, die am besten vorbereitet waren – sagen wir diejenigen mit den klarsten Absichten – waren das französische, deutsche, belgische, und holländische Episkopat, die sogenannte „rheinische Allianz“. Und im ersten Teil des Konzils waren sie es, die den Weg vorgaben; dann hat sich die Aktivität schnell erweitert, und alle hatten immer mehr Anteil an der Schaffenskraft des Konzils. Die Franzosen und die Deutschen hatten verschiedene gemeinsame Interessen, wenn auch mit einigermaßen unterschiedlichen Schattierungen. Die erste, anfängliche, einfache – scheinbar einfache – Intention war die Reform der Liturgie, die bereits mit Pius XII. begonnen hatte, der schon die Karwoche reformiert hatte; die zweite war die Ekklesiologie; die dritte das Wort Gottes, die Offenbarung; und schließlich auch die Ökumene. Die Franzosen hatten – weitaus mehr als die Deutschen – noch das Problem, die Situation der Beziehungen zwischen Kirche und Welt zu behandeln.

Beginnen wir mit dem ersten Punkt. Nach dem Ersten Weltkrieg war gerade in Mittel- und Westeuropa die liturgische Bewegung gewachsen, eine Wiederentdeckung des Reichtums und der Tiefe der Liturgie, die bislang im Römischen Messbuch des Priesters beinahe verschlossen war, während die Menschen nach eigenen Gebetbüchern beteten, die nach ihrem Herzen gemacht waren, so dass man versuchte, die hohen Inhalte, die hohe Sprache der klassischen Liturgie mit gefühlsmäßigeren Worten zum Ausdruck zu bringen, die dem Herzen des Volkes näher waren. Doch es waren fast zwei parallele Liturgien: der Priester – mit den Messdienern –, der die Messe nach dem Messbuch feierte, und die Laien, die in der Messe gemeinsam aus ihren Gebetbüchern beteten und im wesentlich wussten, was am Altar geschah. Doch nun war gerade die Schönheit, die Tiefe, der historische, menschliche, spirituelle Reichtum des Messbuchs wieder entdeckt worden, sowie die Notwendigkeit, dass nicht nur ein Vertreter des Volkes, ein kleiner Messdiener sagen sollte: „Et cum spiritu tuo“ etc., sondern dass es ein wirklicher Dialog zwischen dem Priester und dem Gottesvolk sein sollte, dass die Liturgie des Altares und die Liturgie des Volkes wirklich eine einzige Liturgie würden, eine aktive Teilnahme, dass der Reichtum zum Volk gelangen sollte; und so wurde die Liturgie neu entdeckt, erneuert.

Ich finde jetzt in der Rückschau, dass es sehr gut war, mit der Liturgie zu beginnen, so kommt der Primat Gottes, der Primat der Anbetung zum Ausdruck. „Operi Dei nihil praeponatur“ – dieses Wort aus der Regel des heiligen Benedikt (vgl. 43,3) erscheint so als die oberste Regel des Konzils. Jemand hat kritisiert, das Konzil habe über vieles gesprochen, aber nicht über Gott. Es hat über Gott gesprochen! Und es war der erste und wesentliche Akt, über Gott zu sprechen und alle Menschen, das ganze Gottesvolk, der Anbetung Gottes zu öffnen, in der gemeinsamen Feier der Liturgie des Leibes und Blutes Christi. In diesem Sinn war es, über die praktischen Faktoren hinaus, die davon abraten ließen, sofort mit kontroversen Themen zu beginnen, sagen wir, wirklich ein Akt der Vorsehung, dass zu Beginn des Konzils die Liturgie stand, Gott stand, die Anbetung stand. Ich möchte jetzt nicht auf die Einzelheiten der Diskussion eingehen, aber es lohnt sich immer – über die praktische Ausführung hinaus –, zum Konzil selbst zurückzukehren, auf seine Tiefe und seine wesentlichen Ideen.

Es gab, würde ich sagen, verschiedene: vor allem das Ostermysterium als Zentrum des Christseins und folglich des christlichen Lebens, des Jahres, des Kirchenjahres, das in der Osterzeit und am Sonntag zum Ausdruck kommt, der immer der Tag der Auferstehung ist. Immer von Neuem beginnen wir unsere Zeit mit der Auferstehung, Begegnung mit dem Auferstandenen, und von der Begegnung mit dem Auferstandenen aus gehen wir in die Welt. In diesem Sinn ist es schade, dass der Sonntag heute das Wochenende geworden ist, während er eigentlich der erste Tag, der Beginn ist. Innerlich müssen wir dessen gewahr bleiben, dass es der Anfang ist, der Anfang der Schöpfung, es ist der Anfang der Rekreation in der Kirche, die Begegnung mit dem Schöpfer und mit dem auferstandenen Christus. Auch dieser zweifache Inhalt des Sonntags ist wichtig: Es ist der erste Tag, also das Fest der Schöpfung, wir stehen auf dem Fundament der Schöpfung, wir glauben an Gott, den Schöpfer; und er ist Begegnung mit dem Auferstandenen, der die Schöpfung erneuert; sein wahres Ziel ist, eine Welt zu schaffen, die Antwort auf die Liebe Gottes ist.

Dann gab es Grundsätze: die Verständlichkeit – statt in eine unbekannte, nicht gesprochene Sprache eingeschlossen zu sein – und auch die aktive Teilnahme. Leider sind diese Grundsätze auch falsch verstanden worden. Verständlichkeit bedeutet nicht Banalität, denn die großen Texte der Liturgie sind – auch wenn sie Gott sei Dank in der Muttersprache gesprochen werden – nicht einfach zu verstehen; sie bedürfen einer ständigen Ausbildung des Christen, damit er wachsen und immer tiefer in das Geheimnis eindringen und auf diese Weise verstehen kann. Und auch das Wort Gottes – wenn ich Tag für Tag an die Lesung des Alten Testaments, der Paulusbriefe, der Evangelien denke: Wer könnte sagen, dass er das sofort versteht, nur weil es in seiner Sprache ist? Nur eine ständige Bildung des Herzens und des Geistes kann wirklich Verständlichkeit und eine Teilnahme schaffen, die mehr als äußerer Aktivismus ist, die ein Eintreten der Person, meines Seins, in die Gemeinschaft der Kirche und so in die Gemeinschaft mit Christus ist.

Zweites Thema: die Kirche. Wir wissen, dass das Erste Vatikanische Konzil aufgrund des deutsch-französischen Krieges unterbrochen wurde, und so blieb es einseitig, fragmentarisch, weil die Lehre über den Primat – die Gott sei Dank in jenem historischen Moment für die Kirche definiert worden und für die Folgezeit äußerst notwendig war – nur ein Element einer umfangreicheren Ekklesiologie darstellte, die vorgesehen und vorbereitet war. So war es ein Fragment geblieben. Und man konnte sagen: Wenn das Fragment so bleibt wie es ist, tendieren wir zu einer Einseitigkeit: die Kirche wäre nur der Primat. So bestand also schon von Anfang an die Absicht, die Ekklesiologie des Ersten Vatikanums zu einem Zeitpunkt, der noch zu bestimmen war, zu einer kompletten Ekklesiologie zu vervollständigen. Auch hier schienen die Bedingungen sehr günstig, da nach dem Ersten Weltkrieg der Sinn für Kirche auf neue Weise wiedergeboren war. Romano Guardini sagte: „In den Seelen beginnt die Kirche wiederzuerwachen“, und ein evangelischer Bischof sprach vom „Jahrhundert der Kirche“. Es wurde vor allem der Begriff – der auch vom Ersten Vatikanum vorgesehen war – des Mystischen Leibes Christi wiedergefunden. Man wollte sagen und zu verstehen geben, dass die Kirche keine Organisation ist, nichts Strukturiertes, Rechtliches, Institutionelles – wenngleich sie auch das ist –, sondern ein Organismus, etwas Lebendiges, das in meine Seele eindringt, sodass ich selbst, gerade mit meiner gläubigen Seele, ein konstruktives Element der Kirche als solcher bin. In diesem Sinn hatte Pius XII. die Enzyklika „Mystici Corporis Christi“ geschrieben, als einen Schritt zur Vervollständigung der Ekklesiologie des Ersten Vatikanums.

Ich würde sagen, dass die theologische Diskussion der dreißiger und vierziger, auch der zwanziger Jahre, vollkommen unter dem Zeichen des Begriffs „Mystici Corporis“ stand. Es handelte sich um eine Entdeckung, die in jener Zeit große Freude hervorgerufen hat, und in diesem Kontext ist auch die Formel entstanden: Wir sind die Kirche, die Kirche ist keine Struktur; wir Christen selbst sind alle gemeinsam der lebendige Leib der Kirche, Und natürlich gilt das in dem Sinn, dass wir, das wahre „Wir“ der Gläubigen, gemeinsam mit dem „Ich“ Christi die Kirche bilden; jeder von uns, nicht ein „Wir“, eine Gruppe, die sich zur Kirche erklärt. Nein: Dieses „Wir sind Kirche“ erfordert gerade, dass ich mich einfüge in das große „Wir“ der Gläubigen aller Zeiten und aller Orte. Also, die erste Idee: die Ekklesiologie theologisch vervollständigen, aber auch auf strukturelle Weise weiter vorgehen, das heißt: neben der Nachfolge Petri, seiner einzigartigen Funktion, auch die Funktion der Bischöfe, des episkopalen Leibes besser beschreiben. Und um das zu machen, war der Begriff „Kollegialität“ gefunden worden, der sehr heftig – ich würde beinahe sagen, auf ein wenig übertriebene Weise – diskutiert wurde. Doch es war der Begriff – vielleicht gäbe es auch einen anderen, aber dieser wurde benutzt –, um zum Ausdruck zu bringen, dass die Bischöfe gemeinsam die Fortführung der Zwölf, des Leibes der Apostel, bilden. Wir haben gesagt: Nur ein Bischof, der Bischof von Rom, ist der Nachfolger eines bestimmten Apostels, des Petrus. Alle anderen werden Nachfolger der Apostel, indem sie in den Leib eintreten, der den Leib der Apostel fortführt. So ist gerade der Leib der Bischöfe, das Kollegium, die Fortführung des Leibes der Zwölf und hat so seine Notwendigkeit, seine Funktion, seine Rechte und Pflichten. Vielen erschien es wie ein Kampf um Macht, und vielleicht hat auch der eine oder andere an seine Macht gedacht, aber im Wesentlichen ging es nicht um Macht, sondern um die Komplementarität der Faktoren und die Vollständigkeit des Leibes der Kirche mit den Bischöfen, den Nachfolgern der Apostel, als tragenden Elementen; und jeder von ihnen ist tragendes Element der Kirche, gemeinsam mit diesem großen Leib.

Das waren, sagen wir, die beiden fundamentalen Elemente, und auf der Suche nach einer theologisch vollständigen Sicht der Ekklesiologie war in der Zwischenzeit – nach den vierziger Jahren, in den Fünfzigern – bereits ein wenig Kritik am Konzept des Leibes Christi entstanden: „mystisch“ sei zu spirituell, zu exklusiv; das Konzept des „Volkes Gottes“ stand also auf dem Spiel. Und das Konzil hat zu Recht dieses Element angenommen, das bei den Vätern als Ausdruck der Kontinuität zwischen dem Alten und dem Neuen Testament angesehen wurde. Im Text des Neuen Testaments bedeutet der Begriff „Laos tou Theou“, der den Texten des Alten Testaments entspricht – mir scheint mit nur zwei Ausnahmen –, das alte Volk Gottes, die Juden, die unter den Völkern, „goim“, der Welt „das“ Volk Gottes sind. Und die anderen, wir Heiden, sind nicht von uns aus das Volk Gottes, wir werden Kinder Abrahams und folglich Volk Gottes, indem wir in Gemeinschaft mit Christus treten, der der einzige Same Abrahams ist. Und indem wir mit Ihm in Gemeinschaft treten, eins mit Ihm sind, sind auch wir Volk Gottes. Das heißt, der Begriff „Volk Gottes“ beinhaltet Kontinuität von Altem und Neuem Testament, Kontinuität der Geschichte Gottes mit der Welt, mit den Menschen, aber er beinhaltet auch das christologische Element. Nur durch die Christologie werden wir Volk Gottes und so verbinden sich die beiden Vorstellungen. Und das Konzil hat beschlossen, einen trinitarischen Aufbau der Ekklesiologie zu schaffen: Volk Gottes, des Vaters, Leib Christi, Tempel des Heiligen Geistes.

Doch erst nach dem Konzil wurde ein Element herausgestellt, das sich – ein wenig verborgen – auch im Konzil selbst findet, und zwar: die Verbindung zwischen Volk Gottes und Leib Christi ist gerade die Gemeinschaft mit Christus in der eucharistischen Vereinigung. Hier werden wir Leib Christi; das heißt die Beziehung zwischen dem Volk Gottes und dem Leib Christi schafft eine neue Realität: die Gemeinschaft. Und nach dem Konzil wurde entdeckt, würde ich sagen, wie das Konzil in Wirklichkeit diese Vorstellung gefunden, zu dieser Vorstellung geführt hat: die Gemeinschaft als zentrale Idee. Ich würde sagen, dass dies philologisch beim Konzil noch nicht ganz ausgereift war, doch es ist ein Ergebnis des Konzils, dass die Idee der Gemeinschaft immer mehr Ausdruck des Wesens der Kirche wurde, Gemeinschaft in ihren verschiedenen Dimensionen: Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott – der selbst Gemeinschaft zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist ist –, sakramentale Gemeinschaft, konkrete Gemeinschaft im Episkopat und im Leben der Kirche.

Noch konfliktreicher war das Problem der Offenbarung. Hier ging es um die Beziehung zwischen Schrift und Tradition, und hier waren vor allem die Exegeten an größerer Freiheit interessiert; sie fühlten sich ein wenig, sagen wir einmal, in einer Situation der Unterlegenheit den Protestanten gegenüber, die große Entdeckungen machten, während sich die Katholiken von der Notwendigkeit, sich dem Lehramt zu unterwerfen, ein wenig „behindert“ fühlten. Hier ging es also um einen ganz konkreten Kampf: Welche Freiheit haben die Exegeten? Wie liest man die Heilige Schrift richtig? Was bedeutet Tradition? Es war ein mehrdimensionales Gefecht, das ich jetzt nicht aufzeigen kann, aber wichtig ist, dass die Schrift sicher das Wort Gottes ist, und die Kirche der Schrift untersteht, dem Wort Gottes gehorcht, und nicht über der Schrift steht. Und doch ist die Heilige Schrift nur die Heilige Schrift, weil es die lebendige Kirche gibt, die Kirche als lebendiges Subjekt; ohne die Kirche als lebendiges Subjekt ist die Heilige Schrift nur ein Buch, das für verschiedene Interpretationen offen ist und keine letzte Klarheit vermittelt.

Hier gab es – wie ich gesagt habe – einen schwierigen Kampf, und ein Eingreifen von Papst Paul VI. war dann entscheidend. Dieses Eingreifen zeigt die ganze Feinfühligkeit des Vaters, seine Verantwortung für den Verlauf des Konzils, aber auch seinen großen Respekt vor dem Konzil. Es war die Vorstellung aufgekommen, die Heilige Schrift sei vollständig, dass sich dort alles finde; man brauche also die Tradition nicht, und daher habe das Lehramt nichts zu sagen. Der Papst hat also dem Konzil ich glaube vierzehn Formulierungen eines Satzes vorgelegt, der in den Text über die Offenbarung eingefügt werden sollte, und er gab uns, gab den Konzilsvätern die Freiheit, sich für eine der vierzehn Formulierungen zu entscheiden, aber er sagte, eine muss ausgewählt werden, um den Text zu vervollständigen. Ich erinnere mich mehr oder weniger an die Formulierung „non omnis certitudo de veritatibus fidei potest sumi ex Sacra Scriptura“, also die Gewissheit der Kirche über den Glauben entsteht nicht nur aus einem für sich stehenden Buch, sondern bedarf der erleuchteten Kirche, die durch den Heiligen Geist getragen wird. Nur so spricht dann die Schrift und erlangt ihre ganze Glaubwürdigkeit. Dieser Satz, für den wir uns in der Lehrkommission entschieden haben, eine der vierzehn Formulierungen, ist entscheidend, so würde ich sagen, um die Unentbehrlichkeit, die Notwendigkeit der Kirche zu zeigen, und so zu verstehen, was Tradition heißt, der lebendige Leib, in dem dieses Wort von Anfang an wohnt und aus dem es sein Licht empfängt, in dem es entstanden ist. Schon die Tatsache, dass es einen Kanon gibt, ist ein kirchlicher Fakt: dass diese Schriften die Heilige Schrift bilden, resultiert aus der Erleuchtung der Kirche, die in sich diesen Schriftenkanon gefunden hat; sie hat ihn gefunden, nicht geschaffen, und immer und nur in dieser Gemeinschaft der lebendigen Kirche kann man auch die Heilige Schrift wirklich als Wort Gottes lesen und verstehen, als Wort, das uns im Leben und im Tod leitet.

Wie gesagt, das war eine ziemlich schwierige Auseinandersetzung, aber dank des Papstes und dank, sagen wir, der Erleuchtung des Heiligen Geistes, der beim Konzil gegenwärtig war, ist ein Dokument entstanden, das eines der schönsten und auch innovativsten des ganzen Konzils ist, und das noch sehr viel gründlicher studiert werden muss. Denn auch heute tendiert die Exegese dazu, die Heilige Schrift außerhalb der Kirche zu lesen, außerhalb des Glaubens, nur im sogenannten Geist der historisch-kritischen Methode, einer wichtigen Methode, aber niemals so, dass sie Lösungen als letzte Gewissheit bieten könnte; nur wenn wir glauben, dass dies keine menschlichen Worte, sondern Gottes Worte sind, und nur wenn das lebendige Subjekt lebt, zu dem Gott gesprochen hat und spricht, können wir die Heilige Schrift richtig interpretieren. Und hier – wie ich im Vorwort meines Buches über Jesus gesagt habe (vgl. Bd. I) – ist noch viel zu tun, um zu einer Lesart zu finden, die wirklich im Geist des Konzils steht. Hier ist die Anwendung des Konzils noch nicht vollständig, muss sie noch erfolgen.

Und schließlich die Ökumene. Ich möchte jetzt nicht auf diese Probleme eingehen, doch es war selbstverständlich – vor allem nach der „Passion“ der Christen in der Zeit der Nationalsozialisten –, dass die Christen Einheit finden könnten, wenigsten die Einheit suchen könnten, aber es war auch klar, dass nur Gott die Einheit schenken kann. Und dahin sind wir noch unterwegs. Nun, mit diesen Themen hatte die „rheinische Allianz“ sozusagen ihre Arbeit gemacht.

Der zweite Teil des Konzils ist weitaus umfangreicher. Mit größter Dringlichkeit stellte sich das Thema: Welt von heute, Zeit der Moderne, und Kirche; und damit verbunden die Themen der Verantwortung für den Aufbau dieser Welt, der Gesellschaft, der Verantwortung für die Zukunft dieser Welt und die eschatologische Hoffnung, der ethischen Verantwortung des Christen, wo er seine Anleitung findet; und dann Religionsfreiheit, Fortschritt und Beziehungen zu den anderen Religionen. In diesem Moment haben sich wirklich alle Teile des Konzils in die Diskussion eingeschaltet, nicht nur Amerika, die Vereinigten Staaten, mit einem starken Interesse an der Religionsfreiheit. In der dritten Sitzungsperiode sagten sie dem Papst: Wir können nicht nach Hause fahren, ohne eine vom Konzil verabschiedete Erklärung über die Religionsfreiheit im Gepäck zu haben. Der Papst hatte jedenfalls die Entschlossenheit, die Entscheidungskraft und die Geduld, den Text zur vierten Sitzungsperiode zu bringen, um ihn zur Reifung zu führen und einen einigermaßen vollständigen Konsens unter den Konzilsvätern zu erreichen. Ich sage: Nicht nur die US-Amerikaner haben sich mit großer Kraft in das Konzil eingemischt, sondern auch Lateinamerika, im klaren Bewusstsein um das Elend der Bevölkerung, eines katholischen Kontinents, und der Verantwortung des Glaubens für die Situation dieser Menschen. Und so haben auch Afrika und Asien die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs gesehen; es waren Probleme gewachsen, die wir Deutschen, so muss ich sagen, anfangs nicht gesehen haben. Ich kann das jetzt nicht alles beschreiben. Das große Dokument „Gaudium et spes“ hat das Problem zwischen christlicher Eschatologie und weltlichem Fortschritt, zwischen Verantwortung für die Gesellschaft von morgen und Verantwortung des Christen vor der Ewigkeit sehr gut analysiert, und so hat es auch die christliche Ethik, die Grundlagen erneuert. Doch, sagen wir, unerwarteterweise, ist außerhalb dieses bedeutenden Dokuments ein Dokument entstanden, das auf prägnantere und konkretere Weise auf die Herausforderungen der Zeit antwortete: „Nostra aetate“. Von Anfang an waren unsere jüdischen Freunde dabei, die – vor allem uns Deutschen, aber nicht nur uns – sagten, dass nach den traurigen Geschehnissen dieses nationalsozialistischen Jahrhunderts, des nationalsozialistischen Jahrzehnts, die katholische Kirche ein Wort über das Alte Testament, über das jüdische Volk sagen sollte. Sie sagten: Auch wenn klar ist, dass die Kirche nicht für die Shoah verantwortlich ist, waren diejenigen, die diese Verbrechen begangen haben, großteils Christen; wir müssen das christliche Gewissen erneuern und vertiefen, auch wenn wir genau wissen, dass die wahren Gläubigen immer Widerstand gegen diese Dinge geleistet haben. Und so war klar, dass die Beziehung zur Welt des alten Volkes Gottes Gegenstand der Reflexion sein musste. Es ist auch verständlich, dass die arabischen Länder – die Bischöfe der arabischen Länder – darüber nicht glücklich waren: Sie befürchteten ein wenig eine Verherrlichung des Staates Israel, den sie natürlich nicht wollten. Sie sagten: Gut, ein wirklich theologischer Verweis auf das jüdische Volk ist in Ordnung, ist notwendig, aber wenn Ihr darüber redet, dann redet auch über den Islam; nur so finden wir ein Gleichgewicht; auch der Islam stellt eine große Herausforderung dar, und die Kirche muss auch ihre Beziehung zum Islam klären. Etwas, das wir in jenem Moment nicht so recht verstanden haben – ein wenig, aber nicht sehr. Heute wissen wir, wie notwendig das war.

Als wir begannen, auch über den Islam zu arbeiten, haben sie uns gesagt: Aber es gibt auch noch andere Religionen auf der Welt: ganz Asien! Denkt an den Buddhismus, an den Hinduismus... Und so ist statt einer Erklärung, die anfangs nur für das alte Volk Gottes gedacht war, ein Text über den interreligiösen Dialog entstanden, der vorwegnahm, was sich nur dreißig Jahre später in seiner ganzen Intensität und Bedeutung zeigte. Ich kann jetzt nicht auf dieses Thema eingehen, aber wenn man den Text liest, sieht man, dass er äußerst dicht ist, dass er wirklich von Menschen vorbereitet wurde, die die Realität kannten, und dass er kurz, mit wenigen Worten, das Wesentliche angibt. So auch die Grundlage eines Dialogs, in der Unterschiedlichkeit, in der Verschiedenheit, im Glauben an die Einzigartigkeit Christi, der einer ist. Und für einen Gläubigen ist es nicht möglich, zu denken, die Religionen seien Variationen eines Themas. Nein, es gibt eine Wirklichkeit des lebendigen Gottes, der gesprochen hat, und es ist ein Gott, es ist ein menschgewordener Gott, folglich ein Wort Gottes, das wirklich Wort Gottes ist. Doch es gibt die religiöse Erfahrung mit einer gewissen menschlichen Einsicht über die Schöpfung, und folglich ist es notwendig und möglich, einen Dialog aufzunehmen und sich so einander zu öffnen sowie alle für den Frieden Gottes zu öffnen, aller seiner Kinder, seiner ganzen Familie.

Diese beiden Dokumente, Religionsfreiheit und „Nostra aetate“, stellen also in Verbindung mit „Gaudium et spes“ eine wichtige Trilogie dar, deren Bedeutung sich erst im Lauf der Jahrzehnte gezeigt hat, und wir arbeiten immer noch daran, um diese Gesamtheit von Einzigartigkeit der Offenbarung Gottes, Einzigartigkeit des einen, in Christus Mensch gewordenen Gottes, und der Vielzahl der Religionen besser zu verstehen, mit denen wir den Frieden suchen und auch das für das Licht des Heiligen Geistes offene Herz, der erleuchtet und zu Christus führt.

Ich möchte jetzt noch einen dritten Punkt hinzufügen: Es gab das Konzil der Väter – das wahre Konzil –, aber es gab auch das Konzil der Medien. Es war fast ein Konzil für sich, und die Welt hat das Konzil über sie, über die Medien, wahrgenommen. Das Konzil also, das unmittelbar zu den Menschen gelangte, war das Konzil der Medien, nicht das der Väter. Und während sich das Konzil der Väter innerhalb des Glaubens verwirklichte, es war ein Konzil des Glaubens, das den „intellectus“ sucht, das sich zu verstehen versucht und versucht, die Zeichen Gottes in jenem Moment zu verstehen, das versucht, auf Gottes Herausforderung in jenem Moment zu antworten und im Wort Gottes, das Wort für heute und morgen zu finden. Während sich also das ganze Konzil, wie ich sagte, innerhalb des Glaubens bewegte, als „fides quaerens intellectum“, verwirklichte sich das Konzil der Journalisten natürlich nicht im Glauben, sondern innerhalb der Kategorien der heutigen Medien, das heißt außerhalb des Glaubens, mit einer anderen Hermeneutik. Es war eine politische Hermeneutik: Für die Medien war das Konzil ein politischer Kampf, ein Machtkampf zwischen verschiedenen Strömungen in der Kirche. Es war klar, dass die Medien für jenen Teil Partei ergreifen würden, der ihnen besser zu ihrer Welt zu passen schien. Es gab diejenigen, die die Dezentralisierung der Kirche suchten, die Macht für die Bischöfe, und dann über den Begriff „Volk Gottes“ die Macht des Volkes, der Laien. Es gab jene dreifache Problemstellung: die Macht des Papstes, die dann übertragen wird auf die Bischöfe und auf die Macht aller, Volkssouveränität. Natürlich war das für sie der Teil, den es zu befürworten, zu fördern, zu favorisieren galt. Dasselbe bei der Liturgie: Die Liturgie interessierte nicht als Akt des Glaubens, sondern als etwas, wo etwas Verständliches geschieht, eine Handlung der Gemeinschaft, etwas Profanes. Und wir wissen, dass es eine – auch historisch begründete – Tendenz gab, die besagte: Das Sakrale ist etwas Heidnisches, gegebenenfalls auch des Alten Testaments. Für das Neue gilt nur, dass Christus außerhalb gestorben ist: das heißt, außerhalb der Türen, also in der heidnischen Welt. Das Sakrale galt es also zu beenden – Profanisierung auch des Kultes: Der Kult ist kein Kult, sondern ein Akt des Zusammenseins, der gemeinsamen Teilnahme und so auch der Teilnahme als Aktivität. Diese Übersetzungen, Banalisierungen der Konzilsidee waren in der Anwendungspraxis der Liturgiereform stark zu spüren; sie waren aus einer Sicht des Konzils entstanden, die außerhalb seines Verständnisschlüssels, des Glaubens, stand. Das geschah auch in Bezug auf die Heilige Schrift: Die Heilige Schrift ist ein historisches Buch, das es historisch zu behandeln gilt und nichts anderes, und so weiter.

Wir wissen, dass dieses Konzil der Medien allen zugänglich war. Es war also das, was dominierte, was größere Wirkung hatte, und es hat zu viel Unheil, zu vielen Probleme, wirklich zu viel Elend geführt: Schließung von Seminaren, Schließung von Klöstern, Banalisierung der Liturgie... und das wahre Konzil hatte Schwierigkeiten, sich zu konkretisieren, sich zu verwirklichen; das virtuelle Konzil war stärker als das reale Konzil. Doch die reale Kraft des Konzils war gegenwärtig, und allmählich verwirklicht es sich immer mehr und wird die wahre Kraft, die dann auch wahre Reform, wahre Erneuerung der Kirche ist. Mir scheint, dass wir fünfzig Jahre nach dem Konzil sehen, wie dieses virtuelle Konzil zerbricht, sich verliert, und das wahre Konzil mit seiner ganzen spirituellen Kraft erscheint. Und es ist unsere Aufgabe, gerade in diesem „Jahr des Glaubens“, ausgehend von diesem „Jahr des Glaubens“, dafür zu wirken, dass sich das wahre Konzil, mit seiner Kraft des Heiligen Geistes, verwirklichen möge und die Kirche wirklich erneuert werde. Hoffen wir, dass der Herr uns helfe. Ich werde in Zurückgezogenheit mit meinem Gebet immer bei Euch sein und gemeinsam werden wir mit dem Herrn vorangehen, in der Gewissheit: Der Herr siegt! Danke!

Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller

Themen & Autoren

Kirche

Synode
Synode
Synodalität als Stärkung der Kirche Premium Inhalt
Synodale Prozesse wecken derzeit sowohl Hoffnung als auch Sorgen. Doch was zeichnet den „gemeinsamen Weg“ aus? Zehn biblische Anregungen für synodale Gespräche.
20.09.2021, 19 Uhr
Martin Baranowski
Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer