„Hoffnungsträger für alle“

Christen wollen den Weg zur Einheit verpflichtend weitergehen

Hildesheim (DT/KNA) Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben sich verpflichtet, die sichtbare Einheit der Kirchen voranzutreiben. Dies haben der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, beim Ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst unter dem Thema „Erinnerung heilen (Healing of memories)“ in Hildesheim am Samstag zugesagt, wie die Kirchen vorab mitteilten. „Das Reformationsgedenken soll ein neuer Anfang sein für einen Weg, der uns als Kirchen nicht mehr voneinander trennt, sondern zusammenführt“, sagte der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm in einer Dialogpredigt mit Kardinal Marx in der Michaeliskirche. „Wir wollen in der Zukunft nicht mehr getrennt glauben, wir wollen gemeinsam glauben.“ Marx sprach 500 Jahre nach der Reformation von einem „Tag der Freude“ und ergänzte: „Ich bin froh, dass wir heute ein Zeichen für ein versöhntes Miteinander setzen. Wir nehmen unsere Geschichte an, schauen auf das, was Christen sich gegenseitig angetan haben, und gehen gemeinsam weiter.“ Im Verlauf des Gottesdienstes hatten Jugendliche eine symbolische Sperre zu einem Kreuz aufgerichtet. Es gebe einen Weg, die Trennungen zu überwinden, so Bedford-Strohm. Aus der Sperre sei ein Kreuz geworden, dies sei der Schlüssel. Marx betonte: „Ich wünsche mir, dass wir sagen können: Die Christen in unserem Land bekommt man nicht mehr auseinander.“ Im Zeichen des Kreuzes seien sie Hoffnungsträger für alle Menschen, besonders für die Armen, Schwachen und Hoffnungslosen.

Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, erinnerte in einem Grußwort an 50 Jahre intensiven Dialog zwischen Lutheranern und Katholiken. „Die Hände, die sich evangelische und katholische Christen in den vergangenen Jahrzehnten gereicht haben, lassen sich nicht mehr los“, sagte Koch. Er dankte zugleich dafür, dass zum ersten Mal in der Geschichte der Reformationstag in ökumenischer Gemeinschaft begangen werden könne. Bischof Karl-Heinz Wiesemann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), forderte die Christen auf, der Welt die Kraft der Versöhnung zu zeigen: „Ja, es ist möglich, Hass und Feindschaft gemeinsam zu überwinden. Ja, es ist möglich, dass die Liebe siegt.“ Für die Glaubwürdigkeit eines solchen Zeugnisses reiche jedoch ein Nebeneinander der Konfessionen nicht aus. Die ACK habe deswegen die Verpflichtung zur sichtbaren Einheit der Kirche erneuert.

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