Hauskirche als Ort der Verkündigung

Vor dem Päpstlichen Familienrat hob Papst Benedikt die Bedeutung der christlichen Familien hervor. Von Guido Horst

Rom (DT) Die Vollversammlung des Päpstlichen Familienrats, die vorgestern zu Ende gegangen ist, hat in diesem Jahr unter einigen besonderen Vorzeichen gestanden. Zum einen fand sie dreißig Jahre nach der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens „Familiaris Consortio“ des seligen Johannes Pauls II. über die Aufgaben der christlichen Familie in der Welt von heute statt. Das Jahr damals, 1981, war aber auch das Gründungsdatum des Familienrats, der somit ein Jubiläum feierte. Zudem setzte Benedikt XVI. in seiner Ansprache am Donnerstag die christliche Familie in einen deutlichen Zusammenhang mit der Neuevangelisierung – ein Thema, das die Weltbischofssynode im kommenden Oktober beschäftigen wird und zu dem ein neu errichteter Päpstlicher Rat soeben seine Arbeit aufgenommen hat. Familie und die Neuverkündigung des Glaubens in Regionen, die den Glauben verloren haben: das war der rote Faden in den Worten des Papstes.

„Die Neuevangelisierung geht in großen Teilen von der Hauskirche aus“, begann Papst Benedikt seine Ansprache. In einer Zeit, in der die Gottesfinsternis, die Verbreitung von familienfeindlichen Ideologien sowie der Niedergang der Sexualethik in einer engen Verbindung stünden und da diese Gottesfinsternis mit der Krise der Familie zusammenhänge, könne die Neuevangelisierung nicht von der christlichen Familie getrennt werden.

Die Familie sei tatsächlich der „Weg der Kirche“, da sie den menschlichen Raum biete, um Christus zu begegnen. Die Eheleute „empfangen nicht nur die Liebe Christi und werden dadurch eine erlöste Gemeinschaft, sondern sind auch dazu berufen, diese Liebe Christi an die Mitmenschen weiterzugeben und so auch erlösende Gemeinschaft zu werden“, zitierte der Papst das Schreiben „Familiaris Consortio“. Die auf dem Sakrament der Ehe gegründete Familie sei die besondere Verwirklichung der Kirche als erlöste und erlösende, als evangelisierte und evangelisierende Gemeinschaft. Wie die Kirche selbst sei die Familie dazu berufen, in der Welt die Liebe und Gegenwart Christi anzunehmen, auszustrahlen und zu offenbaren.

Die Annahme und Weitergabe der göttlichen Liebe verwirkliche sich in der gegenseitigen Hingabe der Eheleute, in der großherzigen und verantwortlichen Fortpflanzung, in der Sorge um die Kinder und deren Erziehung, in der Arbeit und in den gesellschaftlichen Beziehungen, in der Aufmerksamkeit gegenüber den Bedürftigen, in der Teilnahme am kirchlichen Leben sowie im Engagement in der Zivilgesellschaft. In dem Maß, in dem es der christlichen Familie über den Weg der ständigen Bekehrung durch die Gnade des Heiligen Geistes gelinge, die Liebe als Gemeinschaft und Dienst zu leben, als gegenseitige Gabe und Öffnung gegenüber allen, spiegle sie in der Welt den Glanz Christi und die Schönheit der göttlichen Dreifaltigkeit wider.

Auf den Spuren seiner Vorgänger, so der Papst weiter, habe er die christlichen Eheleute immer wieder dazu angehalten, sowohl mit dem Zeugnis des eigenen Lebens wie auch durch die Teilnahme an den pastoralen Aktivitäten der Kirche zu evangelisieren. Papst Benedikt erinnerte an den Abschluss des italienischen Eucharistischen Kongresses in Ancona im vergangenen September, wo er bei seiner Begegnung mit den Eheleuten und Priestern darauf hingewiesen hatte, dass das Weihe- und das Ehesakrament auf ein und dieselbe eucharistische Quelle zurückzuführen seien: „Diese beiden Lebensformen haben nämlich in der Liebe Christi, der sich selber für das Heil der Menschheit hingibt, dieselbe Wurzel und sind zu einer gemeinsamen Sendung berufen: nämlich von dieser Liebe Zeugnis zu geben und sie im Dienst der Gemeinschaft für den Aufbau des Gottesvolkes zu vergegenwärtigen. Diese Perspektive erlaubt vor allem die Überwindung einer verkürzten Sicht der Familie, die diese lediglich als Empfängerin der seelsorgerischen Tätigkeit betrachtet. (...) Die Familie ist ein Reichtum für die Verlobten, ein unersetzliches Gut für die Kinder, ein unentbehrliches Fundament für die Gesellschaft, lebendige Gemeinschaft für den Weg der Kirche.“

Sodann nannte der Papst Aufgabenfelder, wo die Zusammenarbeit der christlichen Familie mit den Priestern und Bischöfen besonders dringend sei. Dazu gehörten die Erziehung der Kinder, der Heranwachsenden und der jungen Menschen zur Liebe im Sinne von Selbsthingabe und Gemeinschaft, die Vorbereitung der Verlobten auf das Eheleben durch einen Weg des Glaubens, die Bildung der Eheleute und besonders der jungen Paare, die Arbeit in Vereinigungen mit caritativen und erzieherischen Aufgaben sowie die Seelsorge der Familien für die Familien, die sich das ganze Leben hinziehen und dabei sowohl die Zeit der Arbeit wie die Zeit des Feierns und der Feste in ihrem Wert hervortreten lassen soll.

Abschließend erinnerte der Papst an das Weltfamilientreffen, das in Mailand vom 30. Mai bis zum 3. Juni des kommenden Jahres stattfinden wird. Der Papst dankte der Kirche von Mailand für ihren großen Einsatz und lud die Familien der Stadt und der Lombardei ein, die Pilger aus aller Welt aufzunehmen: Eine solche Gastfreundschaft werde Freude und Begeisterung stiften. „Es ist schön“, sagte der Papst, „sich kennenzulernen und Freundschaften zu schließen, sich das Leben in der Familie und die an sie gebundenen Erfahrungen im Glauben zu erzählen.“ In seinem Schreiben zur Einberufung des Treffens in Mailand habe er um einen angemessenen Weg der kirchlichen und kulturellen Vorbereitung der Begegnung gebeten. Benedikt XVI. dankte für alle Initiativen, die in diesem Sinn bereits unternommen worden seien, und lud alle ein, die kommenden Monate für eine fruchtbare Vorbereitung zu nutzen.

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