„Gott ist das Lebensprinzip“

Katechesen der Bischöfe Tebartz van Elst und Hofmann ermutigen Jugendliche zum Glaubenszeugnis in dieser Welt. Von Clemens Mann

Madrid (DT) „Das muss ich mir merken. Das ist eine tolle Antwort auf eine Frage, die immer wieder kommt“, sagt der Student aus Österreich, als der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst darauf antwortet, ob die kirchliche Hierarchie in Zeiten von Demokratie und Menschenrechten überhaupt noch tragbar seien. „Die Kirche ist keine parlamentarische Demokratie, die über die Wahrheit abstimmt. Die Wahrheit wird uns von Gott geschenkt“, hatte der Bischof entschieden geantwortet. Schnell greift der Österreicher zu einem Zettel und notiert sich einige Stichworte. Sichtlich überrascht ist am Ende auch ein anderer Pilger aus dem Bistum Passau. „Dass er so gut spricht, hätte ich nicht gedacht. Die Katechese hat mir sehr gefallen.“

Kurz vor 10 Uhr war der deutsche Bischof am Mittwoch zur Katechese in die weltweit erste Kirche gekommen, die der heiligen Edith Stein nach ihrer Heiligsprechung im Oktober 1998 geweiht worden war, Santa Teresia Benedicta de la Cruz in Madrid. Bei Sonnenschein hatte der Limburger Bischof viele Weltjugendtagspilger persönlich begrüßt und danach gefragt, woher sie kommen. Zu Beginn der Katechese waren es über 400 Jugendliche aus den bayerischen Bistümern wie Passau und Augsburg, die die Gelegenheit nutzten, einem Bischof hautnah zu begegnen und ihm alle Fragen über Kirche und Glauben zu stellen, die ihnen unter den Nägeln brannten. Denn was zuhause meist an einem vollen Terminkalender scheitert, nimmt während der internationalen Weltjugendtage viel Raum ein. Zu drei Katechesen, die zur Vertiefung des Weltjugendtagmottos „In ihm verwurzelt, auf ihn gegründet, fest im Glauben“ dienen, waren die jungen Christen am Mittwoch, Donnerstag und Freitag eingeladen.

In seiner Katechese forderte der Limburger Diözesanhirte die Jugendlichen dazu auf, während der Tage in Madrid ihrer eigenen Berufung nachzuspüren und sich bewusst zu machen, auf welchem Fundament das eigene Leben stehe. Denn um in der heutigen Zeit bestehen zu können, bedürfe es einer Beweglichkeit, die aus einer festen Verankerung komme. Im Glauben an Jesus Christus fänden die Jugendlichen diese Festigkeit, um den „Winden des Lebens“ widerstehen zu können, zeigte der Bischof sich überzeugt. Zugleich ermutigte Tebartz van Elst die Christen, von diesem Glauben Zeugnis abzulegen. „Wir alle bauen am Haus des Glaubens. Wir alle sind ein Zeichen für die Welt“, sagte der Bischof und fügte hinzu, dass andere Menschen dieses Zeugnis des Glaubens als Orientierung für ihr Leben dringender denn je bräuchten. Aus eigener Erfahrung wisse der Bischof, dass es entscheidend sei, dieses Fundament in Jesus Christus zu pflegen und zu verbreitern. Die heilige Edith Stein mache mit ihrer Zuwendung zum Gebet deutlich, wie Gott zu suchen ist. „Das ,Du des Glaubens‘ im Gebet zu finden ist wichtig“, erklärte der Bischof den lauschenden Zuhörern.„Wer aufhört zu beten, verliert seinen Glauben, wer anfängt zu beten, beginnt zu glauben.“ Welche Rolle Jesus Christus für den Glauben hat, vertiefte der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann bei seiner Katechese am Donnerstag vor Pilgern aus den Diözesen Speyer und Magdeburg sowie Jugendlichen aus der Schweiz. Die Katechese, bei der der Bischof die Dreifaltigkeit Gottes sowie die Beziehung der Jugendlichen zu Jesus Christus reflektierte, hatte den zweiten Teil des Weltjugendtagsmottos „auf ihn gegründet“ zum Thema. Dass der Mensch nur mit Hilfe von Jesus Christus überhaupt fähig ist, über Gott nachdenken zu können, erklärte Hofmann. „Gott ist das Lebensprinzip. Etwas von Gott zu denken aber ist sehr schwer“, sagte der Bischof. Durch das Lebenszeugnis Jesu Christi scheine die „Realität Gottes“ in die Welt hinein. Auch die Bibel erschließe sich nur in richtiger Weise, „wenn ich mich in Christus verwurzele“. Dieser Prozess der Verwurzelung in Christus benötige aber Geduld. „Glaube heißt auch Geduld. Man muss Gott in seinem Leben wirken lassen“, meint der Bischof. Am Ende seiner Katechese forderte Hofmann die Jugendlichen auf, ihr Christsein zu bekennen. „In der heutigen Zeit sei es wichtig, dass wir nicht alles nivellieren oder runtermachen.“ Es gelte, zu seinen Überzeugungen zu stehen und die Welt aus dem Glauben an Gott heraus zu gestalten. Deshalb komme es für einen Christen auch nicht in Frage, sich aus der Welt zurückzuziehen. Zu den Jugendlichen sagte Hofmann: „Ich glaube, euch ist eure Bedeutung für die Welt noch gar nicht richtig klar.“ Die jungen Menschen müssten dabei helfen, dass andere Menschen in die Beziehung mit Christus hineinwachsen.

Themen & Autoren

Kirche