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Theologischer Impuls zum Ökumenischen Kirchentag 2010: Regensburger Bischof stellte in Flossenbürg neues Buch über Dietrich Bonhoeffer vor

Flossenbürg (DT/KNA/pdr) Zu dem Thema kam der Theologiestudent Gerhard Ludwig Müller Anfang der 1970er Jahren nicht ganz freiwillig. Von seinem Doktorvater Karl Lehmann habe er sich „mehr oder weniger breitschlagen“ lassen, sich näher mit dem Leben und der Theologie Dietrich Bonhoeffers zu befassen. Heute zählt der Regensburger katholische Bischof, der über „Bonhoeffers Theologie der Sakramente“ promoviert hat, zu einem der profundesten Kennern des evangelischen Pfarrers und Widerstandkämpfers in der Zeit des Nationalsozialismus. Sein neues Buch „Dietrich Bonhoeffer begegnen“ stellte Müller am Dienstag in der oberpfälzischen KZ-Gedenkstätte Flossenbürg vor. Gedacht ist es für all jene Leser, die sich für Zeitgeschichte interessieren und sich mit theologischen Themen auseinandersetzen wollen. „Es gilt, Leben und Werk Bonhoeffers nicht nur in der akademischen Welt präsent zu halten, sondern auch einer breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen“, unterstrich der Bischof.

Der Ort für die Präsentation ist symbolträchtig. Im Konzentrationslager Flossenbürg wurde Bonhoeffer vor fast genau 65 Jahren, am 9. April 1945, auf mutmaßlich persönlichen Befehl Adolf Hitlers nach einem Scheingerichtsverfahren ermordet. Dietrich Bonhoeffer war erst 25 Jahre alt, als er sich 1932 entschieden gegen den Nationalsozialismus und seine Okkupation des Deutschen Reiches einsetzte. „Vorbildlich, dass ein so junger Mann in klarer Weise sieht, wohin eine Gesellschaft entgleist, wenn sie ihr Leitbild, die Menschenwürde aufgibt. Die meisten Zeitgenossen Bonhoeffers hofften ja 1933 auf eine strahlende, nationale Zukunft – bei aller Skepsis, die viele gegen Hitler und seine Mittäter hegten“:

Der Regensburger Bischof zeichnete das Bild eines mutigen Christen, der tief in seinem Glauben verankert lebte und dessen Tapferkeit in klaren Vorstellungen wurzelte von Gerechtigkeit und Menschenliebe: „Dietrich Bonhoeffer ist gerade ein Vorbild für unsere Zeit. Ein Vorbild für alle, denen die Einheit der Christen am Herzen liegt, weil er im gemeinsamen Zeugnis mit katholischen Brüdern und Schwestern bereit war, sein Leben für die Wahrheit Christi einzusetzen. Ein Vorbild für alle, die sich für Menschenwürde einsetzen, weil er erkannte, dass sie in Gott selber wurzelt und weil er klar sah, dass sie die Grundlage für Gerechtigkeit und Freiheit ist. Ein Vorbild für alle, die im Gebet die Beziehung suchen zu Gott, weil er alles Unrecht, ja selbst den Tod ertrug im Vertrauen auf ihn.“ Die Aktualität Dietrich Bonhoeffers zeigte sich auch im gut gefüllten Vortragsraum der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers.

Der evangelische Pfarrer und Vorsitzende der Dietrich-Bonhoeffer-Gesellschaft, Heinz Werner, freute sich deshalb, dass das Interesse an Dietrich Bonhoeffer auch 65 Jahre nach seiner Ermordung immer noch lebendig sei. Pfarrer Werner ist zu verdanken, dass ein Teil der Hinrichtungsstätte nach dem Krieg erhalten wurde. So konnten Jugendliche der örtlichen Pfarrei einen Kranz an der Stelle niederlegen, wo Dietrich Bonhoeffer ermordet wurde.

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