Glaube und Vernunft

Podium mit Bischof Müller und Harald Schöndorf in München

München (reg) Mit dem Verhältnis von Glaube und Vernunft haben sich der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, Vorsitzender der Ökumenekommission, und Harald Schöndorf SJ, Professor für Erkenntnistheorie und Geschichte der Philosophie an der Hochschule für Philosophie in München, am Donnerstag auf einem Podium befasst.

Schöndorf ging auf das heute vielfach als unüberbrückbar bewertete Spannungsverhältnis zwischen Vernunft und Glauben ein und beschrieb es als Phänomen einer mit mangelnder Kritik gepaarten Wissenskultur: „Alles mögliche wird in unserer Gesellschaft in Frage gestellt, nur nicht der Erwerb von Wissen“. Gleichzeitig habe sich eine Mentalität gebildet, die Wissen und Glauben in einen Widerspruch miteinander zu bringen scheine. Für einen sinnvollen Dialog der Theologie mit anderen Religionen und der Naturwissenschaft ist Schöndorf zufolge eine Vermittlungsinstanz notwendig. Die Kirche sollte darum mehr Wert auf Philosophie legen. Angesichts der bedeutenden philosophischen Tradition Deutschlands bezeichnete der Jesuit es als „verwunderlich“, dass die Forderung der römischen Studienordnung nach drei Professuren für Philosophie an den theologischen Fakultäten hierzulande nicht erfüllt werde. Hier liege „eine ernste Anfrage“ an die Kirche vor.

Skeptisch äußerte sich Schöndorf über die Spezialisierung der universitären Philosophie: Letztere bilde „für normale Intellektuelle nicht mehr den selbstverständlichen Hintergrund ihres Denkens“.

Bischof Müller hob den Säkularismus als gemeinsame ökumenische Herausforderungen in der säkularisierten Gesellschaft hervor. Im Atheismus sieht der Regensburger Oberhirte ein „typisch abendländisches Gewächs“. In ihm drücke sich heute auch der „religionsphilosophische Überdruss an der Kontroverse und an der Religionskritik aus“. Die Offenheit für Transzendenz und das Zeugnis für den lebendigen Gott solle die Antwort der Christen auf den Säkularismus im Alltag sein. Dieser gemeinsame Auftrag der Christen ist Müller zufolge eine Frage der Verantwortung für alle Menschen: Diese sollten Kinder Gottes werden.

Zur christlichen Vernunft gehört Müller zufolge auch der Glaube an die biblischen Wunder. Mit Nachdruck hob der Bischof hervor, dass die Wunder im Neuen Testament in keinem Widerspruch zur göttlichen Vernunft stünden, da „Gott die Liebe ist“.

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