Gesandter: Vatikan könnte Medjugorje bald anerkennen

Polnischer Erzbischof Hoser unterstützt mögliche Anerkennung der ersten Marienerscheinungen aus dem Jahr 1981
Foto: KNA | Medjugorje übt auf viele Gläubige eine starke Faszination aus. Der Vatikan befasst sich seit Jahren mit dem Phänomen.

Warschau (DT/KNA) Der Papstgesandte für den bosnisch-herzegowinischen Wallfahrtsort Medjugorje rechnet mit einer Anerkennung der Marienerscheinungen, die dort stattgefunden haben sollen, durch den Vatikan. „Alles deutet darauf hin, dass die Erscheinung anerkannt wird, vielleicht noch in diesem Jahr“, sagte Erzbischof Henryk Hoser von Warschau-Praga der polnischen Nachrichtenagentur KAI (Wochenende). Die Glaubenskongregation habe die Dokumentation der gemeldeten Erscheinungen der Gottesmutter bereits dem vatikanischen Staatssekretariat übergeben. Konkret geht Hoser von der Echtheit der „ersten Erscheinungen“ in Medjugorje aus. Das stärkste Argument dafür sei die „Treue zur Kirchenlehre“, die die sechs Menschen zeigten, denen 1981 Maria erschienen sein soll, so der Papstgesandte. Diese seien „nicht besessen oder psychisch gestört“. Es sei schwer zu glauben, „dass sechs Seher seit 36 Jahren lügen“. Seit Juni 1981 sollen sich in Medjugorje bei Mostar angeblich täglich Marienerscheinungen abspielen, mehr als 40 000 insgesamt. Sie sind in der katholischen Kirche umstritten; eine Anerkennung durch den Vatikan fehlt.

Insbesondere Ortsbischof Ratko Peric von Mostar-Duvno bezweifelt die Marienerscheinungen. Über eine mögliche Anerkennung muss letztlich Papst Franziskus entscheiden. Im Februar hatte er Hoser zum päpstlichen Sondergesandten für Medjugorje ernannt, um die dortige pastorale Situation und die Bedürfnisse der Pilger zu untersuchen.

Hoser unterstreicht in dem Interview, in dem Wallfahrtsort laufe „alles in die richtige Richtung“. Es sei nicht seine Aufgabe gewesen, „Medjugorje zu schließen“. Medjugorje sei einer der „lebendigsten Orte des Gebets und der Bekehrung in Europa“. Dort gebe es eine „gesunde Spiritualität“. Die Ordensmänner in dem Ort verhindern ihm zufolge „touristische Elemente“ bei den Besuchen. Niemand reise in das herzegowinische Dorf, „um seine Neugier zu befriedigen“. Gläubigen seiner Diözese könne er eine Wallfahrt nach Medjugorje empfehlen, so der Erzbischof von Warschau-Praga.

Jährlich besuchen mehr als 2, 5 Millionen Gläubige aus aller Welt Medjugorje. Offizielle Wallfahrten mit Bischöfen waren lange nicht möglich. Hoser zufolge haben allerdings schon vier Kardinäle, viele Bischöfe und Tausende Priester Gläubige dorthin begleitet. Bistümer und Pfarreien sollten bislang zwar keine Wallfahrten organisieren. Gruppen von Gläubigen dürften dies jedoch.

Im Mai hatte Franziskus einen Kommissionsbericht zu Medjugorje als „sehr gut“ bezeichnet. Zugleich wiederholte er seine ironische Einschätzung, er sehe Maria nicht als „Leiterin eines Telegrafenamtes, das jeden Tag eine Nachricht zu einer bestimmten Stunde versendet“. Am 24. Juni 1981 hatten in Medjugorje erstmals drei Hirtenkinder von Erscheinungen der Gottesmutter berichtet. Einen Tag später soll sie drei weiteren Kindern erschienen sein. Die sechs Seher haben nach eigenen Angaben seitdem regelmäßig Erscheinungen, bisher insgesamt mehr als 42 000. Später berichteten sie auch von Botschaften der „Gospa“ (Herrin). Die Berichte lösten einen fortgesetzten Pilgerstrom aus.

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