Gemeinsam Zeugnis geben

Ökumenische Begegnung bei Papstbesuch. Von Michaela Koller

Erfurt (DT) Die für seinen Septemberbesuch geplante Begegnung von Papst Benedikt XVI. mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland gibt den Konfessionen gemeinsame missionarische Impulse in glaubensferner Umgebung. Oberkirchenrat Thies Gundlach, Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), sagte am Donnerstag vor Journalisten: „Es ist ein großes Zeichen, dass wir gemeinsam vor Gott treten.“ Bereits jetzt in der Vorbereitungsphase seien Katholiken und Protestanten einander zugewandt. Die evangelische Kirche erhoffe sich von der Zusammenkunft konkrete Fortschritte in der Ökumene, wie etwa die Lage der Ehepaare verschiedener Konfession zu erleichtern.

Mit Blick auf den 500. Jahrestag der Reformation am 31. Oktober meinte Gundlach, es wäre wünschenswert, wenn katholische und evangelische Christen in einer ökumenischen Bemühung zu einer gemeinsamen Deutung kommen könnten. Die Begegnung zwischen dem Papst und Vertretern der evangelischen Kirche ist für Freitag, den 23. September geplant und soll etwas mehr als eine Stunde lang dauern. Zunächst werden 15 Vertreter der Evangelischen Kirche Deutschland, darunter die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, im Kapitelsaal des Augustinerklosters mit der päpstlichen Delegation zusammentreffen. Martin Luther wurde dort am 17. Juli 1505 als Novize in den Orden der Augustiner aufgenommen. Anschließend steht ein ökumenischer Wortgottesdienst auf dem Programm, bei dem Präses Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der EKD, mit dem Papst in die Augustinerkirche einziehen wird. Benedikt XVI. wird dabei predigen. „Dies ist ein ökumenischer Ort und ein evangelisches Zentrum für Frömmigkeit“, sagte Gundlach über die Stätte.

Auch Oberkirchenrat Christhard Wagner, Beauftragter der Evangelischen Kirchen im Freistaat Thüringen, hofft, dass die Begegnung missionarisch ein gutes Zeichen setzt und evangelische und katholische Christen so ein gutes gemeinsames Zeugnis ablegen. Schon jetzt wirkten die Vorbereitungen auf die ökumenische Situation in Thüringen. „Das Ereignis bringt uns noch näher zusammen.“ In Thüringen leben 7,8 Prozent Katholiken und nur 31, 9 Prozent Christen insgesamt. „Hier hat die DDR ganze Arbeit geleistet“, sagte Oberkirchenrat Wagner. Auf die Frage nach der Religion sei von Jugendlichen zuweilen die Antwort zu hören, sie seien normal, was gleichbedeutend mit konfessionslos sei. Die Ökumene vor Ort sei in dieser Situation besonders lebendig, mit gemeinsamen Lehrangeboten, Gebetstagen und Wallfahrten.

Der katholische Ökumene-Referent des Bistums Erfurt, Monsignore Heinz Gunkel, erwartet von dem Treffen in Erfurt gegenseitige Aufmerksamkeit, die wechselseitigen Vorurteilen entgegenwirke. Nur Unwissenheit führe schließlich zu Angst. „Die gemeinsame Geschichte ist länger als die Geschichte, die uns trennt“, sagte er.

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