„Für mich wie Pfingsten“

Daniel Blanchoud, Rektor des Nationalheiligtums von Luján in Argentinien, über das Glaubensjahr und den „Franziskus-Effekt“ in der Heimat des Papstes. Von Regina Einig
Foto: Laboratorio Color Gral. Belgrano | Der Rektor des Heiligtums von Luján, Daniel Blanchoud, beim Manteltausch des Gnadenbildes von Luján Anfang Mai.
Foto: Laboratorio Color Gral. Belgrano | Der Rektor des Heiligtums von Luján, Daniel Blanchoud, beim Manteltausch des Gnadenbildes von Luján Anfang Mai.

Der Endspurt zum „Jahr des Glaubens“ in Argentinien war eine runde Sache: Tausende Radpilger kamen am Wochenende unter dem Motto „Für das Leben“ in das Nationalheiligtum Unserer Lieben Frau von Luján in der Nähe von Buenos Aires. Während des Glaubensjahres hatten die Pilger dort die Wahl zwischen 30 Katechesethemen. José Daniel Blanchoud, seit 2009 Rektor des Heiligtums, zieht im Gespräch mit der „Tagespost“ Bilanz

Herr Rektor, welches Ereignis hat Ihnen im „Jahr des Glaubens“ die guten Früchte dieses Jahres vor Augen geführt?

Kardinal Bergoglio hat uns 2012 bei einem Besuch hier im Heiligtum den Takt für das „Jahr des Glaubens“ vorgegeben. Das war für mich wie Pfingsten. Wir sind an die Missionsarbeit gegangen. Beim „Internationalen Rosenkranz“ in Rom im Oktober wurden zehn Heiligtümer weltweit für die zeitgleiche Übertragung ausgewählt, darunter auch Luján. Die Feierstunde „Eine marianische Nacht“ begann mit einer Botschaft von Papst Franziskus. Es war sehr bewegend, sich mit Menschen auf der ganzen Welt im Gebet zusammenzuschließen. Auch die Pilgerfahrten haben das „Jahr des Glaubens“ aufgegriffen.

Kardinal Bergoglio hatte für die Werbeplakate, die in den Kirchen zum „Jahr des Glaubens“ aufgehängt wurden, einen Satz Benedikts XVI. aus der Enzyklika „Deus caritas est“ ausgewählt: „Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt.“

Der Begriff Begegnung drückt so, wie Benedikt XVI. ihn in der Enzyklika „Deus caritas est“ gebraucht hat, genau das aus, worum es Kardinal Bergoglio geht: Zeugnis ablegen für den Glauben. Zur Begegnung gehört auch die Beichte.

„Wenn Kardinal

Bergoglio nach Luján

pilgerte, hörte er stundenlang Beichte“

Wenn Kardinal Bergoglio nach Luján pilgerte, kam er meistens nachmittags gegen 17 Uhr und hat sich gleich in den Beichtstuhl gesetzt und bis 23 Uhr Beichte gehört. Dann hat er rasch eine Kleinigkeit gegessen, sich etwas ausgeruht und saß ab zwei Uhr morgens wieder im Beichtstuhl.

Wir müssen uns auf eine Welt einstellen, die Veränderungen braucht. Das bedeutet nicht, dass Strukturen grundlegend geändert werden müssen. Wir sind alle Sünder. Aber die Kultur der Begegnung und das Zugehen auf den Nächsten ist erst einmal unsere Aufgabe. Der Kommunikationsstil ändert sich, wenn die Welt nicht in Schwarz und Weiß eingeteilt wird.

Die Wahl des ersten lateinamerikanischen Papstes im „Jahr des Glaubens“ hat viele bewegt. Macht sich ein „Franziskus-Effekt“ in der Kirche in Argentinien bemerkbar?

Ja, wir leben im „Papst-Fieber“. Am 13. März haben wir zur Mittagszeit von der Wahl Franziskus' erfahren. Viele Menschen haben sich sofort auf den Weg gemacht und sind hierher gekommen, um zu danken. In der Karwoche war der Pilgerstrom besonders stark. Und da kamen auch Leute, die sagten: „Ich habe mich schon lange von der Kirche distanziert, aber die Art und Weise von Franziskus hat mich zum Umdenken gebracht.“ Manche von ihnen haben wieder gebeichtet. Wir haben dann auch mehr Beter in der Basilika gesehen. Und viele wollten etwas von Franziskus mit nach Hause nehmen: ein Bild, oder einen Gegenstand, den sie an seinem Bild hier in der Kathedrale berührt haben.

Die Wallfahrtsleitung hat eine vielseitige Auswahl von Katechesen angeboten. Welche haben die Pilger am meisten angesprochen?

Alle Marienkatechesen. Wir haben die Katechesen zum „Jahr des Glaubens“ breit angelegt, um den Glauben zu vertiefen, aber da Luján ein Marienwallfahrtsort ist, haben wir den Akzent auf die Mutter des Herrn gesetzt. An Samstagen und Sonntagen haben wir eucharistische Anbetung gehalten. Auf die Katechesen haben wir interessante Rückmeldungen erhalten. Manche haben sie im Internet verfolgt.

Das „Jahr des Glaubens“ endet im November, der in Argentinien als Marienmonat gefeiert wird. Warum?

In Argentinien ist die Verehrung der Unbefleckten Empfängnis sehr verbreitet. Auf das Hochfest im Dezember bereiten sich die Gläubigen vom siebten November bis zum siebten Dezember intensiv vor. In Europa wird der Mai als Marienmonat begangen, weil dann alles blüht. Bei uns auf der Südhalbkugel steht im November alles in Blüte.

Zum Schluss des Glaubensjahres haben die „Radpilger für das Leben“ Luján besucht. In welchem Anliegen?

Das Problem der Abtreibung beschäftigt die Menschen stark. Jede Abtreibung hinterlässt eine traumatisierte Frau. Die Pilger wollten daran erinnern, dass jedes Ungeborene eine Person ist und dass wir nicht über das Leben anderer verfügen dürfen. Doch auch diejenigen, die abgetrieben haben, sollen wissen, dass es Heilung gibt.

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