Frischer Wind in alten Klostermauern

Pater Bernhard Eckerstorfer bilanziert zehn Jahre „Treffpunkt Benedikt“ im Benediktiner-Stift Kremsmünster. Von Stephan Baier
„Treffpunkt Benedikt“ im Benediktiner-Stift Kremsmünster

Pater Bernhard, seit 10 Jahren gibt es im Benediktiner-Stift Kremsmünster den „Treffpunkt Benedikt“, zu dem an jedem ersten Samstag im Monat viele junge Menschen strömen. Wie hat das begonnen?

Ambros Ebhart war als Pfarrer von Bad Hall 2007 zum Abt gewählt worden, und er hat mich mit der Berufungspastoral betraut. Gleich nach seiner Wahl nannte er als Schwerpunkt, unser Kloster noch mehr zum geistlichen Zentrum zu machen. Ich hatte vor meinem Klostereintritt drei Jahre in den USA studiert und dort gesehen, wie Glaubensreihen gerade in einer Minderheitensituation wichtig sind. So fassten wir eine für junge Leute ins Auge und eine für ältere. Daraus ist der „Treffpunkt Benedikt“ geworden und „Mehrwert Glaube“, beides monatliche Treffen zur Vertiefung und Feier des Glaubens. Für den „Treffpunkt Benedikt“ haben wir bei einer Pilgerfahrt für Jugendliche eine Befragung durchgeführt: „Was erwartet ihr von unserem Benediktinerkloster? Welche Inhalte sollte ein Glaubensprogramm haben?“ Die Antworten waren klar: Vermittlung von Wissen, Einübung ins Gebet, Gemeinschaftserlebnis.

Was ist mittlerweile daraus geworden?

Wir waren selbst überrascht, wie viele sich eingeklinkt haben. Seither erleben wir, dass nur junge Menschen andere ihres Alters mitreißen können. Mögen noch so tolle Flyer überall aufgelegt und ein großartiges Programm von Ordensleuten entworfen werden, der Funke springt nur auf andere über, wenn ihn die jungen Leute selbst weitertragen. Der monatliche „Treffpunkt Benedikt“ beginnt um 16.30 Uhr mit einer Vesper, die dem klassischen Ablauf folgt, aber auf junge Menschen ausgerichtet ist. Dann folgt ein Vortrag. Da bieten wir die gewünschte Reflexion über unseren Glauben und Lebensfragen im weitesten Sinn. Die Referenten sind Patres unseres Klosters oder Personen, die mit uns verbunden sind. Um 18 Uhr folgt eine Anbetung, die ein Benediktiner durch kurze Impulse leitet. Der Abt und andere Mitbrüder stehen zu Aussprache und Beichte bereit. Dann Eucharistiefeier mit einer langen Predigt, dann eine einfache Agape. Oft folgt ein Film bis Mitternacht oder ein Teilnehmer erzählt von einem sozialen Jahr in der Mission oder von einem Pilgerweg. Zu den Treffen kamen immer über hundert junge Leute. „Treffpunkt Benedikt“ ist aber mehr: Wir bieten Wallfahrten an und Exerzitien, Sommerwochen und Kloster auf Zeit. Beim Weltjugendtag in Krakau waren wir mit etwa hundert Teilnehmern.

Klöster stehen für eine radikal alternative Lebensform. Was zieht Jugendliche von heute ins Kloster?

Die jungen Leute, die zu uns kommen, sind meist aus Familien, in denen der Glaube eine große Rolle spielt. Manche aber kommen erst durch die monatlichen Treffen oder durch eine Pilgerfahrt stärker in Verbindung mit der Kirche. Allen ist gemeinsam, dass sie geistlich wach sind und geistreiche Angebote wollen. Der Protest ist ihnen nicht wichtig, der authentisch vorgelebte Glaube sehr wohl. Daher sehen sie ein Kloster als Ort, an dem sie intensiv erfahren können, wonach sie suchen. Ich bin oft erstaunt, welche Gebetspraxis junge Menschen haben und wie intensiv sie nach einer lebendigen Beziehung mit Gott verlangen. Da kann ich als Mönch viel lernen! Der hohe Stellenwert der Beichte und die ehrliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben berühren mich sehr. So bringen die jungen Menschen frischen Wind in alte Klostermauern, und sie stellen mit ihrer Gottsuche auch uns die Frage, ob wir wirklich Christus nichts vorziehen, wie es der heilige Benedikt von seinen Mönchen verlangt. Wenn jemand etwa durch charismatische Bewegungen geprägt ist, kann der Kontakt mit der nüchternen Lebensform des alten Mönchtums lehren, nicht alles auf Emotion und Fun-Faktor zu setzen. Die Bereicherung von Kloster und Jugendkultur ist also wechselseitig.

Wurde „Treffpunkt Benedikt“ schon zu einer Quelle von Berufungen?

Abt Ambros meinte kürzlich lächelnd, der Treffpunkt sei sehr fruchtbar. Ursprünglich war ja unser Ziel, junge Menschen nicht zuletzt deshalb mit unserem Kloster zu verbinden, damit wir mehr Novizen bekommen. Berufungspastoral bedeutet aber, dass wir anderen helfen sollen, die eigene Berufung zu finden und zu vertiefen. Viele Paare fanden sich beim „Treffpunkt Benedikt“, etliche haben schon Kinder. Wir freuen uns über diese Fruchtbarkeit. Ich staune bei diesen Hochzeiten, wie die Ehe wirklich als Berufung gesehen wird. Wenn dann in unserer Stiftskirche der Pfingsthymnus oder die Pfingstsequenz vor der Vermählung in moderner Vertonung gesungen wird, erinnert mich das an die Mönchsprofessen oder Priesterweihen durch die Jahrhunderte. Das ist doch der Geist des Konzils: verschiedene Berufungen, die auf ihre je eigene Weise zur Heiligkeit berufen sind. Die Wertschätzung für das geweihte Leben ist sehr hoch. Es gibt keinen „Treffpunkt Benedikt“, in dem nicht in den freien Fürbitten bei der Vesper um Ordens- und Priesterberufungen gebetet wird. Und dann sind auch einige aus diesem Kreis in Gemeinschaften eingetreten, eine bei den Mutter-Teresa-Schwestern. Wenn ich den jungen Leuten Zeilen von ihr vorlese, merke ich, wie sehr sie diesen Weg der Ganzhingabe inspirierend für ihr eigenes Leben finden.

Ist „Treffpunkt Benedikt“ ein Modell dafür, wie Klöster heute Zentren des geistlichen Lebens mit Strahlkraft sein können?

Es braucht die bewusste Entscheidung, in solche neuen Initiativen Zeit und Energie zu investieren. Gerade Orden sollten Aufmerksamkeit für die haben, die mehr wollen. Sonst gehen jene jungen Menschen in der Betriebsamkeit einer pastoralen Allgemeinversorgung unter, die religiös besonders sensibel sind. „Treffpunkt Benedikt“ ist für junge Erwachsene zwischen 17 und 35. Für diese Altersgruppe gibt es in Pfarren oft wenig Angebote. Wie notwendig und beglückend es ist, jungen Leuten Angebote zur intensiven Christusnachfolge unter Gleichgesinnten zu machen, haben wir im Stift Kremsmünster in den letzten 10 Jahren erlebt.

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