Friedensappell in Zeiten des Terrors

Kardinal Woelki feiert in Köln Soldatengottesdienst zum Internationalen Weltfriedenstag. Von Heinrich Wullhorst

Köln (DT) „Je mehr Nationalismus unsere politisch Verantwortlichen leitet, umso gefährdeter ist der Frieden für alle“, hat der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki beim Internationalen Soldatengottesdienst am Donnerstag im Kölner Dom erklärt. In zunehmenden nationalistischen Tendenzen sieht er eine Gefahr für den Frieden. Etwa 1 200 Soldaten und Polizeibeamte waren der Einladung des Katholischen Militärbischofsamts und der Katholischen Militärseelsorge gefolgt. Unter den Teilnehmern war auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker. Soldatengottesdienste haben eine lange Tradition und in diesem Jahr sogar ein kleines Jubiläum. Erstmalig kamen die Soldaten vor 40 Jahren mit dem damaligen Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner, damals noch in der Kirche St. Aposteln, zur Feier der heiligen Eucharistie zusammen. Die katholische Kirche begeht seit nunmehr 50 Jahren den Internationalen Weltfriedenstag, der diesmal unter dem Motto „Gewaltlosigkeit: Stil einer Politik für den Frieden“ steht.

Der Militärgeneralvikar Monsignore Reinhold Bartmann betont in einem Grußwort an die Gottesdienstteilnehmer, dass der Frieden immer bei einem selbst beginne. Er appellierte daran, den „Frieden in unserer eigenen kleinen Welt“ zu schaffen. Dazu gehöre ein barmherziges Handeln und eine Offenheit für Gerechtigkeit.

Terror und nationalistische Tendenzen seien die großen Gefährdungen unserer Zeit, mahnte Kardinal Woelki. Die Verhältnisse würden sich überall dort zum Schlechteren wenden, wo „die Starken auf Kosten der Schwachen agieren und leben“. Gewaltanwendung müsse man aus der internationalen Politik verbannen und ächten, machte der Kölner Erzbischof deutlich. Für die Kirche Jesu Christi sei immer der Friede das Ziel, nie der Krieg, „auch nicht ein so genannter gerechter Krieg“.

Gleichwohl sei der Dienst der Soldatinnen und Soldaten „unverzichtbar und auch ethisch gerechtfertigt“. Auch eine Politik, die sich am Prinzip der Gewaltfreiheit ausrichte, könne in Situationen geraten, in denen die Anwendung militärischer Gewalt als das kleinere Übel geboten sein könne. Das könne sich zum Beispiel aus einer Solidaritätspflicht gegenüber den Verbündeten oder den Angegriffenen erfolgen. „Immer aber gilt unser Beten der Hoffnung, dass ein solcher Einsatz erst gar nicht nötig wird.“

Der Frieden, den uns die biblischen Schriften verheißen, und den das hebräische Wort Schalom bezeichnet, bedeute, so Woelki, ein Leben in Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit. „Ein solcher Frieden verwirklicht sich im Zusammenleben der Menschen allerdings nicht von selbst“, stellte der Kardinal fest. Ein solcher Friede komme aus Gottes Heiligem Geist und folge dem Maßstab seines Rechts. Ein solcher Friede frage nach den Zusammenhängen von Ungerechtigkeiten auch in unserem Lebensstil. Dabei sieht der Kardinal jeden Einzelnen in der Verantwortung, seinen Beitrag zu einem solchen Frieden zu leisten. Das fange im Umgang mit unserem Nächsten an. Und der sei in einem Zeitalter der Globalisierung eben auch derjenige, „der auf einem anderen Kontinent unter erbärmlichen Umständen die Kleider näht, die wir auf der Haut tragen oder das Kind, das auf den Müllbergen der Millionenstädte auf der Südhalbkugel die hochgiftigen Reste meines Mobiltelefons sammelt, um sie zu Geld zu machen“. Nächstenliebe werde sich in einer globalisierten Welt mehr und mehr auch daran zeigen „wie wir hier vor Ort, auf diesem wohlhabenden Kontinent wirtschaften und konsumieren“. Friede unter den Menschen sei ohne „ohne Gemeinschaft nicht zu haben“. Darauf hätten, so Kardinal Woelki, die Deutschen Bischöfe bereits 1983 in ihrem Wort „Gerechtigkeit schafft Frieden“ hingewiesen.

Kardinal Woelki erinnerte an die Flüchtlinge, die sich deshalb auf den Weg machen müssten, weil in ihrer Heimat kriegerische Auseinandersetzungen mit Waffen und Kriegsgütern geführt würden, die unser Land dorthin exportiere. Es gehe auch in der Zukunft um einen Frieden, „von dem die Menschen zu allen Zeiten das Heil erwartet haben und mit dem sie die Hoffnung verbinden, von ihren Besessenheiten erlöst zu werden. Von der Besessenheit unserer Allmachtsphantasien, von der Besessenheit und dem Glauben, dass im Letzten durch Waffengewalt letzte Lösungen herbeigeführt werden können oder eine gerechtere Welt geschaffen werden könnte. Wir wollen darum bitten, dass die Menschheit von dieser Besessenheit heute mehr denn je geheilt werden möge.“

Vor dem Gotteshaus hatte sich, wie in jedem Jahr, eine kleine Gruppe von Demonstranten aufgestellt. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt machten die zwanzig Personen ihre Position mit Plakaten und Aufschriften wie „Selig sind, die Frieden stiften“, anschaulich. So wurde in Köln deutlich, dass es zwar unterschiedliche Haltungen zur Bundeswehr geben mag, aber sicherlich jeder versucht, einen Beitrag zum Frieden zu leisten, wie ihn Papst Franziskus in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag angemahnt hat: „Alle ersehnen wir den Frieden; viele Menschen bauen ihn täglich mit kleinen Gesten auf; viele leiden und nehmen geduldig die Mühe auf sich, immer wieder zu versuchen, Frieden zu schaffen. Bemühen wir uns im Jahr 2017 mit Gebet und Tat darum, Menschen zu werden, die aus ihrem Herzen, aus ihren Worten und aus ihren Gesten die Gewalt verbannt haben, und gewaltfreie Gemeinschaften aufzubauen, die sich um das gemeinsame Haus kümmern.“ Nichts sei unmöglich, wenn wir uns im Gebet an Gott wenden, so der Heilige Vater: „Alle können Handwerker des Friedens sein.“

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