Paris

Französisches Bündnis bietet Begleitung für Ex-Muslime

Begleitung auf dem Weg der Bekehrung vom Islam zu Christus und umfassende Information über den Islam will die im vergangenen Juni neu gegründete "Mission Ismérie" bieten. Geschäftsführer Marc Fromager stellt die neue Organisation in La Nef vor.

Die Sainte Chapelle im Herze von Paris
Die neu gegründete "Mission Ismérie" bietet Begleitung auf dem Weg der Bekehrung vom Islam zu Christus. Foto: JB Autissier via www.imago-images.de (www.imago-images.de)

In einem Gespräch mit dem katholischen Magazin La Nef erläutert Marc Fromager zunächst die Namensherkunft der „Mission Ismérie“. Ismérie war die Tochter des Sultans von Kairo Ende des elften Jahrhunderts. Drei französische Ritter waren gefangen genommen worden und sollten sich nun zum Islam bekehren. Da sie sich beharrlich weigerten, schickte der Sultan seine Tochter, um sie zu betören. Doch die drei erzählten ihr von der Jungfrau Maria, die der Sultanstochter in der folgenden Nacht prompt erschien. Die sich nun zum Christentum Bekehrte flüchtete mit den Männern nach Nordfrankreich, wo sie die Basilika Notre-Dame de Liesse errichten ließen. Diese historische Persönlichkeit, die sich vom Islam zum Christentum bekehrt hatte, schien den Gründern der Mission Ismérie geeignet, um auf deren Ziel hinzuweisen: „den Übergang vom Islam zu Christus zu unterstützen und zu begleiten“. Die Mission Ismérie versteht sich als Plattform, auf der sich verschiedene Projekte versammeln. 

Weltweit wächst die Konversionsbewegung vom Islam zum Christentum an

Das Phänomen der Bekehrung von Muslimen zum Christentum finde sich eigentlich überall auf der Welt, „und dies in einer Dimension, die zuweilen erstaunt“. Denn sogar im Nahen Osten, einer Region, die man normalerweise für endgültig islamisiert hält, gibt es eine massive Anzahl von Konversionen. Ihre Anzahl wird etwa im Iran auf mehr als 800.000 geschätzt, aber es gibt sie auch in allen Ländern mit einer muslimischen Mehrheit – „vor allem in Algerien mit sehr vielen Konversionen bei den Kabylen – bis nach Indonesien, das größte muslimische Land der Welt, wo man bis zu 6 Millionen Konvertiten zählt“. In Frankreich sind bereits 10 % der Erwachsenentaufen in der katholischen Kirche ehemalige Muslime, bei den Protestanten sind es sogar doppelt so viele.

Und dies, obwohl die Kirche eine mögliche Bekehrung von Muslimen eher zurückhaltend behandelt und es ihr offenbar nicht unbedingt um die Evangelisierung von Muslimen geht. Doch dies, so meint Fromager, bedeutet nicht, dass sie in diesem Bereich untätig sei. Eine gewisse Diskretion könne sich manchmal als produktiver als eine übermäßig laute Ankündigung erweisen. Dennoch sei „eine gewisse allgemeine Zurückhaltung festzustellen, sobald es darum geht, den Islam anzusprechen“. Ja, es gebe mitunter sogar eine „scharfe Weigerung“, weil man sich nicht vorstellen könne, den Muslimen durch eine Verkündigung Christi etwas Zusätzliches bieten zu können: „Und dennoch finden diese Konventionen statt! Es ist anzunehmen, dass Christus andere Mittel gefunden hat, um das Herz der Muslime zu berühren“. Jedenfalls sei festzustellen, dass sich heute viele Muslime Fragen über ihre Religion stellen: „Manche werden zu Atheisten, andere interessieren sich für das Christentum und lassen sich von Christus berühren. Dabei spielt das Internet eine wichtige Rolle – bei der Distanzierung in Bezug auf den Islam, aber auch bei der Entdeckung des Christentums“.

Umfassende Information über das wahre Gesicht des Islam

Auf diesem Weg möchte die Mission Ismérie die künftigen Christen begleiten. Denn den Islam zu verlassen, ist nicht einfach, „der Abfall vom Glauben ist verboten und wird theoretisch mit dem Tod bestraft“. Im Allgemeinen ist eine Preisgabe des Islam mit einer schmerzlichen Trennung von der Familie und anderen sozialen Beziehungen verbunden. Wenn die Menschen zu diesem großen Opfer bereit sind, sollen sie von einer Pfarrei aufgenommen werden, „und wir wollen so in ganz Frankreich ein Netzwerk von - für ihre Aufnahme sensibilisierten und vorbereiteten - Personen errichten. Zudem möchten wir ganz umfassend über die Wirklichkeit des Islam informieren, indem wir klarstellen, was diese Religion von sich selbst sagt und welche die praktischen Auswirkungen sind, die der Islam auf gesellschaftspolitischer Ebene mit sich bringt. Schließlich möchten wir uns an der klaren Verkündigung Christi beteiligen, insbesondere gegenüber den Muslimen, denn wir sehen nicht ein, mit welchem Recht wir sie daran hindern, diesen Schatz zu entdecken, der im Zentrum unseres Lebens steht“.

"Doch wenn der Dialog ... zu einer Art naiver Unterwerfung
unter den anderen Dialogpartner wird,
kann man sich sicher fragen, ob das überhaupt ein Dialog ist."

Dennoch gibt es Hindernisse: grundsätzlich bestehe „eine Art totale Omerta im Hinblick auf die Frage des Islam. Offenbar wollen die Medien das Thema um keinen Preis erwähnen. Und man kann sich vorstellen, dass sie wohl politische Vorgaben dafür bekommen haben“. Die Christen scheinen sich nicht anders zu verhalten, wenn manche von ihnen „den Dialog verteidigen, koste es, was es wolle. An sich gereicht ihnen das ja zur Ehre. Doch wenn der Dialog, der ein Begegnungsraum mit der Möglichkeit sein kann, unseren Glauben und damit Christus zu bezeugen, zu einer Art naiver Unterwerfung unter den anderen Dialogpartner wird, kann man sich sicher fragen, ob das überhaupt ein Dialog ist“.

Kurzum, „man ist mit einer Art kollektivem Tabu konfrontiert, und die geringste Infragestellung oder sogar nur Erwähnung des Islam scheint unverzüglich der Islamophobie verdächtig zu sein, was die Diskussion sofort beendet. Hier befinden wir uns bereits in einer Form der Unterwerfung“. (DT/ks)

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