Franziskus ermutigt Lebensrechtler

Das Wochenende und der Sonntag des Papstes standen auch im Zeichen des Kinderschutzes, der Vatikandiplomatie und des heiligen Johannes Pauls II. Von Guido Horst
Foto: dpa | Herzlicher Empfang in den polnischen Nationalfarben Rot-Weiß: Papst Franziskus vor der Kirche des heiligen Stanislaus in Rom.
Foto: dpa | Herzlicher Empfang in den polnischen Nationalfarben Rot-Weiß: Papst Franziskus vor der Kirche des heiligen Stanislaus in Rom.

Rom (DT) Die Erwartungen der etwa vierzigtausend Lebensschützer hat Papst Franziskus am Sonntag nicht enttäuscht: Es war der vierte „Marsch für das Leben“ in Rom, aus Italien, Frankreich, den Vereinigten Staaten, Polen, Belgien und anderen Ländern waren sie gekommen, begleitet von vierzehn Kardinälen und zahlreichen Bischöfen. Als Kurienkardinal ging Raymond Leo Burke in den Reihen der friedlichen Demonstranten mit, seines Zeichens Präfekt der Apostolischen Signatur, des obersten vatikanischen Gerichtshofs. Über hundert italienische Lebensschutz-Vereinigungen und etwa siebzig Organisationen aus 21 auswärtigen Ländern trugen den Marsch mit, der wie in den vergangenen Jahren von der Piazza Repubblica in der Nähe des Hauptbahnhofs Termini zum Petersplatz führte und dort mit dem Papst und dem Gebet des „Regina coeli“ endete. Franziskus hob bei der Grußadresse nach dem Gebet den internationalen und ökumenischen Charakter des „Marschs für das Leben“ hervor, nachdem er für die „schwere Lage“ in der Ukraine um den Beistand der Gottesmutter gebeten hatte. „Danke für euren Einsatz, kämpft weiter dafür“, rief der Papst den Tausenden von Lebensschützern zu, die den Heiligen Vater mit einem Meer von Fahnen und Spruchbändern grüßten.

Zuvor hatte Franziskus den Vatikan verlassen und ein kleines Nachwort zur Heiligsprechung von Johannes Paul II. gesprochen. Am frühen Sonntagmorgen hatte der Papst die polnische Nationalkirche „San Stanislao“ in der Nähe der Piazza Venezia aufgesucht und eine Dankmesse für die Heiligsprechung von Papst Wojtyla gefeiert.

In seiner Predigt hob Franziskus hervor, dass der heilige Johannes Paul II. ein „wahrer Fels“ gewesen sei, der am großen Felsen Jesus Christus „verankert war“. Eine Woche nach den Heiligsprechungen der beiden Päpste habe man sich in dieser Kirche der Polen in Rom versammelt, „um dem Herrn für das Geschenk des heiligen Bischofs von Rom, Sohn eurer Nation, zu danken“. Franziskus erinnerte daran, dass Johannes Paul II. mehr als achtzig Mal in diese Kirche gekommen sei, in den verschiedenen Augenblicken seines Lebens und des Lebens Polens. In Momenten, in denen alles verloren schien, habe dieser Papst die Hoffnung nicht verloren, „da sein Glaube und seine Hoffnung fest in Gott waren“. Das polnische Volk wisse gut, meinte Franziskus weiter, dass man durch die Passion und das Kreuz gehen müsse, um in die Herrlichkeit einzutreten. Das Volk Polens wisse das, nicht weil es dies studiert, sondern weil es dies erlebt habe. Der Papst erinnerte auch an die Emmausjünger aus dem Tagesevangelium, die auf dem Hinweg „Herumirrende“ gewesen seien. Doch auf dem Rückweg seien sie Zeugen der Hoffnung Christi gewesen, da sie ihm begegnet seien, dem auferstandenen Wanderer. Auch wir „können zu auferstandenen Wanderern werden, wenn sein Wort das Herz erwärmt und seine Eucharistie die Augen öffnet und uns mit Hoffnung und Liebe nährt“.

War der Besuch in „San Stanislao“ ein offizieller Programmpunkt des Papstes, so hatte es am Freitag einen ganz inoffiziellen „Ausflug“ von Franziskus gegeben, von dem man erst am Sonntag in der Zeitung „L’Osservatore Romano“ erfuhr. Bei einem unangekündigten Besuch in der Diplomaten-Akademie des Vatikans in Rom hatte sich Papst Franziskus der Vatikan-Zeitung zufolge den Fragen der angehenden Diplomaten im Dienste des Heiligen Stuhls gestellt. Die Gespräche nach einem gemeinsamen Stundengebet hätten in einem „einfachen, familiären, vertraulichen Klima“ stattgefunden. Der Papst habe gesagt, dass kirchliche Gesandte nicht den Versuchungen des Karrieredenkens erliegen dürften. Stattdessen sollten sie sich durch Kompetenz, Brüderlichkeit und das Gebet auszeichnen. Zugleich habe Franziskus hervorgehoben, dass auch Vatikan-Diplomaten zum prophetischen Dienst berufen seien. Dazu sei es wichtig, die Geschichte des Volkes, unter dem sie arbeiten, gut zu kennen, die Gegenwart zu verstehen und den Weg eines Landes in eine glückliche Zukunft vor Augen zu haben. Auf diesen drei Pfeilern müsse ein Prophet aufbauen, um zur rechten Zeit das Rechte zu sagen und zu tun. Weiter bat Franziskus seine Zuhörer darum, später gute Kontakte mit den Bischöfen der jeweiligen Orte ihres Wirkens zu pflegen und sich immer wieder ins Gebet zu vertiefen. Laut „Osservatore“ nahm Franziskus nach der Fragerunde an einem gemeinsamen Abendessen teil und fuhr anschließend zurück in den Vatikan.

Wiederum ganz offiziell war die Begegnung von Franziskus am Samstag mit der von ihm eingesetzten Kinderschutzkommission des Vatikans im Gästehaus Santa Marta. Der Papst hatte das achtköpfige Expertengremium Anfang Dezember berufen. Dessen Vorsitz führt Kardinal Sean Patrick O’Malley aus Boston, der auch Mitglied des Kardinalsrats ist, der den Papst bei der Kurienreform berät. Weiterhin gehören der Kommission der deutsche Jesuitenpater und Psychologe Hans Zollner an sowie die Irin Mary Collins, die Französin Catherine Bonnet, Sheila Baroness Hollins aus Großbrintannien, Claudio Papale aus Italien, Hanna Suchocka aus Polen und der Jesuit Humberto Miguel Yánez aus Argentinien. Papst Franziskus teile die Pläne der Kommission, teilte O’Malley am Samstag nach dem dreitägigen Treffen der Gruppe mit, einen besonderen Schwerpunkt auf die Rechenschaftspflicht der katholischen Kirche und auf die Transparenz in ihrem Kampf gegen Missbrauch zu setzen. Im Zentrum der ersten Sitzung der Kommission hätten die zukünftigen Aufgaben der Kommission und neue mögliche Mitglieder gestanden. „Unsere Diskussionen“, so O’Malley, „haben sich zunächst auf die Natur und die Mission der Kommission und auf weitere neue Mitglieder konzentriert, um Menschen aus anderen geografischen Gegenden und aus anderen Fachbereichen einzuschließen“. Der Kardinal erläuterte weiter, dass die Kommission „keine individuellen Missbrauchsfälle“ behandeln werden könne, vielmehr gehe es um Empfehlungen, wie die Kirche ihre Verantwortung wahrnehmen könne und welches die besten Praktiken im Kampf gegen Missbrauch seien. Besonderes Augenmerk wolle man auf die Bewusstseinsbildung zu den „tragischen Konsequenzen“ von Missbrauch und den „verheerenden Folgen des Nicht-Hinhörens und Nicht-Berichtens über Verdachtsfälle“ sowie dem „Versagen in der Unterstützung von Opfern, Überlebenden und ihrer Familien“ lenken, so O’Malley. Auch wenn noch nicht klar sei, ob die Kommission an ein Dikasterium des Vatikans angegliedert werde, lege man großen Wert auf eine Zusammenarbeit mit der römischen Kurie, sagte der Kardinal weiter. Der Papst wünsche sich derweil eine gewisse „Autonomie und Unabhängigkeit“ der Kommission. Bei den Beratungen habe man auch mit Vertretern des Staatssekretariates, der Glaubens- und Kleruskongregation, des Pressesaals und der Vatikangendarmerie gesprochen. Grundsätzlich sei das Ziel, so der Kardinal, voneinander zu lernen, um Missbrauch so effektiv wie möglich zu bekämpfen.

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