Folgenreiche Übertritte

Anglikanerbischof rechnet mit Konversion tausender Laien

London/Rom (DT/KAP/KNA) Nach Meinung des anglikanischen Bischofs von Fulham, John Broadhurst (68), könnten bald Tausende anglikanischer Laien in England und Wales zur katholischen Kirche übertreten. Viele Menschen seien an dem neuen Personalordinariat interessiert, das der Vatikan für übertrittswillige Anglikaner einrichten will, sagte er gegenüber der „Times“ (Dienstag). Broadhurst ist einer der fünf anglikanischen Bischöfe, die am Montag ihre Konversion zur römisch-katholischen Kirche angekündigt hatten. Übertreten wollen auch Andrew Burnham, Keith Newton, Edwin Barnes und David Silk. Nach den vor genau einem Jahr vom Papst verfügten Normen wollen sie in einem neuen Ordinariat (Diözese) in volle Gemeinschaft mit Rom treten, dabei aber ihre bisherigen Traditionen behalten. Die katholische Kirche begrüße den Schritt.

Sein Entschluss habe mit der Ernennung von Frauen zu Bischöfinnen zu tun, sagte Broadhurst der Zeitung, aber auch mit einem „Angebot des Papstes, zu dem wir nicht nein sagen können“. Die katholische Bischofskonferenz werde bei ihrer Vollversammlung in der kommenden Woche über Fragen zur Errichtung eines solchen Ordinariates entscheiden, hieß es am Montag in der Mitteilung des Londoner Weihbischofs Alan Hopes. Dazu gehöre auch, wie genau das „herzliche Willkommen“ aussehen solle, das man künftigen Neuzugängen aus der anglikanischen Kirche bereiten wolle.

Trotzdem sollten sich anglikanische Kirchenmänner, die Frau und Kinder haben, den Schritt genau überlegen, so Broadhurst, da die katholische Kirche weder eine Bezahlung noch Dienstwohnungen anbiete. Die Kirchengebäude selbst werden laut Bericht offenbar von anglikanischen und katholischen Kirchgängern gemeinsam genutzt, sollen jedoch selbst dann im Besitz der Anglikaner bleiben, wenn ausschließlich Katholiken dort Messen zelebrieren.

Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, akzeptierte den Rücktritt der beiden noch amtierenden Bischöfe Burnham und Newton unterdessen „mit Bedauern“ und dankte ihnen zugleich für ihren „treuen und hingebungsvollen Dienst“. Der Vatikan muss nun die Gründung des Ordinariates verfügen und einen ersten Ordinarius ernennen. Dieser könnte aus dem Kreis der fünf konvertierten Bischöfe kommen; es kann aber auch ein anderer Kirchenmann sein. Die Tageszeitung „The Times“ hatte am Samstag Newton als Kandidaten für das Amt ins Spiel gebracht. Presseberichten zufolge erwartet man nun eine erste Welle von gut 500 Übertritten, sobald das Personalordinariat eingerichtet sei. Dabei handle es sich um etwa 25 Gruppen mit je 20 potenziellen Konvertiten.

Gemeinden in ganz England diskutierten derzeit einen möglichen Übertritt, darunter Gemeinden in Reading, Sevenoaks und London, hieß es. Burnham (62) war bislang anglikanischer Bischof von Ebbsfleet, Newton (58) leitete das Bistum Richborough und Broadhurst (68) die Diözese Fulham. Barnes (75) schließlich ist emeritierter Bischof von Richborough and Silk emeritierter Weihbischof in Exeter. Sie gelten als Gegner der Ordination von Frauen zum Bischofsamt. Burnham und Newton hatten sich bislang als sogenannte „Fliegende Bischöfe“ um traditionalistische Gemeinden gekümmert. Sie geben die pastorale Arbeit in der anglikanischen Kirche mit sofortiger Wirkung auf, bleiben aber noch bis Jahresende offiziell auf ihrem Posten. Broadhurst hatte seine Absicht, die anglikanische Kirche zu verlassen, bereits vor einem Monat verkündet. Presseberichten zufolge äußerten sich die fünf Bischöfe „bekümmert“ über die Entwicklungen in der anglikanischen Weltgemeinschaft, die sie als „inkompatibel“ mit der 2 000-jährigen christlichen Tradition ansehen.

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