Familie rückt in den Fokus

Missbrauch: 8 200 Anrufe und Briefe erreichten Anlaufstelle

Berlin (DT/KNA) Auch sechs Monate nach Errichtung reißen die Meldungen Betroffener bei der Anlaufstelle der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung nicht ab. Dabei geht es zunehmend um Fälle von Missbrauch in Familien. Inzwischen seien rund 8 200 Briefe und Anrufe eingegangen, sagte Christine Bergmann bei der Vorstellung ihres Zwischenberichts am Donnerstag in Berlin. Im Zuge der im September gestarteten Kampagne „Sprechen hilft“ verdoppelte sich demnach die Zahl der Anrufer. Hätten die Betroffenen anfangs zumeist von Missbräuchen in Institutionen berichtet (jetzt: 34 Prozent), überwiege nun der Missbrauch im familiären Umfeld (44 Prozent).

Im Bereich der Institutionen betreffe knapp die Hälfte der Fälle (47 Prozent) katholische Einrichtungen. Seit Kampagnenstart melden sich zunehmend junge Menschen bei der Anlaufstelle, auch Minderjährige, wie Bergmann erläuterte. So sank das Durchschnittsalter der Anrufer von 50 auf 45 Jahre; der jüngste war acht, der älteste 81 Jahre. Von den Betroffenen seien 63 Prozent Frauen und 37 Prozent Männer. „Dabei fällt auf, dass meist die Männer den Missbrauch in Institutionen erlitten, die Frauen im familiären Umfeld“, so Bergmann. Von den Anrufern sind nach ihren Angaben 62 Prozent Betroffene, 16 Prozent Kontaktpersonen und 1,3 Prozent Täter oder Täterinnen (20 Prozent: weitere Personen). 88 Prozent stammen aus den alten Bundesländern, 12 Prozent aus den neuen.

Von den geschilderten Missbrauchsfällen fallen 92 Prozent in vergangene Jahrzehnte, acht Prozent in die Gegenwart. Nach wie vor sind Bergmann zufolge für die Betroffenen die wichtigsten Themen Therapie und Beratung. Dem folge die Frage nach Entschädigung und Verjährungsfristen. An dritter Stelle stehe der Wunsch nach besserer Prävention, Aufklärung und Sensibilisierung der Gesellschaft.

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