Familie ist keine überholte Vorstellung

Katholische und orthodoxe Kirche erklären in der Gemeinsamen Erklärung von Trient, dass die Bevölkerungsentwicklung mehr Anlass zur Sorge gibt als die Finanzkrise

Präambel

Durch die Gnade des Heiligen Geistes haben wir, dreißig Vertreter der Katholischen Kirche und der Orthodoxen Kirche in Europa, aus Ländern, die sich vom Ural bis zum Atlantik erstrecken, uns zum ersten europäischen katholisch-orthodoxen Forum versammelt. Wir möchten all denen unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, die zum Erfolg dieses Treffens beigetragen haben, besonders dem Erzbischof von Trient, der uns herzlich empfangen und uns seine Gastfreundschaft gewährt hat. Das Treffen ist vom Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) in enger Zusammenarbeit mit den verschiedenen orthodoxen Kirchen und einigen Dikasterien des Heiligen Stuhls organisiert worden.

Wir haben unserer tiefen Trauer über den plötzlichen Tod seiner Heiligkeit Alexijs II., des Patriarchen von Moskau und der ganzen Rus, Ausdruck verliehen, der dem Plan zu diesem Forum seinen herzlichen Segen erteilt hatte.

Was ist der Zweck dieses Forums? Er besteht nicht darin, theologische Fragen zu diskutieren, die auf anderen Ebenen behandelt werden. Unsere Aufgabe besteht vielmehr darin, uns auf anthropologische Fragen zu konzentrieren, die für die Gegenwart und die Zukunft der Menschheit von entscheidender Bedeutung sind. Das Ziel des Forums besteht darin, dabei zu helfen, gemeinsame Positionen über soziale und moralische Fragen zu bestimmen. Indem wir uns an diesem Austausch beteiligen, helfen wir einander festzustellen, wie eng unsere Moral- und Soziallehren beieinander liegen. Gleichzeitig bringen wir der Welt unsere Sorgen zur Kenntnis.

Wir sind übereingekommen, unser erstes Treffen dem Thema „Die Familie: Ein Gut für die Menschheit“ zu widmen. Zahllose Familien haben so viel zur europäischen Kultur beigetragen. Wir sind ihnen dankbar, und in unserem Gebet für die Familien denken wir vor allem an diejenigen, die sich in Schwierigkeiten befinden.

Während unserer vier gemeinsam verbrachten Tage haben wir Punkte, die mit Ehe und Familie zusammenhängen, sowie verschiedene Aspekte der Sexualmoral diskutiert. Es war eine Gelegenheit für uns, unseren Glauben zu bekennen und zu leben, den Herrn um Gnade zu bitten und darüber nachzudenken, auf welche Weise wir mehr zusammenarbeiten könnten. Bestärkt durch die Liebe Christi zur Menschheit, haben wir uns besonders auf die Familie konzentriert, und dabei alle Bemühungen anerkannt, die auf unserem Kontinent unternommen wurden, um das Familienleben zu fördern, doch auch unsere Besorgnis angesichts der sich verschlechternden Lage des Familienlebens geäußert, das sich in vielen Bereichen der Gesellschaft zeigt.

Ehe und Familie gehören zur geschaffenen Ordnung und sind kein Produkt rein menschlicher Entscheidung. Die auf die Ehe gegründete Familie, die in die Natur des Menschen eingeschrieben ist und uns in der Bibel offenbart wird, wurde von Gott als eine Verbindung zwischen Mann und Frau eingesetzt. Die Bibel unterbreitet uns eine Sicht der Familie als einer Vereinigung Leben schenkender Liebe, eine unauflösliche Beziehung, die offen für das Leben ist.

I. Ehe und Familie

Im Laufe dieser Tage haben wir einige Berichte in Bezug auf die Ansichten der katholischen und der orthodoxen Kirchen in Europa gehört. Der folgende Text bietet eine Zusammenfassung.

A. Orthodoxe Ansichten

über Ehe und Familie

In der christlich orthodoxen Tradition wird die Ehe als eine lebenslange Verbindung der Eheleute angesehen, die nicht nur durch physische, sondern auch durch geistige Vertrautheit gestärkt wird. Im Gegensatz zu weit verbreiteten falschen Ansichten wendet sich die Orthodoxe Kirche dagegen, „den Körper oder die geschlechtliche Nähe als solche zu verabscheuen; denn die körperlichen Beziehungen zwischen Mann und Frau sind von Gott in der Ehe gesegnet, in der sie zur Quelle des Fortbestands des menschlichen Geschlechts werden und die keusche Liebe abbilden, in der die vollkommene Gemeinschaft und die ,Einstimmigkeit der Seelen und Körper‘ der Eheleute zur Entfaltung kommen“. Der Lehre der Orthodoxen Kirche entsprechend heißt es: „Ächtung verdient die Verfälschung dieser reinen und nach göttlichem Plan würdevollen Beziehungen, desgleichen die Verkehrung des menschlichen Körpers selbst in einen Gegenstand entwürdigender Ausbeutung und des Handels, die darauf abzielen, eine egoistische, unpersönliche, lieblose und ausgeartete Befriedigung daraus zu ziehen“ (Die Grundlagen der Sozialdoktrin der Russisch-Orthodoxen Kirche, X,6).

Nach orthodoxem Verständnis sind Kinder – deren Zeugung und Erziehung eines der Hauptziele der Ehe sind – ein wesentlicher Bestandteil der ehelichen Verbindung und die Frucht der Liebe zwischen Mann und Frau (ebd. X, 3–4). Übereinstimmend mit dieser Ansicht betrachtet die Orthodoxe Kirche die aus freiem Willen resultierende Ablehnung von Kindern und den künstlichen Schwangerschaftsabbruch als unzulässig. Als äquivalent mit vorsätzlicher Tötung wird die Abtreibung einstimmig von der Kirche zurückgewiesen, die auf der persönlichen Verantwortung all derer besteht, die an dieser Handlung beteiligt sind: der Frau, des Mannes (im Fall seiner Zustimmung) und des Arztes (ebd. XII, 2).

Auf der Grundlage der Heiligen Schrift und der Tradition verurteilt die Orthodoxe Kirche homosexuelle Beziehungen und sieht in ihnen eine Verkehrung der gottgegebenen Natur des Menschen (ebd., XII,9). Sie weist auch alle Formen der Unzucht, des Ehebruchs und der ehelichen Untreue sowie die Prostitution und die Promiskuität zurück. Gleichzeitig erkennt sie die Notwendigkeit an, den Menschen, die gestörte Neigungen haben und deren Lebensform nicht der Morallehre des Evangeliums entspricht, pastoralen Beistand zu leisten.

B. Katholische Positionen zu Ehe und Familie

Nach der katholischen Lehre hat – was auch von den Orthodoxen bejaht wird – Jesus Christus die naturgemäße Ehe zur Würde eines Sakraments erhoben: „Der Ehebund, durch den Mann und Frau unter sich die Gemeinschaft des ganzen Lebens begründen, welche durch ihre natürliche Eigenart auf das Wohl der Ehegatten und auf die Zeugung und die Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet ist, wurde zwischen Getauften von Christus dem Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben“ (CIC can. 1055 §1).

Dieser sakramentale Wert verlangt von den Eheleuten die Treue bis zum Tod in der Unauflöslichkeit des Ehebandes. Die eheliche Liebe zwischen den Eheleuten ist die Basis der Familie, die erste personale Gemeinschaft, in die ein Mensch hineingeboren wird. Sie muss von der Gesellschaft als ihre fundamentale Zelle gefördert werden. Die Katholische Kirche würdigt die von Gott gewollte, untrennbare Verbindung zwischen der Bedeutung der Vereinigung und der Fortpflanzung in der ehelichen Liebe. Die Ablehnung von Nachwuchs steht daher im Gegensatz zur Einheit der ehelichen Liebe. Die Sexualität wird als eine Dimension des Bildes Gottes in den Menschen erkannt und hat daher einen persönlichen Wert. Männer und Frauen müssen in der Körpersprache ihre Berufung zu verantwortlicher Liebe als wahres Geschenk ihrer selbst lernen. Andere sexuelle Ausdrucksformen, wie Unzucht, homosexuelle Akte und sexuelle Verbindungen außerhalb der Ehe stehen im Gegensatz zu dieser Berufung zur Liebe.

II. Auftrag der Familie

Nach einer kurzen Darstellung einiger Bestandteile der Lehren unserer Kirchen, haben wir auch darauf hingewiesen, wie viel wir gemeinsam haben. Und so würden wir gerne die folgenden Punkte herausstellen, die wir gemeinsam für das Wohlergehen der Gesellschaft als wichtig erachten.

A. Gemeinsame Kernpunkte

Gottes Gebot an die erste menschliche Familie bleibt für alle folgenden Familien gültig: „Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch“ (Gen 1, 28). Katholiken und Orthodoxe stimmen darin überein, dass die Familie das einzige moralische Umfeld ist, in der das Geschenk des menschlichen Lebens durch den ehelichen Akt weitergegeben werden sollte.

Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen wurde, und das konstituiert seine besondere Würde. Weder geben wir uns selbst das Leben, noch sind die Eltern die einzige Quelle des menschlichen Lebens, da die göttliche Intervention notwendig ist. Die Heiligkeit des menschlichen Lebens von der Zeugung bis zum natürlichen Tod sollte uneingeschränkt respektiert werden.

Wir erkennen die positiven internationalen Dokumente an, die die Familie unterstützen. Zum Beispiel heißt es in Artikel 16 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne jede Beschränkung auf Grund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht, zu heiraten und eine Familie zu gründen“ sowie „Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat“. In der Vergangenheit wurden die Familie und die Geburt von Kindern als etwas Heiliges betrachtet. In den letzten Jahren wird diese Auffassung jedoch in Frage gestellt. Es gibt Bestrebungen, die Sprache zu verändern und durch die ideologische Einführung der Gender-Theorie Ambiguität in die internationalen Dokumente zu bringen.

Heute bemühen sich Männer und Frauen gleichermaßen um ihre berufliche Verwirklichung, und beide müssen die Last der finanziellen Verantwortung für die Familie tragen. Unter diesen Umständen haben sich die Möglichkeiten, Kinder zu bekommen und großzuziehen, drastisch verringert.

Ein besonders tragisches Phänomen hat sich im Europa des einundzwanzigsten Jahrhunderts entwickelt. Auf Grund von Löhnen, die ihre Familien nicht erhalten, waren Hunderttausende von Müttern und Vätern gezwungen, ihre Familien zu verlassen und in wohlhabendere Länder zu ziehen, um die Grundbedürfnisse ihrer Familien befriedigen zu können. Das hat zu einer wachsenden Zahl von Ehescheidungen und großem Leid für die Kinder geführt, von denen viele der Liebe und Fürsorge ihrer Eltern beraubt werden.

Die in der modernen Gesellschaft vorherrschende weltliche Sicht untergräbt häufig die Auffassung von der Mutterschaft als einer persönlichen Berufung. Sie erfährt manchmal eine Abwertung. Wir Orthodoxe und Katholiken insistieren gemeinsam auf der Heiligkeit der Mutterschaft und auf der gesellschaftlichen Notwendigkeit, diese zu respektieren. Müttern, die zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu erziehen, sollte sowohl moralische als auch finanzielle Unterstützung geleistet werden. Ihr Auftrag ist in keiner Weise weniger wichtig als der anderer geachteter Berufe. Die Mutterschaft ist ein Auftrag und verdient als solcher unbedingte Achtung und Unterstützung. Der Begriff von der Vaterschaft ist auch grundlegend für die Gesellschaft und muss ebenfalls von der zeitgenössischen Gesellschaft wiederentdeckt werden. Ohne Vaterschaft ist es unmöglich, von einer brüderlichen Gesellschaft zu sprechen.

B. Familie und Erziehung

Die Eltern, die ihren Kindern das Leben geschenkt haben, sind ihre ersten Erzieher. „Das Recht und die Pflicht der Eltern zur Erziehung sind als wesentlich zu bezeichnen, da sie mit der Weitergabe des menschlichen Lebens verbunden sind; als unabgeleitet und ursprünglich, verglichen mit der Erziehungsaufgabe anderer, aufgrund der Einzigartigkeit der Beziehung, die zwischen Eltern und Kindern besteht; als unersetzlich und unveräußerlich, weshalb sie anderen nicht völlig übertragen noch von anderen in Beschlag genommen werden können“ (Familiaris consortio, 36). Ganzheitliche Erziehung innerhalb der Familie beschränkt sich nicht einfach auf die Entwicklung der natürlichen Begabungen und Eigenschaften des Kindes, sondern bezieht sich auch auf die geistigen Werte, besonders auf die Weitergabe des Glaubens. Die Eltern müssen die ersten Zeugen des Evangeliums sein. Im Leben der Familie lernen wir die Bedeutung des Glaubens als wahres Licht, das das Leben eines Menschen leitet.

Das passendste Umfeld für die harmonische Entwicklung eines Kindes ist die Familie, die aus Vater, Mutter und Geschwistern besteht. Andere Institutionen, die der Familie bei der Erziehung ihrer Kinder helfen, müssen mit den Eltern zusammenarbeiten und die Grundsätze und Werte weiterreichen, deren Vermittlung immer die primäre Verantwortung der Eltern bleibt. Im Zusammenhang mit der Erziehung ist häufig von den Rechten des Kindes die Rede. Das ist gut, doch solche Rechte müssen immer innerhalb des Kontexts der Familie betrachtet werden.

Die Frage der „Sexualerziehung“ verdient besondere Aufmerksamkeit. Auch hier sind die Eltern die ersten Lehrer. Das Hauptziel dieser Erziehung ist darauf ausgerichtet, jungen Menschen die Bedeutung der ehelichen Liebe zu vermitteln: „Die Erziehung zur Liebe als Hingabe seiner selbst ist auch die unerlässliche Voraussetzung für die Eltern in ihrer Aufgabe, den Kindern eine klare und taktvolle Geschlechtserziehung zu vermitteln“ (ebd., 37). In der Familie, wo wir die erste Erfahrung personaler Gemeinschaft machen, werden wir in die Liebe in allen ihren Dimensionen eingeführt: Die Familie ist der erste Ort der personalen Sozialisierung. Zudem müssen die Eltern Auskünfte erteilen, die dem jeweiligen Stadium in der individuellen Entwicklung ihrer Kinder angemessen sind. Andere Einrichtungen, wie etwa die Schule, stellen in dieser Hinsicht eine Hilfe für die Eltern dar.

Ein besonderer Einfluss auf die Erziehung von Kindern und Jugendlichen wird durch die Massenmedien ausgeübt, die die familiären Beziehungen stark bestimmen. Junge Menschen imitieren die Beispiele, die durch die Medien vermittelt werden. Neben vielen positiven Aspekten zeigen die Kommunikationsmittel bedauerlicherweise zunehmend pornografisches Material und eine individualistische, egoistische Kultur.

Familien, die ihre Kinder gut erziehen und darauf achten, gute Beziehungen zwischen allen Familienmitgliedern herzustellen, stellen ein wertvolles Humankapital dar, das sowohl für das wirtschaftliche als auch für das geistige Wohl der Gesellschaft von großer Bedeutung ist. Familienleben schafft Kultur: Der Mensch lernt die wesentliche Sprache des Lebens und alles, was ihm dabei hilft, ganz und gar Mensch zu werden. Alle Kultur ist anfänglich und in ihrer Entwicklung ein familiäres Geschehen.

C. Die Krise unserer Gesellschaft:

Herausforderungen und Chancen

Heute sehen wir uns einer gewissen Kulturideologie gegenüber, die aus der sexuellen Revolution im letzten Jahrhundert hervorgegangen ist. Das hat zu einer tiefen Krise in der Vorstellung darüber geführt, wie menschliches und familiäres Leben sein sollen. Es ist eine große Herausforderung für die Evangelisierung der christlichen Kirchen, die auf die inneren Bedürfnisse des Menschen und seine Berufung zu einem erfüllten Leben in Christus achten.

Unter den tiefen Veränderungen in unserer Gesellschaft zeichnet sich jüngst auch eine schwere wirtschaftliche Krise ab. Die heutige Bank-, Finanz- und Wirtschaftskrise ist eines der Anzeichen für einen größeren Wendepunkt in unserer globalen und europäischen Gesellschaft. Wir sind alle zu Recht besorgt. Doch ein weiteres wichtiges Element an diesem Wendepunkt ist die Krise des Familienlebens. Die Bevölkerungsentwicklung allein in Europa ist ein deutliches Signal für eine Krise, die weitaus größer als die Finanzkrise ist. Die Familie, die aus der Ehe zwischen Mann und Frau hervorgeht und Kinder sowie ein ausgedehntes Netzwerk von Beziehungen zur Folge hat, muss als wertvolles soziales Kapital wiederentdeckt werden. Wir rufen die politischen und gesellschaftlichen Führer dazu auf, sich mit dieser wichtigen sozialen Frage zu befassen, bevor es zu spät ist. Ohne diese Aufmerksamkeit wird ein Mangel an finanzieller Unterstützung vor dem Fehlen sozialer und humaner Ressourcen, die die Familie liefert, erblassen.

III. Empfehlungen und Aufrufe

In den letzten Jahren sind sich die Kirchen bewusst geworden, wie wichtig es ist, die geistige Erneuerung zu unterstützen und vor allem die jungen Menschen zu begleiten, wenn sie sich aufmachen, Ehemänner und Ehefrauen, Väter und Mütter zu werden. Während wir allen Familien pastoralen Beistand leisten, erkennen wir, dass wir uns besonders um die neuen Familien kümmern müssen. An den Rand gedrängte Familien (dazu zählen häufig die Familien der Immigranten), bedürfen aufmerksamer Betreuung. Auftrag der Kirche ist es, unserer Gesellschaft, die heute vor vielen Herausforderungen steht, Hoffnung zu geben. Wir müssen Zeichen der Solidarität setzen und unsere positive Botschaft bezüglich der Familie über die Medien vermitteln.

Wir alle zusammen, Katholiken und Orthodoxe, legen die folgenden Empfehlungen vor und rufen alle Menschen guten Willens in der Gesellschaft dazu auf, gemeinsam mit uns nach ihnen zu handeln:

1. Es ist dringend notwendig, das Verständnis von Ehe und Familie wiederzuentdecken. Wir glauben, dass eine der Hauptursachen für die derzeitige demographische Krise und alle Krisen, die damit verbunden sind, die Ablehnung dieses Verständnisses ist. In die Förderung des Familienlebens muss viel Energie investiert werden. Es muss neu entdeckt werden, was die Familie für die Gesellschaft leistet. In der Familie haben wir Heimstätten, die eine auf vielerlei Weise kreative, dynamische und lebendige Schule der Sozialisierung sind: Sie erziehen die Familienmitglieder dazu, den Wert der Gemeinschaft und des Andersseins zu entdecken, sie bilden sie in einer Kultur des Gebens aus, ermutigen zur Offenheit gegenüber der Verschiedenheit in Solidarität, vereinfachen die gemeinsame Kommunikation und bieten eine Dynamik hinsichtlich Entdeckungen und Neuheiten, Frucht zwischenmenschlicher Bemühungen.

2. Wir erklären, dass die Menschen nur in ihrer Beziehung zu Gott zu ihrem vollen Menschsein erblühen können. Dementsprechend glauben wir, dass Europa durch die Förderung der Institution Familie, die auf der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau gründet, diese fundamentale Einheit der Gesellschaft unterstützen wird, die eine lebensbefreiende, erfüllende und erhellende Rolle in der Gesellschaft spielt. Dies anzuerkennen ist der Beginn einer Erneuerung unserer europäischen Kultur, die in dieser Zeit tiefer Gewissensanalyse ihren künftigen Weg sucht. Unser Aufruf an die politischen und gesellschaftlichen Führer lautet folgendermaßen: Die Familie ist keine überholte Vorstellung. Auf die richtige Weise wiederentdeckt, ist sie die Zukunft. Ohne die gegenseitige Liebe in der Familie stirbt unsere Gesellschaft.

3. Wir erklären, dass den Eltern, da sie ihren Kindern das Leben geschenkt haben, das ursprüngliche, erste und unveräußerliche Recht zukommt, sie zu erziehen. Sie müssen als erste und im allgemeinen am besten geeignete Erzieher ihrer Kinder anerkannt werden. Wir rufen die politischen Institutionen dazu auf, das Recht der Eltern darauf, ihre Kinder in Übereinstimmung mit ihren moralischen und religiösen Überzeugungen zu erziehen, zu gewährleisten und die kulturellen Traditionen der Familie zu berücksichtigen. Das schließt das Recht auf die freie Wahl der Schule oder anderer Mittel ein, die notwendig sind, um die Kinder im Einklang mit den Überzeugungen der Eltern zu erziehen. Vor allem die Sexualerziehung ist ein fundamentales Recht der Eltern und muss immer entsprechend ihrer Entscheidung und unter ihrer Aufsicht durchgeführt werden.

4. Wir sehen eine große Gefahr darin, dass die Bedürfnisse von Kindern und das Wohlergehen der Familie offensichtlich wirtschaftlichen Interessen untergeordnet werden.

5. Wir rufen alle öffentlichen Institutionen dazu auf, zu garantieren, dass die Lohnpolitik damit vereinbar ist, eine Familie zu gründen und auf würdige Weise zu erhalten. Das könnte durch Steuergesetze erreicht werden, die den unerlässlichen Beitrag der Familien für die Gesellschaft anerkennen. Es sollte so sein, dass nicht beide Eltern notwendigerweise gezwungen sind, ganztägig außer Haus zu arbeiten, zum Nachteil des Familienlebens und vor allem zum Nachteil der Kindererziehung. Wir fordern die politischen Institutionen dazu auf, die Arbeit der Mutter zuhause aufgrund ihres Wertes für die Familie und für die Gesellschaft anzuerkennen und zu würdigen. Die Frage der „Kindererziehung“ muss genauer untersucht werden, wobei das Interesse des Kindes als leitendes Prinzip zu gelten hat.

6. Schließlich erinnern wir an die moralische Wahl, von der die Zukunft der gesamten Menschheit abhängt. Das Wesentliche wird als ein zentraler Punkt des Bundes zum Ausdruck gebracht, den Gott mit der Menschheit geschlossen hat und der in Christus erfüllt wird: „Hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor. Wenn du auf die Gebote des Herrn, deines Gottes, auf die ich dich heute verpflichte, hörst, indem du den Herrn, deinen Gott, liebst, auf seinen Wegen gehst und auf seine Gebote, Gesetze und Rechtsvorschriften achtest, dann wirst du leben und zahlreich werden und der Herr, dein Gott, wird dich... segnen... Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen“ (Dtn. 30, 15–19).

IV. Folgen

Die Erfahrung des Forums war sehr positiv, um unsere Bruderschaft aufzubauen und uns in die Lage zu versetzen, unsere christliche Sorge um die Menschen gemeinsam zu tragen. Auf der Grundlage dieser guten Erfahrung beabsichtigen wir, uns regelmäßig zu treffen, um unsere Beziehungen zueinander zu stärken und die gemeinsamen Herausforderungen, vor denen Europa steht, anzugehen.

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