„Falsch und abwegig“

Kardinal Pell weist Berichte über Verschwendung zurück – Erzbischof Becciu widerspricht Gerüchten
Foto: KNA | Kardinal George Pell.
Foto: KNA | Kardinal George Pell.

Vatikanstadt (DT/KNA/rv) Kurienkardinal George Pell (74) hat Medienberichte über angeblich verschwenderische Ausgaben des vatikanischen Wirtschaftssekretariates zurückgewiesen. Die auf zwei Enthüllungsbücher zurückgehenden Vorwürfe seien „falsch und abwegig“, heißt es in einer am Freitag verbreiteten Erklärung eines Sprechers des Sekretariats. Die Kurienbehörde sei mit ihren Ausgaben deutlich unter dem für 2014 veranschlagten Budget geblieben. Zudem sei sie eine der wenigen Vatikan-Einrichtungen gewesen, die selbst eine Reduzierung ihres Budgets im Haushalt 2015 vorgeschlagen hätten. Damit wolle man „jeden Zweifel“ am Bemühen Pells um eine Kontrolle der Kosten ausräumen, so die Erklärung.

Der Leiter der Vatikanbehörde reagierte damit auf zwei am Donnerstag erschienene Enthüllungsbücher der italienischen Journalisten Emiliano Fittipaldi und Gianluigi Nuzzi. Fittipaldi etwa behauptet in seinem Buch, das Wirtschaftssekretariat habe „Hunderttausende Euro für Business-Class-Flüge, maßgeschneiderte Kleidung, wertvolles Mobiliar und 4 600 Euro für den Unterschrank eines Waschbeckens“ ausgegeben.

Das Wirtschaftssekretariat war im Februar 2014 von Papst Franziskus eingerichtet worden, um die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Vatikan zentral zu koordinieren und zu kontrollieren. An seine Spitze berief Franziskus den vormaligen Erzbischof von Sydney. Pells Bemühungen um Wirtschaftlichkeit und Transparenz in der Bistumsverwaltung galten als vorbildlich. In der Erklärung schlüsselt das Sekretariat seine Gesamtausgaben von rund 500 000 Euro zwischen März und Dezember 2014 auf. Demnach gab sie 292 000 Euro für Gehälter und „damit zusammenhängende Belastungen“ aus, 4 000 Euro für Flüge und 2 500 Euro für Messgewänder und Altardecken für die Kapelle des Sekretariates.

Weitere 16 000 Euro seien für Unterbringung und Reisespesen von Beratern ausgegeben worden, die für ein Projekt des Kardinalsrates arbeiteten. Zudem habe man ein vatikanisches Appartement für einen ranghohen Mitarbeiter aus dem Ausland mit befristetem Vertrag „reserviert“. Anschließend solle die Wohnung zur Unterbringung von internationalen Experten genutzt werden, die sich länger in Rom aufhalten. Dies sei kostengünstiger als die Unterbringung in teuren Hotels oder Gästehäusern. Weiter heißt es in der Mitteilung, jede Ausgabe des Sekretariates, die zurückerstattet werden soll, bedürfe von nun an einer ausdrücklichen Genehmigung eines leitenden Mitarbeiters. Das Sekretariat müsse nun erst informiert werden, bevor die vatikanische Güterverwaltung Apsa einen Auftrag vergebe.

Spekulationen über eine Palastrevolte gegen den Papst wies unterdessen Erzbischof Angelo Becciu, Substitut im Staatssekretariat, zurück. Franziskus könne sich des Rückhalts seiner Mitarbeiter sicher sein, zitierte Radio Vatikan den Erzbischof am Wochenende. Das italienische katholische Fernsehen TV2000 fragte Becciu, wie der Papst und sein engster Stab auf die Veröffentlichung sensibler Dokumente aus dem Finanz- und Wirtschaftsbereich reagieren. Seine Antwort: „Ganz eindeutig mit Schmerz, mit Bitterkeit und Befremden. Es ist vor allem schwer zu ertragen, dass ausgerechnet ein Priester sich eines solchen Delikts schuldig machen kann. Der Papst hat darunter gelitten, das kann ich nicht leugnen. Aber der Papst ist auch robust, er hat moralische Ressourcen, die für uns wirklich beispielhaft sind. Wir dürfen uns jetzt nicht blockieren lassen, sondern müssen weitergehen.“

Er sei einigermaßen zuversichtlich, dass es bei „den zwei Verdächtigen“ bleibe – einem spanischen Monsignore und einer italienischen PR-Fachfrau. „Wir haben hart reagiert, auch als Lektion für diejenigen, denen es mal in den Sinn kommen könnte, eine ähnliche Dummheit zu begehen!“ Schwer zu verstehen sei, dass die Täter behaupteten, sie wollten mit ihrem Geheimnisverrat dem Papst helfen. „Danke, aber der Papst hat gesagt: So eine Hilfe kann ich nicht gebrauchen! Ich brauche Mitarbeiter, die loyal sind und auch mal ein Geheimnis für sich behalten können. Die beiden Täter hatten eine Erklärung unterzeichnet, dass sie die Dokumente und den Inhalt der Besprechungen in ihrer Kommission vertraulich behandeln würden. Das ist also auch in rechtlicher Hinsicht ein schwerwiegender Fall von Illoyalität. Unsere Anwälte prüfen die rechtlichen Schritte auch außerhalb des Heiligen Stuhls.“ Fehlverhalten müsse korrigiert werden, erklärte Erzbischof Becciu. Daran arbeite Papst Franziskus schon seit seinem Amtsantritt. „Das, was in den zwei neuen Büchern steht, belegt eigentlich die auf Wunsch des Papstes hin geleistete Arbeit, um die ganze Verwaltung des Heiligen Stuhls funktioneller – wenn Sie so wollen, transparenter – zu machen. Das sind also Dinge, die wir schon wussten. Sie belegen den Willen des Papstes, das ganze Finanzsystem des Heiligen Stuhls neu zu organisieren. Es ist doch klar, dass beim Erstellen der Analyse des Status quo verschiedene Fehlfunktionen herauskommen – das ist es, was die beiden Bücher publiziert haben. Aber das alles war ja schon bekannt! Zwar nur intern – aber jede Familie, jeder Staat hat doch auch seine vertraulichen Dinge. Ich finde es richtig, dass man einiges geheim hält – nicht, damit die Leute das nicht erfahren, sondern weil sich der Papst ausdrücklich einen Überblick über alles, was nicht funktionierte, verschaffen wollte, um da dann mit Änderungen anzusetzen.“

Und wie steht es mit dem großen Immobilienvermögen, über das der Heilige Stuhl nach Angaben der bekanntgewordenen Dokumente verfügt? Das sind wertvolle Gebäude nicht nur in Rom, sondern auch in London und Paris. Becciu weist darauf hin, dass sie ein Erbe vergangener Jahrhunderte darstellen: „Wir sollten da nicht populistisch sein. Das sind häufig Dienstwohnungen, in denen ein Kurienmitarbeiter so lange wohnt, wie er sein Amt an der Kurie hat; danach gehen sie in der Regel auf einen anderen über. Was sollen wir denn mit ihnen machen – sie zerstören? Oder uns ganz aus Rom zurückziehen? Das wäre aber das Gegenteil von Armut, dann würden wir noch mehr Geld ausgeben müssen!“

Was den Peterspfennig betrifft, die jährliche Kollekte in der Weltkirche für die Arbeit des Papstes und seine Caritas, bekräftigte Becciu, dass keine Spendengelder zweckentfremdet würden. „Diese Gelder sind für die Caritas des Papstes eingesetzt worden, und andere wurden für die Organisation des päpstlichen Dienstes verwendet. All das ist längst veröffentlicht worden: Die haben offenbar das warme Wasser wiederentdeckt. Jedes Jahr wird der Haushalt des Heiligen Stuhls publiziert, und da heißt es klar: für den Unterhalt der Kurie, für den Osservatore Romano, für Radio Vatikan, für die Nuntiaturen. Ich will darauf bestehen: Die Gläubigen geben ihre Spende im Wissen darum, dass diese Gelder eingesetzt werden, um dem Papst zu helfen. Ich erlebe übrigens immer wieder, wie unsere einfachen Leute uns etwas Geld geben – dann sagen sie: Hier, mach damit, was du willst! Wer gibt, der hat auch Vertrauen zu dem, dem er spendet; es sind die, die nichts geben, die dann Spekulationen machen und Urteile abgeben!“

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