Fakten wider das Vergessen

Zur aktuellen Lage der verfolgten Christen. Von Marie-Thérese Knöbl
Foto: Kirche in Not | Steine als stummer Botschafter des Hasses auf Christen: eine zerstörte Kirche in Aleppo.

München (DT) Zum Wochenauftakt hat die Päpstliche Stiftung „Kirche in Not“ in München zum fünften Mal in Folge ihre Publikation „Christen in großer Bedrängnis“ vorgestellt. Das Buch dokumentiert die aktuelle Lage von Christen in Ländern, in denen ihnen besonders wenig Freiheit zur Ausübung ihrer Religion zugestanden wird und in denen sie aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit mit verschiedenen Formen von Benachteiligung, Verfolgung, Willkür und Gewalt rechnen müssen. Aber nicht nur Diskriminierung und Verfolgung von Christen werden dargestellt, sondern Einschränkungen der Religionsfreiheit jeder Art – auch die anderer religiöser Minderheiten und auch die religiöser Mehrheiten wie im Fall der Muslime im Norden Nigerias. Sachlich geschrieben und seriös recherchiert gibt die Broschüre einen erschütternden Einblick in das Leben der Menschen vor Ort.

„Kirche in Not“ berichtet dabei aus fünfzehn ausgewählten Ländern der Erde, in denen eine besonders eklatante Diskriminierung von Christen herrscht. Nach wie vor ist dies vor allem in kommunistisch und islamistisch geprägten Ländern der Fall. So verwundert es wenig, dass die Länderauswahl der Dokumentation dominiert wird von denjenigen Regionen der Welt, die auch alljährlich den Weltverfolgungsindex der überkonfessionellen Organisation Open Doors anführen: China, Eritrea, Vietnam, Kuba und Nordkorea sind ebenso in der Broschüre „Christen in großer Bedrängnis 2018“ vertreten wie Saudi-Arabien, Pakistan, Irak, Ägypten, Indonesien, Syrien, Nigeria und die Türkei. Aber auch im zunehmend hindu-nationalistischen Indien oder in Myanmar können Christen ihre Religion nicht mehr frei ausüben.

Welche Konsequenzen dies für das tägliche Leben der Menschen hat, machen die Länderberichte auf eindringliche Art deutlich. So kommt es in der Diözese Maiduguri im Nordosten Nigerias zu Verschleppungen, Entführungen und Zwangsverheiratungen christlicher Mädchen und Frauen durch Boko Haram und die islamistischen Fulani-Hirten. Aber auch zur in Europa weniger bekannten Verweigerung von Beschäftigung und Beförderung aufgrund religiösen Bekenntnisses zum Christentum, Muslimen vorbehaltenen Kursen an Universitäten, zur Verweigerung öffentlicher Ämter für Christen und ausbleibenden Baugenehmigungen für Kirchen. In Syrien, im Norden Nigerias, in Pakistan werden Christen gezwungen, ihre Dörfer zu verlassen und entweder auszuwandern oder zum Islam zu konvertieren. Sie werden grundlos angezeigt und inhaftiert – meist auf Grundlage von sogenannten Blasphemie-Gesetzen –, ihre Kinder werden verschleppt und zu Kämpfern für den Dschihad ausgebildet, ihre Kirchen und Häuser werden in Brand gesteckt, beschossen und bombardiert. Nicht nur in Syrien und Nigeria, weltweit stehen Christen heute in der Kritik, auf immer ungemütlicher werdender gesellschaftlicher Position, auf der Todesliste fanatischer Extremisten.

„Kirche in Not“ ist es gelungen, anhand der ausgewählten sogenannten Brennpunktländer deutlich zu machen, wie dringend unsere Geschwister im Herrn nicht nur unsere finanzielle Unterstützung, sondern auch unsere geistige Solidarität und unser Gebet benötigen. Nach dem Gründer von „Kirche in Not“ ist es eine „Ehrenpflicht“ jedes Christen, Solidarität mit verfolgten Geschwistern im Herrn zu üben, denn die ernsthafte und liebevolle Zuwendung anderer Menschen auch aus der Ferne kann in Situationen akuter Gefahr und Misshandlung wahre Wunder bewirken. Die Broschüre hilft dabei, nicht zu vergessen, was viele Medienvertreter und Politiker im sicheren Europa gerne vergessen machen oder relativieren möchten: Dass weltweit Menschen aufgrund ihres Bekenntnisses zum Christentum schikaniert, herabgesetzt, misshandelt und getötet werden. „Kirche in Not“ hat mit der erfolgreichen Serie „Christen in großer Bedrängnis“ einen Meilenstein gegen das Vergessen und gegen alle Versuche bewussten Ausblendens gesetzt. Die Publikation ist ein wichtiges Instrument sachlicher Aufklärung und ist mittlerweile ein Standard-Kompendium zur Situation der Religionsfreiheit weltweit. Geschildert werden dabei neben der aktuellen Lage und ihrer multikausale Entstehung auch die Ursachen für die Zunahme religiöser Intoleranz in der jeweiligen Gesellschaft. Auch die Gründe für die Sehnsucht vieler Muslime nach einem strengeren Islam werden beispielsweise im Länderbericht des traditionell moderat-islamischen Indonesien benannt. Das hilft, alle Beteiligten in oft lebensgefährlichen Spannungen vor Ort zu verstehen und für Christen wie Nichtchristen, Unterdrückte wie Unterdrücker gleichermaßen zu beten. Dafür und für den unermüdlichen Einsatz für notleidende Christen und deren Kirchen und Lebensstrukturen gebührt „Kirche in Not“ Lob und Respekt.

Die Dokumentation „Christen in großer Bedrängnis 2018“ enthält neben detaillierten Länderberichten auch Gebete und Fürbitten für die verfolgte Kirche und kann gegen eine Schutzgebühr von einem Euro bei „Kirche in Not“ bestellt werden.

Kontakt: info@kirche-in-not.de

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