„Es geht um das Ganze“

Krise, Familie, Menschenwürde und Lebensschutz: Die Bischöfe im deutschsprachigen Raum rufen in ihren Weihnachtspredigten zu Zusammenhalt und Solidarität auf

Bonn (DT/KNA/POW) Die Wirtschaftskrise hat nach Ansicht der Kirche in Deutschland zu größerer Nachdenklichkeit geführt. In ihren Weihnachtspredigten riefen die katholischen Bischöfe im deutschsprachigen Raum zu mehr Zusammenhalt und Solidarität in der Gesellschaft auf. In zahlreichen Messfeiern des ersten Weihnachtstags erwähnten die Zelebranten auch den nächtlichen Angriff auf Papst Benedikt XVI. im Petersdom und beteten für ihn.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, wandte sich gegen übersteigertes Leistungsdenken und forderte mehr Solidarität mit gesellschaftlich Ausgegrenzten. In der Gesellschaft gehe es zu sehr um Leistung und Erfolg, die Stärkeren setzten sich durch zu Lasten des „Zerbrechlichen und Schwachen“, kritisierte der Freiburger Erzbischof. Die Weihnachtsbotschaft, so Zollitsch, fordere zum Umdenken auf. Die Menschwerdung zeige den Menschen, was das Wichtigste sei: „Zu lieben, füreinander da zu sein; ohne Hintergedanken und Vorbedingung, ohne Profit und Vorteil.“ Nur im Besinnen auf diese Botschaft könne die Welt menschlicher werden, sagte der Erzbischof. Deshalb gehe es auch darum, Schwache, Kranke und Behinderte mehr zu unterstützen. Zollitsch erklärte, die menschliche Würde dürfe nicht von persönlichem Erfolg oder erreichten Leistungen des einzelnen abhängig gemacht werden.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner bezeichnete Weihnachten als einzigartige Revolution „von oben nach unten“. Mit seinem Sohn in der Krippe habe Gott „gleichsam in einem Salto mortale“ einen Milieuwechsel vollzogen. „Der Sohn ist ganz hineingegangen in das Schema Mensch“, sagte der Kardinal. Gott habe mit einem Kind, das ganz auf fremde Hilfe angewiesen sei, „neu mit der Welt angefangen“. Meisner rief die Menschen auf, wieder mit kindlichem Staunen zu glauben. Die Botschaft von der Geburt Jesu in eine verleumderische, gottfeindliche, überhebliche Welt biete dazu allen Anlass, sagte er in seiner Predigt am ersten Weihnachtstag im Kölner Dom. Die Weihnachtsfreude beziehe sich nicht auf Vergangenes. „Heute ist uns der Heiland geboren“, so Meisner. Gott liebt nach den Worten des Erzbischofs diese Welt „trotz Geiselnahme, trotz der Selbstmordkommandos, trotz der Millionen Menschen, die verhungern, trotz der millionenfachen Abtreibungen, trotz der Wirtschaftskrisen und der militärischen Rüstungen“. Diese Tatsache sollte den Menschen das Staunen vor Gottes Botschaft zurückgeben, sagte der Kardinal.

Weihnachten ist nach den Worten des Mainzer Kardinals Karl Lehmann kein rührseliges Fest, sondern ein Zeichen für Gottes Solidarität mit den Menschen. Gott streife die Welt „nicht wie ein leuchtender Komet, der wieder im All verschwindet, sondern er wird wirklich Mensch, einer von uns“, sagte der Mainzer Bischof am Freitag beim Weihnachtsgottesdienst im Mainzer Dom. Der biblische Gott, so der Kardinal, sei kein Hinterweltler. Er ruhe auch nicht einfach selig in sich selbst. „Er will in voller Freiheit von seiner Güte etwas mitteilen, lässt darum Geschöpfe entstehen und schenkt uns seine Gaben. Es ist ein Gott, der sich der Welt, die von ihm stammt, und den Menschen zuwendet.“ Gott komme durch seinen Sohn in die Welt, um die Menschen von ihrer „Fühllosigkeit gegenüber Leid“, Selbstverliebtheit und den Fesseln des Bösen zu befreien, so Lehmann. Jesus bekomme wirklich die volle Realität der Welt zu spüren. Dies habe schon begonnen, als in der Herberge kein Platz mehr gewesen sei. „Hinter der Krippe wird schon das Kreuz sichtbar.“

Jesus sei nicht in einem Palast geboren worden, sondern in ärmlichsten Verhältnissen, erinnerte der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky. Gesellschaftliche Regeln und Konventionen hätten dabei keine Rolle gespielt. Dennoch könne die Weihnachtsgeschichte Mut machen, „Familie zu akzeptieren und zur Familie zu stehen“.

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx appellierte an die Gläubigen, trotz Ängsten, Krisen und Katastrophen nicht aufzugeben. Gerade Christen seien in dieser Welt die Träger der Hoffnung und des Mutes, sagte er in der Münchner Liebfrauenkirche. Der Erzbischof warnte, in Bezug auf die Finanz- und Wirtschaftskrise werde derzeit der Eindruck erweckt, die alten Verhaltensweisen und Zielsetzungen seien weiter vorherrschend. Im Blick auf das Kind von Bethlehem dürften Christen nie aufgeben, an das Gute zu glauben und sich mit den ihnen geschenkten Mitteln und Möglichkeiten dafür einzusetzen.

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann warnte davor, Weihnachten auf eine romantische Familienidylle zu reduzieren, die darüber hinaus oft nur Fassade sei. „Dann wird das Weihnachtsfest zu einer Mogelpackung“, sagte er in der Christmette. Die Frohbotschaft von der Menschwerdung Gottes sei der Zündstoff für eine Welt, die sich alleine nicht aus der Dunkelheit auswegloser menschlicher Katastrophen befreien könne. „In Jesus Christus ist uns nicht nur ein Kind geboren worden, das – wie jedes andere neugeborene Kind – signalisiert, dass Gott die Welt noch nicht aufgegeben hat, sondern in diesem Kind von Bethlehem ist Gott selbst zu uns gekommen.“ Gerade die gegenwärtigen Herausforderungen ließen die prophetischen Bezeichnungen „wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens“, mit denen der Erlöser tituliert wird, für die Menschen im 21. Jahrhundert umso eindringlicher werden. Hofmann kritisierte das „unverständliche europäische Kreuz-Urteil“ und den moralischen Verfall „bis hin zur Anmaßung über das Leben Einzelner – auch Ungeborener – entscheiden zu dürfen.“

Der Mensch braucht nach Ansicht des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke für Glück und wahren Frieden nicht nach den Sternen zu greifen. Die Geburt Jesu in einem armseligen Stall zeige, „die Einfachheit unseres Lebens reicht aus, um Gottes Gegenwart zu erfahren“, sagte Hanke. Im Kleinen und Unscheinbaren eröffne sich der Zugang zum Paradies. Dennoch schlügen die Menschen für die Erfüllung ihres Glücks oft seltsame Wege ein, so der Bischof. Sie flüchteten sich in den Konsum von Filmen und Fernsehshows mit Glitzer und Promis. Zudem sorgten sie sich um ihre Attraktivität und glaubten an eine Wissenschaft, die alles können soll. Die Weihnachtsbotschaft spreche da eine andere Sprache.

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller rief im Regensburger Dom dazu auf, einer müden Skepsis und einem zynischen Nihilismus entgegenzutreten, die alles nur als Projektion oder literarische Fiktion aus den Sinnbedürfnissen einer Vernunft ableiten, die noch nicht kritisch über sich selbst aufgeklärt sei. Der Glaube sei etwas anderes als eine Vermutung oder eine subjektive Meinung. Er sei auch kein Standpunkt unter vielen, die Dinge so zu interpretieren, wie sie den eigenen Wünschen entsprechen. Vielmehr sei der Glaube das Vertrauen in Gott, der die Wahrheit ist.

Die Kirche ist nach den Worten des Augsburger Bischofs Walter Mixa zu jeder Zeit „Anwältin des Lebens“. Der Grund dafür sei, dass Gott selbst sich mit der Geburt seines Sohnes auf die Seite des Lebens gestellt habe, sagte Mixa am ersten Weihnachtsfeiertag in der Augsburger Marienkathedrale. Die Kirche kämpfe für das Lebensrecht ungeborener Kinder sowie für die Würde alter und kranker Menschen. Sie trete ein für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Die Entscheidung Gottes für den Menschen sei das Programm des christlichen Glaubens in dieser Welt, unterstrich der Bischof. Dieser Glaube habe durch alle Irrtümer der Geschichte hindurch in Europa eine „einzigartige Zivilisation der Menschlichkeit“ hervorgebracht. Deshalb müsse auch die Kirche immer wieder ihre Stimme erheben, wenn das körperliche und seelische Wohl des Menschen bedroht sei.

Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml warnte in seiner Weihnachtsbotschaft vor dem zunehmenden Verfall moralischer und gesellschaftlicher Werte. Vor allem in der jungen Generation wirke sich dies verhängnisvoll aus, sagte Schraml am Donnerstag. Er mahnte das friedliche Zusammenleben an und rief dazu auf, nicht ständig zwischenmenschliche und gesellschaftliche Gräben aufzureißen. Diese müssten vielmehr überbrückt werden. Die Menschen sollten Kopf und Herz freibekommen für die wirklich bedrängenden Nöte.

Eine klare Absage erteilte Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg Drogen, Flat-Rate-Parties und Komasaufen, Sex-and-crime-Videos sowie grenzenlosem Konsum. Damit verletze und schädige man sich auch selbst. Weihnachten stelle den Menschen ins Zentrum. Das bedeute: Achtung vor sich selbst und jedem Nächsten, egal, ob er arm oder reich, gesund oder krank, mit oder ohne Migrationshintergrund sei. Wir müssten eine solidarische Gesellschaft sein, so wie die Hirten und die Heiligen Drei Könige an der Krippe mit Maria, Josef und dem Kind.

Der Münsteraner Bischof Felix Genn verwies in der Christmette darauf, dass Jesus in die ärmsten Verhältnisse hinein geboren wurde. Dennoch hätten sich um das weihnachtliche Geschehen viele Märkte und wohlige Stimmung gelegt, sagte er im Dom von Münster. Genn zufolge lassen sich die Probleme der Welt auf Konferenzen nur schwer lösen, wenn nationaler und wirtschaftlicher Egoismus das Handeln bestimme und das Eigene immer näher sei als das, was die anderen und die gesamte Welt brauche. Gott wolle in diesem System etwas ändern, nicht indem er mit dem Schwert komme, sondern indem er die Niedrigen wie Maria, Josef, die Hirten und Kleinen erhöhe. Der Bischof lud die Gläubigen ein, sich regelmäßig eine Stunde in der Woche Zeit für Gott und seine Botschaft zu nehmen. Gott sei „ein wunderbarer Ratgeber“.

Der neue Essener Bischof Franz-Josef Overbeck rief zu größeren Anstrengungen für soziale Gerechtigkeit auf. Im Antlitz von Arbeitslosen, „die zum Spielball verschiedener Interessen jenseits der Achtung ihrer Würde werden“, blicke uns Gott an, sagte er an Heiligabend im Essener Dom. Damit verbunden sei für Christen der Aufruf, „das uns Mögliche zu tun, um Arbeit zu sichern, für Gerechtigkeit zu sorgen und denen eine Stimme zu geben, die keine haben oder deren Stimme untergeht“. Overbeck forderte eine stärkere Förderung von Bildungsangeboten für Jugendliche ohne Ausbildung, um ihnen einen guten Lebensweg zu ermöglichen. Auch sei es eine wichtige Aufgabe, dafür zu sorgen, „dass Familienverhältnisse stabilisiert werden und Menschen ein Zuhause finden“. Der Glaube an die Menschwerdung Gottes befähige die Christen, „Gott selbst in den Menschen und ihren Gesichtern, in ihren Freuden, Leiden und Nöten zu entdecken“.

Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff unterstrich, dass der Schutz des ungeborenen Lebens und die Sorge um Kranke und Arme wichtig bleibe. Zudem verlangte er an Heiligabend im Aachener Dom beherzte Maßnahmen gegen Wirtschaftskrisen und die Notlage von Migranten. Daneben müsse Bildungsgerechtigkeit verwirklicht und für Frieden gestritten werden. Das alles aber sei nur möglich, wenn die Menschen „auf dem Weg zu Jesus Christus bleiben“.

Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker hob die befreiende Kraft des Weihnachtsfestes hervor. „An der Krippe ist Platz für unsere Lasten“, sagte er an Heiligabend im Paderborner Dom. Dort könnten Unversöhntheit, Schuld, Verbitterung, Sorge, Angst, Resignation, Unvermögen, aber auch Verlust und Krankheit abgelegt werden. „Bei dem Kind, bei dem, der später selbst ein Kreuz in die Hand nimmt, ist Platz für unsere Lasten“, so Becker.

Ein in der Menschwerdung Gottes begründetes Menschenbild mahnte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen in seiner Weihnachtsansprache an. Gott sei für die Menschen in unerhörter Weise da, gebe ihnen Teilhabe an seiner göttlichen Natur, stecke in ihrer Haut, sagte der Bischof am ersten Weihnachtsfeiertag im Dom zu Fulda. „Ob Frau oder Mann, schwarz oder weiß, Christ oder Nichtchrist, jede und jeder sind unwiderruflich von Gott gewollt und angenommen“, betonte Algermissen. Er unterstrich, Christen ließen sich von niemandem darin übertreffen, groß vom Menschen zu denken. Der Bischof gab zu bedenken, der Mensch habe nicht nur einen Wert, er habe Würde. Das Wort Wert stamme vom Markt, Würde aber dürfe man nicht zu Markte tragen und darüber verhandeln, sie sei nicht austauschbar oder an Bedingungen geknüpft, sondern gelte unbedingt. Deshalb sei auch eine Auswahl zwischen sogenannten wertvollen und sogenannten unwerten Kindern unter der Würde des Menschen, sagte Algermissen mit Blick auf eventuelle Abwägungen im Zuge vorgeburtlicher Diagnostik.

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sieht die größte Entwurzelung für Menschen in der Trennung von Gott. Wo Gott nicht mehr vorkomme, werde der Mensch heimatlos. Wenn die Menschen nicht mehr wüssten, dass sie bei Gott zu Hause seien, sei ihre Würde und ihr Wert in Gefahr, so Tebartz-van Elst. Als Beispiel nannte der Bischof auch den Klimawandel: „Wo sich das Klima der Erde erwärmt, zeigt sich, dass die Herzen der Menschen immer kälter werden, wenn es um eine gemeinsame Verantwortung für die Schöpfung geht.“ Wer in Gott verwurzelt sei, könne wachsen; wo Gott nicht mehr vorkomme und das Kreuz aus dem Blick verschwinde, schrumpfe der Mensch, so der Limburger Oberhirte.

Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst rief dazu auf, Gottes Handeln umfassend zu begreifen. Es sei keineswegs an den Haaren herbeigezogen, an Weihnachten über den Klimawandel zu sprechen. Weihnachten sei das Fest von Gottes rettender Liebe. Diese Botschaft in sich aufzunehmen, bedeute für Christen auch, sich mit Gottes Hilfe zu Rettern der Welt gerufen zu wissen, Fürst stellte fest, Gottes Liebe rette Menschen aus Angst, Zwängen und Verzweiflung. Diese Rettung beziehe sich auch „auf die gefährdete Schöpfung, auf ihre Verlorenheit, auf ihre Versklavung und skrupellose Ausbeutung durch den Menschen“. Es seien keine apokalyptische Visionen, dass ganze Regionen überschwemmt und die Lebensgrundlagen zerstört würden, dass Meere umkippten und das Leben im Wasser absterbe. All dies sei „im Bereich des Wahrscheinlichen“.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat die Menschen aufgerufen, sich durch die Weihnachtsbotschaft erschüttern zu lassen. In der Mitternachtsmesse im Trierer Dom sagte Ackermann, nur eine von Gott kommende „positive Erschütterung“ lasse die Menschen Weihnachten wirklich verstehen. Nur dann würden Neuanfänge möglich. Mit Blick auf die Finanzkrise betonte der Bischof, das weltweite Erschrecken habe bisher offensichtlich nicht zu einem Umdenken oder einer Neuorientierung geführt. Ackermann wörtlich: „An Weihnachten setzt Gott einen neuen Anfang, indem er selbst kommt, mitten in diese konfliktbeladene und sündige Welt, die geschundene und verwundete Natur des Menschen annimmt, Mensch wird unter Menschen.“

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann wies auf die politische Sprengkraft des Weihnachtsfestes hin. Die Botschaft des Weihnachtsevangeliums richte sich „gegen die gedankenlose Entsorgungsmentalität der heutigen Zeit“, sagte er am Freitag im Speyerer Dom. Der Bischof forderte von der Gesellschaft klare Werte-Entscheidungen: So müssten Familien gestärkt und Bindungs- und Verantwortungsbereitschaft belohnt werden, sagte er. „Wenn wir stattdessen die fördern, die in allem den eigenen Profit suchen und das Gemeinwohl und die Solidarität ausblenden, müssen wir uns nicht wundern, wenn eine gewissenlose Generation heranwachsen sollte, die ebenfalls ihren Müll einfach wegwirft – und den anderen zur Entsorgung überlässt.“

Der Erfurter Bischof Joachim Wanke rief zu Weihnachten zu einem selbstbewussten Christsein auf. „Ich fürchte in Thüringen nicht Minarette, sondern Kirchtürme, die den Leuten keine Botschaft mehr vermitteln“, sagte er in seiner Weihnachtspredigt im Erfurter Dom. „Wer den Gott und Vater Jesu Christi kennt, hat keine Angst vor anderen Religionen, auch nicht vor der atheistischen Humanistischen Union, die dem Christentum den Kampf angesagt hat.“ Christen sollten ganz selbstbewusst deutlich machen, dass sie „in dem gesellschaftlichen Gespräch, das über unsere Zukunft entscheidet“, eine Rolle spielen wollten.

Weihnachten halte die wichtigste Botschaft für die ganze Menschheit bereit, predigte der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle. Eine neue Dimension des Heils sei in die ganze Welt gekommen. „Endlich der richtige Durchblick, auf den man so lange gewartet hat!“ Durch die unerwartete Nähe des gottgesandten Retters erhält alles Geschaffene nun nach Worten des Bischofs eine neue Würde. Wer auf diesen Retter schaue, müsse nicht mehr aufgeben, müsse nicht mehr vor sich hin leben, als wäre sein Leben nur eine unbedeutende Kurzgeschichte. Er darf nach Trelles Ansicht „mit aller Kühnheit und Demut zugleich davon überzeugt sein, dass sein Leben einmündet in die Lebensgeschichte des Kindes von Bethlehem“.

Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, erinnerte daran, dass Christen heute zu den am meisten um ihres Glaubens willen Verfolgten zählen. Bis zu 250 Millionen Christen weltweit hätten Diskriminierungen und Verfolgungen zu erleiden. „Nicht siegen wollen, sondern sich lieber besiegen lassen, nicht Ungerechtigkeit tun, sondern lieber ertragen: das ist das Geheimnis des Martyriums“, sagte Kardinal Schönborn. Das 20. Jahrhundert sei „das Jahrhundert des Märtyrertums“ gewesen: „Es gab in keinem anderen Jahrhundert so viele Glaubenszeugen wie im letzten Jahrhundert.“

Bischof Egon Kapellari von Graz-Seckau wandte sich in seiner Weihnachtsansprache „besonders zu den Menschen, die es schwer haben im Leben, weil sie krank sind oder weil sie besondere familiäre oder berufliche Sorgen haben, nicht zuletzt Sorgen um ihren Arbeitsplatz“. Das Christuskind als Mitte des Weihnachtsfestes werde heute oft durch Nebensächliches verdeckt. „Aber Weihnachten ist ein starkes Fest. Es ist stärker als alle Äußerlichkeiten, die ihm heute angetan werden, weil es für unzählige Menschen seinen Glanz bewahrt hat.“

Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser ging in seinen Weihnachtsgedanken auf die Weltklimakonferenz in Kopenhagen mit ihren „sehr bescheidenen Ergebnissen“ ein: „Die Aufmerksamkeit für die Umwelt, für unsere Mitwelt ist zweifellos in den letzten Jahrzehnten gewachsen. Aber vielfach fehlt es noch an einer Umkehr in der Innenwelt, im Bewusstsein der Menschen, in ihrer inneren Ordnung, die sich dann auch auf die äußere Ordnung auswirken kann.“ Die Weihnachtsbotschaft und das Weihnachtsereignis von Bethlehem rufe zur Umkehr, „zur Reduktion unserer Wünsche und Bedürfnisse, lädt dazu ein, unsere Aufmerksamkeit für das Leben, für die Mitmenschen, für die Schöpfung zu verstärken“.

Weihnachten sei mehr als ein Geschehen zwischen Gott und der Seele, „da geht es um das Ganze“, sagte Kärntens Bischof Alois Schwarz in seiner Predigt in der Christmette im Dom zu Klagenfurt. Das Kind in der Krippe sei „Mittelpunkt allen Seins, es ist das Herz der Welt“. Dieses Kind sei allen geschenkt worden. Das Geschenk der Geburt Jesu sei allen angeboten, aber nicht von allen werde es angenommen. Das Gotteskind komme in einem Futtertrog zur Welt, „dort, wo die Tiere ihr Heu und ihren Schrot, also gemahlenes Getreide fressen, wo getrocknetes Gras und durch die Mahlsteine zerriebenes Korn vorgelegt wird“. Das sei wohl auch, so Bischof Schwarz, „ein tiefes Sinnbild für die Feier der Eucharistie“. Im Futtertrog liege der, „den wir als das ,Brot des Lebens‘ in unserer Mitte haben“.

Tirols Bischof Manfred Scheuer fasste das Weihnachtsfest so zusammen: „Gott steckt in unserer Haut“. Er trete „in eine menschliche Beziehung mit uns“. Im Menschwerden und Menschsein sei Gott „uns allemal voraus“. Der christliche Glaube sei „zur Selbstkontrolle einer diesseitig-demokratischen Gesellschaft hilfreich, wenn nicht unentbehrlich“, so Bischof Scheuer. Eine weltliche Gesellschaft könne „Motive wie jene der Gottebenbildlichkeit oder das der Menschwerdung Gottes“ nur „zu ihrem Schaden vernachlässigen“. Wenn sich der Mensch von Gott abwende oder sich jeder sein „religiöses Menü“ selbst zusammenstelle, gehe das auf Kosten des Menschen und der Menschlichkeit: „Wer der Auflösung der Humanität widerstehen will, der kann das, wenn es zum Schwure kommt, nur im Namen Gottes.“

Der oberösterreichische Bischof Ludwig Schwarz sprach in seiner Weihnachtspredigt über die Freude und Dankbarkeit gegenüber Gott, dessen große Liebe ihn zu uns Menschen gedrängt habe, und dessen Wort Fleisch geworden ist in Jesus Christus. Der Johannesprolog sei ein Hymnus auf Christus und helfe uns, die Größe des Geheimnisses der Menschwerdung erfassen zu können: „Gott verlässt den Menschen nicht.“

Bischof Klaus Küng von St. Pölten sagte, in der Heiligen Nacht sei von uns ein Glaubensakt gefragt. Gott komme „total gewaltlos, nicht nur in der Stunde seiner Geburt. Es besteht die Möglichkeit, ihn aufzunehmen oder auch nicht.“ Christus sei nicht nur gekommen, um die Wahrheit zu verkünden, sondern um die Menschen zu erretten. „Er kann überall geboren werden, auch in einer Krippe aus Lehm, auch in mir, der ich ein Sünder bin, in jedem Menschen, ganz gleich, was er getan hat, sofern er seine Geburt möchte“, so Bischof Küng.

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