Erzbischof: Christen wollen nur noch weg aus dem Irak

München (DT/KNA) Der irakische Erzbischof Louis Sako sieht die Zukunft des Christentums in seiner Heimat aufs Äußerste bedroht. Aufgrund der angespannten Sicherheitslage habe er nur noch wenig Hoffnung, sagte Sako dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“, wie dieses am Freitag in München mitteilte. Mittlerweile sei die Zahl der Christen auf unter 400 000 gesunken. Allein in den vergangenen zehn Jahren hätten 750 000 das Land verlassen. „Die Christen haben einfach nur noch Angst. Sie wollen nur noch weg“, so der Erzbischof. Allein im letzten Monat habe es sieben Anschläge auf christliche Kirchen in Bagdad gegeben, berichtete Sako. Dabei seien mehrere Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Vergangene Woche wiederum seien in der Hauptstadt fast hundert Menschen ums Leben gekommen, mehr als fünfhundert verletzt worden. Dies seien die bisher schwersten Anschläge nach dem Rückzug der US-amerikanischen Truppen aus den Städten gewesen. Christen stellten ein leichtes Ziel für kriminelle Gruppen dar, da sie eine Minderheit seien und keinen großen Rückhalt in der Bevölkerung hätten. Regierungsstellen und Polizei versuchten zwar ihr möglichstes zu tun, würden aber die Lage im Land nicht unter Kontrolle bekommen, sagte Sako. Neben der mangelnden Sicherheit seien aber auch wirtschaftliche Gründe verantwortlich für das Abwandern der Christen. In den Dörfern im Norden des Iraks, in die viele aus den Städten geflohen seien, gebe es keine Arbeitsplätze oder Versorgungseinrichtungen. Der Erzbischof appellierte an die westlichen Staaten, größeren Druck auf die politischen Parteien im Irak auszuüben, damit sie sich stärker für eine Versöhnung zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen einsetzten.

Themen & Autoren

Kirche