Erst exkommuniziert, jetzt bald heilig

Ordensgründerin Mary MacKillop wird Australiens erste Heilige

Unter den Heiligen der katholischen Kirche gibt es viele Querdenker und auch Querulanten. Allerdings wird Mary MacKillop demnächst zu den ganz wenigen Heiligen gehören, die zuvor förmlich von ihrem Bischof exkommuniziert waren. Die bald erste Heilige Australiens stand schon seit längerem im Wartestand – länger, als den Australiern lieb war. Intensiv hatten sie gehofft, Papst Benedikt XVI. werde ihre selige Ordensgründerin (1842–1909) schon bei seinem Besuch zum Weltjugendtag im Sommer 2008 ins Corps der Heiligen aufnehmen. Doch da war die „Causa Killop“ noch gar nicht abgeschlossen. Immerhin: Der Papst besuchte zum Gebet das Grab der Ordensfrau in der Vorstadt von Sydney. Auch ihr 100. Todestag im Jahr darauf verfloss. Umso größer ist nun die Freude, dass der Papst am Samstag die Anerkennung eines zweiten Wunders MacKillops verkündete. Ein Termin für die Heiligsprechung steht noch nicht fest.

Der Lebenslauf Mary MacKillops verzeichnet Härten. Mary war das älteste Kind schottischer Einwanderer, ihr Vater ein leichtsinniger Geschäftsmann, der ständig Geld verlor. Schon mit sechzehn Jahren wurde Mary zur Hauptversorgerin der Familie: als Gouvernante, als Verkäuferin, schließlich als Lehrerin. 1866 fand sie in Penola im Süden Australiens Anstellung an einer kirchlichen Schule, an der bedürftige Kinder ohne Schulgeld unterrichtet wurden. Um die charismatische Mary entstand schon bald eine Ordensgemeinschaft – die erste Australiens –, die binnen fünf Jahren 130 Schwestern zählte: der „Orden des heiligen Josef“/Josefsschwestern (RSJ).

Mit ihrer Seelsorge- und Bildungsarbeit im vernachlässigten Buschland gingen die Josefsschwestern dahin, wo es weh tut: zu den armen Kindern, den Alten, den Obdachlosen. In konservativen Kirchenkreisen stieß das zupackende und unangepasste Verhalten des Ordens auf Vorbehalte: „unmöglich“ und „untragbar“, hieß es aus Teilen der kirchlichen Hierarchie. 1871 sprach Bischof Laurence Sheil von Adelaide wegen „Ungehorsams“ gar die förmliche Exkommunikation über Mary MacKillop aus. Die Schwestern zerstreuten sich in alle Winde.

Auf dem Sterbebett nahm der Bischof die Kirchenstrafe zurück

Nachdem der Bischof die Strafmaßnahme auf dem Sterbebett zurückgenommen hatte, pilgerte Mary nach Rom und erreichte bei Papst Pius IX. (1846-1878) eine Anerkennung ihrer Ordensstatuten. Die zerschlagene Gemeinschaft versammelte sich neu. Ihr persönlicher Leidensweg in der Kirche war damit noch nicht zu Ende: 1883 beorderte der Bischof von Adelaide Mary nach Sydney, zwei Jahre später wurde sie als Ordensobere abgesetzt. Erst 1899 betraute man sie erneut mit der Leitung der Gemeinschaft. Das rast- und aufopferungsvolle Leben forderte seinen Tribut: 1902 erlitt Mary MacKillop einen Schlaganfall, der sie bis zu ihrem Tod 1909 ans Bett fesselte. 1995 sprach Papst Johannes Paul II. sie selig.

Gut 900 Ordensfrauen wirken heute in Seelsorge und Bildung

Zu den Voraussetzungen für eine Heiligsprechung gehört aber nach dem Kirchenrecht auch der Nachweis zweier Wunder auf Fürsprache des Kandidaten. Ein erstes ereignete sich offenbar bereits 1961. Eine junge Leukämie-Patientin namens Rosa, als unheilbar zum Sterben nach Hause entlassen, sei nach dem Gebet der Familie und einiger Josefsschwestern um Fürsprache MacKillops vollständig geheilt worden. Als letzter Mosaikstein wurde am Samstag ein zweites Wunder anerkannt: der Fall einer an Lungenkrebs erkrankten Frau, die nach Bitte um ein Einwirken MacKillops wieder gesundete.

Nicht Wunder, aber viel Gutes bewirken die heute gut 900 Ordensschwestern. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit gilt dem Bemühen um Frieden, Menschenrechte und Gerechtigkeit, etwa im jungen Staat Osttimor. Auch die Seelsorge und Bildung für Aborigines, die australischen Ureinwohner, stehen ganz oben auf der Agenda. Schwester Monica Cavanagh aus Sydney: „Wir sind ein gutes Stück Australien. Wir haben diese australische Physis und Psyche, bodenständig und zäh.“ Mit dieser Zähigkeit hat der Orden nun auch den Prozess seiner Gründerin bis zum Ende betrieben.

DT/KNA

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