Ermittlungen gegen Minoriten eingestellt

Missbrauchsvorwürfe und abgelaufene Verjährungsfristen – Bistum: Entscheidung kein Freispruch

Würzburg (DT/KNA) Das Ermittlungsverfahren gegen einen Würzburger Franziskaner-Minoriten wegen Missbrauchsvorwürfen ist nach fünf Monaten eingestellt worden. Der stellvertretende Chef der Würzburger Staatsanwaltschaft, Burkhard Pöpperl, bestätigte am Donnerstag auf Anfrage entsprechende Presseberichte. Untersucht worden seien neun Vorwürfe von sexuellem Missbrauch und Nötigung sowie tätlicher Beleidigung, mit denen sich der 76-jährige Ordensmann konfrontiert sah. Die meisten seien verjährt, einige strafrechtlich nicht verfolgbar. Nach Angaben Pöpperls wurden vier ehemalige Schüler des Sankt-Ludwig-Kollegs in Bonn befragt, dessen Rektor der Pater einst war. Die Ermittlungen hätten den Zeitraum von 1963 bis 1977 betroffen. Die Verjährungsfristen, die maximal 20 Jahre betragen, seien abgelaufen. Verjährt seien auch die meisten Fälle, die sich auf die 1980-er und 1990-er Jahre bezogen hätten.

Der Pater war 1977 nach Würzburg in das dortige Kloster seines Ordens gekommen. Im Bistum Würzburg wirkte er zuletzt als Diözesankaplan in der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) und als Geistlicher Begleiter der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Sport sowie des Ortsverbands Würzburg der Deutschen Jugendkraft (DJK). Die von zwei Frauen erhobenen Vorwürfe, dass der Pater sie in Würzburg und Nürnberg 1999 sowie von 2003 bis 2007 sexuell bedrängt habe, wertete die Staatsanwaltschaft nicht als „sexuelle Nötigung“. Die Vorfälle seien zwar im Hinblick auf einen Geistlichen „grenzüberschreitend“ und „nicht angemessen“, aber Gewalt oder Drohung sei nicht dabeigewesen, so Pöpperl.

Das Bistum Würzburg und der Orden hatten die im März bekanntgewordenen Vorwürfe gegen den Pater der Staatsanwaltschaft zur Prüfung übergeben. Von seinen Tätigkeiten in der Diözese war der Ordensmann damals sofort beurlaubt worden. Laut Bistumssprecher Bernhard Schweßinger ist es Sache des Ordens, wie mit dem Mitbruder weiter verfahren werde. Dieser sei auch für kirchenrechtliche Sanktionen zuständig. In der Einstellung des Verfahrens sieht Schweßinger keinen Freispruch. Die Frage der Verjährung im moralischen Bereich stelle sich anders als im juristischen. „Eine entscheidende Rolle dabei wird die Bewertung der Aussagen von Betroffenen darstellen, bei denen die Erlebnisse zum Teil bis heute nachwirken“, so der Sprecher.

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