Erholung für Leib und Seele

Der Retiro-Park ist das geistliche Zentrum des Weltjugendtages. Von Sebastian Pilz
Foto: Pilz | Eine geistliche Flaniermeile mit Volksfestcharakter: Der Retiropark.
Foto: Pilz | Eine geistliche Flaniermeile mit Volksfestcharakter: Der Retiropark.

Madrid (DT) 38 Grad im Schatten, drückende Hitze, jeder sucht Abkühlung. Die Weltjugendtagspilger strömen in den Parque del Buen Retiro. Er ist die grüne Lunge der Metropole Madrid. An jedem Eingang zum Park begrüßen Voluntarios (Freiwillige) in ihren grünen T-Shirts die Pilger. Sie erklären auf Karten dem Suchenden den Weg zu Essensausgaben und Verkaufsständen. Aber auch hin zum geistlichen Zentrum des Weltjugendtages: Der Meile der Berufungen. Sie ist in dieser Form die erste auf einem Weltjugendtag.

Es ist ein gelungenes Arrangement von Erholung für den Leib in der Hitze Madrids und für die Seele, die sich in diesen geistgefüllten Tagen ausrichten soll auf Jesus Christus. Der Park mit seinen Bäumen, Wiesen, Springbrunnen und den Seen ist an sich schon eine der Sehenswürdigkeiten der spanischen Hauptstadt. Betritt man den Park von der „Calle de Alcalá“, eröffnet sich dem Pilger auf der rechten Seite eine lange Reihe kleiner Stände. Über 200 geistliche Gemeinschaften stellen sich vor, Augustiner, Schwestern der Nächstenliebe, Salesianer Don Bosco oder die Gemeinschaft „Communione e liberazione“ sind nur einige Beispiele. Die sogenannte Berufungsmesse ist gut besucht. Besonders in den Mittagszeiten nutzen viele Jugendliche das Angebot, die reiche Fülle der neuen und auch alten Gemeinschaften geweihten Lebens kennenzulernen.

Dabei unterscheidet sich die Berufungsmesse von anderen üblichen Messeausstellungen. Es gibt keine großen, üppig ausgestatteten Stände mit Spezialeffekten oder dass „Vertreter“ herumstehen und niemand zu ihnen kommt. Die Berufungsmesse zu Madrid ist eine Messe der Begegnungen. Hier kommt es auf das Gespräch zwischen den geistlichen Gemeinschaften und den Jugendlichen aus aller Welt an. Dem Beobachter fällt auf, dass es nirgends einen Stand gibt, an dem sich keine Jugendlichen befinden. Überall entstehen Gespräche, werden die Schauwände betrachtet oder das ausgelegte Material studiert. Es herrscht ein reges Interesse nach Information und Austausch. Es schaut aus wie ein bunter fröhlicher Ameisenhaufen. So erlebt es auch Schwester Christamaria. Die Schönstätter Marienschwester betreut den Stand der Bewegung zusammen mit ihrer Mitschwester Brigitta. „Es war uns von Anfang an klar, dass wir hier dabei sein müssen“, sagt die Deutsche, die extra von Schönstatt nach Madrid reiste. „Es ist ein buntes Durcheinander des Heiligen Geistes und jeder zeigt sein Profil“, schwärmt die Schönstätter Marienschwester. Die Gemeinschaft hat ein internationales Team zusammengestellt, das während des Weltjugendtages den Stand betreut. Sie kommen aus Spanien, Polen und Brasilien. „International wie unsere Besucher“, sagt Schwester Christamaria mit einem Lächeln. Die Schönstätter Marienschwestern stellen ihr Heiligtum vor. „Es zeigt hier jede Gemeinschaft, was ihr wichtig ist. Und da ist klar: unser Kapellchen gehört fest zu uns, weil es über 200 Mal auf der ganzen Welt zu finden ist“, so Schwester Christamaria. Die Schwestern verteilen Gebetsmaterial und antworten auf Fragen der Jugendlichen.

Gleich nach dem Gespräch mit der „Tagespost“ war Schwester Christamaria schon wieder im Gespräch mit einem Jugendlichen aus Argentinien. Liebevoll weist sie auf den Krug und die Möglichkeit zum Formulieren von Gebetsanliegen hin. Der Jugendliche nimmt sich gleich einen Zettel und schreibt los. Die Fotografie der Innensicht des Kapelchens wirkt nahezu echt, besonders wenn man davor steht und die Gebetsanliegen einwirft.

An die Berufungsmesse schließt sich in einiger Entfernung der Bereich zur Beichte an. Der abgesperrte Bezirk ist mit modernen Beichtstühlen rechts und links gestaltet und bietet in der Ruhe des Parks die besten Voraussetzungen für die Reinigung der Seele.

Hinter der Beichte liegt das Anbetungszelt, das von den Schwestern der Nächstenliebe betreut wird. Bereits vor dem Zelt lädt eine Schwester zum Gebet ein. Für das Zelt trifft der Vers eines Liedes zu: „Du hauchst in Hitze Kühlung zu.“ Vier Klimageneratoren sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Geistlich gehen Stille und gestaltete Gebetszeiten im Wechsel einher.

Der Retiro-Park ist ein wirklich gelungenes geistliches Zentrum des Weltjugendtages. Die Sakramente der Eucharistie und Beichte sind sowohl Quelle als auch Ziel geistlichen Lebens. Dieses Bild wurde im Retiro-Park in der Verbindung von neuen geistlichen Gemeinschaften, Beichtbezirk und Anbetungszelt gut gelöst. Ein Zentrum des Heiligen Geistes.

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