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Am Samstag nimmt Papst Benedikt XVI. sechs Kardinäle in seinen Senat auf – Die neuen Purpurträger im Kurzporträt

Seit 1998 war der nordamerikanische Erzbischof James Michael Harvey (63) als Präfekt des Päpstlichen Hauses für die Organisation der Papstaudienzen zuständig. Der am 20. Oktober 1949 geborene Harvey aus Milwaukee wurde 1975 zum Priester geweiht, anschließend promovierte er in Kirchenrecht. 1980 trat er in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls. Bis 1982 war er auf Außenposten in der Dominikanischen Republik, dann wechselte er ins Staatssekretariat, wo er viele Jahre als Leiter der englischsprachigen Abteilung tätig war. Als Kardinal wird Harvey Erzpriester der Papstbasilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom.

Dass der neue maronitische Patriarch Bechara Boutros Rai (72) bald ins Kardinalskollegium aufgenommen werden würde, war abzusehen. Bechara Boutros Rai, geboren am 25. Februar 1940 im Bergdorf Himlaya rund 20 Kilometer östlich von Beirut, wurde 1967 Priester. 1986 erhielt er die Ernennung zum maronitischen Patriarchalvikar im Rang eines Bischofs. Seit 1990 leitete er als Bischof die Diözese Jbeil, das antike Byblos. Im März 2011 wählte die Bischofssynode seiner Kirche ihn zum Nachfolger des Patriarchen Nasrallah Sfeir (92), der aus Altersgründen zurücktrat. Im September empfing Rai Papst Benedikt XVI. zu einem dreitägigen Besuch in Beirut.

Mit nur 53 Jahren löst Großerzbischof Isaac Cleemis Thottunkal den Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki als jüngsten Purpurträger ab. Der am 15. Juni 1959 geborene Inder ist das Oberhaupt der syro-malankarischen Kirche, einer mit Rom verbundenen Ostkirche, die den Papst anerkennt. Der Name geht auf das Hauptsiedlungsgebiet der Gläubigen, Malankara im südindischen Bundesstaat Kerala, sowie ihren westsyrischen Ritus zurück. Thootunkal steht als Großerzbischof von Trivandrum seit Mai 2007 an der Spitze der gut 300 000 Mitglieder zählenden Kirche. Zuvor war er seit 2001 Weihbischof in Trivandrum und seit 2003 residierender Bischof von Tiruvalla. Von 1991 bis 1996 studierte er an der Dominikaner-Hochschule in Rom Theologie. Die syro-malankarische Kirche klagt immer wieder über Diskriminierung und Gewalt in Indien.

Erzbischof John Olorunfemi Onaiyekan (68) erinnerte seit den Anschlägen des 11. September 2001 in seinem Heimatland Nigeria immer wieder an die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen Muslimen und Christen. Auch die Ökumene ist ihm ein wichtiges Anliegen. Onaiyekan wurde am 29. Januar 1944 im nigerianischen Kabba geboren. 1969 empfing er die Priesterweihe und 1983 die Bischofsweihe. 1992 wurde er zum Bischof und zwei Jahre später zum ersten Erzbischof von Abuja ernannt. Seit 1999 ist Onaiyekan Vorsitzender der Nigerianischen Bischofskonferenz.

Erzbischof Ruben Salazar Gomez (70) ist seit 2010 Erzbischof von Kolumbiens Hauptstadt Bogota. Als Vorsitzender der Kolumbianischen Bischofskonferenz setzt er sich seit 2008 für einen Dialog mit der linksgerichteten Rebellenorganisation FARC und für die Freilassung ihrer Geiseln ein. Salazar wurde am 22. September 1942 in Bogota geboren. Er studierte unter anderem an der Päpstlichen Universität Gregoriana sowie am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom. 1967 empfing er die Priesterweihe. 1992 wurde Salazar zum Bischof von Cucuta ernannt; 1999 erhielt er den Ruf nach Barranquilla an die Karibikküste.

Erzbischof Luis Antonio Tagle (55) kommt von den für die katholische Kirche besonders wichtigen Philippinen. Nur in Brasilien und Mexiko leben mehr Katholiken. Zudem sind die Philippinen neben Osttimor das einzige katholisch geprägte Land Asiens. Seit Oktober 2011 ist Tagle Erzbischof der Hauptstadt-Erzdiözese Manila. Deren Leitung ist traditionell mit der Kardinalswürde verbunden. Vor seiner Berufung auf den auch politisch einflussreichen Posten in Manila war Tagle seit 2001 Bischof von Imus. Römische Erfahrungen konnte er als Mitglied der Internationalen Theologenkommission des Vatikan sammeln, in die er 1997 berufen wurde. Der am 21. Juni 1957 geborene Tagle war Stipendiat des Missionswissenschaftlichen Instituts des katholischen Hilfswerks Missio. DT/KNA

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