Eine Symbolfigur des Widerstands

Der polnische Priester Jerzy Popie³uszko wurde am Sonntag seliggesprochen

Warschau (DT/KNA) Fast 26 Jahre nach seiner Ermordung durch den kommunistischen Geheimdienst ist der polnische Priester Jerzy Popie³uszko seliggesprochen worden. Die Zeremonie nahm am Sonntag in Warschau der Präfekt der vatikanischen Heiligsprechungskongregation, Erzbischof Angelo Amato, vor. Rund 250 000 Gläubige nahmen bei strahlendem Sonnenschein an dem feierlichen Gottesdienst auf dem Pilsudski-Platz im Stadtzentrum teil. Unter ihnen war die 100-jährige Mutter Popie³uszkos, aber auch rund 100 Bischöfe und die höchsten Politiker des Landes.

In dem von Amato verlesenen Seligsprechungsdekret von Papst Benedikt XVI. heißt es, Popie³uszko habe „beharrlich und unermüdlich Zeugnis von Christus“ abgelegt. In einem polnischen Grußwort während eines Gottesdienstes in Zypern bezeichnete der Papst Popieluszko als Vorbild für alle katholischen Geistlichen in Polen. Der verstorbene Johannes Paul II (1978–2005) hatte Popie³uszko bereits als „Verteidiger der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der menschlichen Würde“ bezeichnet. Zum kirchlichen Gedenktag des neuen Seligen bestimmte Benedikt XVI. den 19. Oktober, den Todestag Popie³uszkos. Er gilt als Symbolfigur des kirchlichen Widerstands gegen die einstigen kommunistischen Machthaber in Warschau. In seinen Predigten prangerte er die Menschenrechtsverletzungen des Regimes an und unterstützte die verbotene Gewerkschaft und Freiheitsbewegung Solidarnosc. Besondere Aufmerksamkeit bei der Feier fand die Mutter des neuen Seligen, Marianna Popie³uszko. Amato hieß sie eigens willkommen und sprach mehrere Minuten mit ihr. Die Altarbühne war mit Popie³uszkos Leitspruch „Besiege das Böse durch das Gute“ geschmückt. Nach dem Gottesdienst wurde eine Reliquie Popieluszkos mit einer zwölf Kilometer langen Prozession zur Nationalkirche „Tempel der Göttlichen Vorsehung“ im Außenbezirk Wilanow überführt.

Unter den Gästen waren auch der Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek, und der Solidarnosc-Gründer und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa. Auch alle polnischen Spitzenpolitiker wohnten der Zeremonie bei, darunter das kommissarische Staatsoberhaupt Bronislaw Komorowski, Ministerpräsident Donald Tusk und Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski.

Nationalheld und Kritiker des kommunistischen Regimes

Popie³uszko wurde 1947 im Norden Polens als Sohn eines einfachen Bauern geboren. 1972 weihte ihn der damalige polnische Primas, Kardinal Stefan Wyszynski, zum Priester. Nach schwerer Krankheit arbeitete er als Krankenhausseelsorger in Warschau. 1980 wurde Popie³uszko an die Warschauer Pfarrei Stanislaw Kostka berufen, dem späteren Zentrum seines Wirkens. Als sich die Arbeiter des auf dem Gebiet der Pfarrei liegenden Stahlwerks den Streikenden der Danziger Werft anschlossen, übernahm Popie³uszko im Auftrag von Wyszynski die Betreuung der Stahlkocher. „Tag und Nacht blieb er bei ihnen, zelebrierte die Messe, nahm die Beichte ab, redete ihnen gut zu, beruhigte die erhitzten Gemüter, half mit, irrationale Aktionen zu vermeiden“, berichtete ein Augenzeuge. Nach Ausrufung des Kriegsrechts 1981 und dem Verbot der „Solidarnosc“ blieb Popie³uszko im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit – erregte damit aber auch den Widerstand des Regimes. Seine ab 1982 monatlich gehaltenen „Messen für das Vaterland“ gerieten zur Demonstration Tausender für Freiheit und Menschenwürde. Hier konzentrierte sich der Widerstand von Gewerkschaftern und Bürgerrechtlern. Die kommunistischen Machthaber antworteten mit zunehmendem Druck. Popie³uszko wurde schließlich 1984 von Agenten des kommunistischen Geheimdienstes entführt und ermordet. Der Mord an dem 37-Jährigen verstärkte den Widerstand der Bevölkerung gegen das Regime und trug damit zum Fall des Kommunismus fünf Jahre später bei.

In Polen wird Popie³uszko als Nationalheld verehrt. Bereits mehr als 18 Millionen Menschen besuchten nach einer offiziellen Schätzung der Kirche sein Grab in Warschau. Landesweit gibt es bislang rund 70 Denkmäler und 130 Gedenktafeln für Popie³uszko; in mehr als 70 Städten sind Straßen oder Plätze nach ihm benannt.

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