„Eine Befreiung für die Kirche in Deutschland“

Reaktionen auf den Rücktritt des Limburger Bischofs und zum Neuanfang im Bistum Limburg – Frankfurter Stadtdekan fordert Befragung der Gläubigen vor der Wahl

Regensburg/Würzburg/Münster (DT/KNA) Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat am Mittwoch zum Amtsverzicht des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst Stellung genommen. Auf der Internetseite seines Bistums verwies Voderholzer darauf, dass Tebartz-van Elst seinen Rücktritt bereits am 20. Oktober 2013 angeboten habe. Voderholzer zeigte sich erfreut, „dass der Heilige Vater den bisherigen Bischof zu gegebener Zeit mit einer neuen Aufgabe betrauen wird“. Tebartz-van Elst sei in der Diözese Regensburg ein „gern gesehener Gast“ und werde dies auch bleiben, bekräftigte der Regensburger Bischof. Dies gehöre „zum christlichen Gebot der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe“. Besonders dankte Voderholzer der Abtei Metten und ihrem Abt Wolfgang Hagl. Diese hatte Tebartz-van Elst seit dem 30. Oktober beherbergt. Der Abt sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur, Tebartz-van Elst sei aus dem Kloster noch nicht ausgezogen.

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann erklärte, er sei überzeugt, dass mit dem vom Heiligen Vater angenommenen Amtsverzicht des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst für das Bistum Limburg ein neuer Anfang möglich geworden ist. „Ich bedaure sehr, wie viel Leid über das Bistum Limburg und weit darüber hinaus gekommen ist. Dabei möchte ich auch die Familie meines Mitbruders nicht vergessen. Für die Kirche sind insgesamt große Schäden entstanden. Die Ergebnisse des Prüfungsberichtes müssen nun aufgearbeitet werden. Hoffentlich können jetzt die Weichen für eine Versöhnung aller Zerstrittenen gestellt und das Vertrauen in die Kirche wieder hergestellt werden.“

Der Rücktritt des Limburger Bischofs war aus Sicht seines Münsteraner Amtsbruders Felix Genn die einzig mögliche Entscheidung. Eine Rückkehr des Bischofs nach Limburg wäre für viele Gläubige und Tebartz selbst „nicht zu ertragen gewesen“, erklärte Genn am Mittwoch. „Eine fruchtbare und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Domkapitel, mit den übrigen Verantwortlichen des Bistums und mit den Gemeinden wäre nicht mehr möglich gewesen.“ Ihn schmerze sehr, dass es zu dieser Situation gekommen sei, so Genn. Gleichwohl sei die Annahme des Rücktritts durch Papst Franziskus richtig: „Die Entscheidung des Heiligen Vaters ist für die Kirche in Deutschland zunächst eine Befreiung, weil nun Klarheit herrscht.“ Die Gläubigen bat Genn um ihr intensives Gebet für Tebartz und seine Familie. Der zurückgetretene Bischof erlebe derzeit sicherlich einen leidvollen Einschnitt in seinem Leben. Nun sei jedoch hoffentlich ein Neubeginn im Bistum möglich. Nach dem Amtsverzicht des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst warnt der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck vor Schuldzuweisungen. „Ich hoffe nun, dass alle ihren Beitrag zur Befriedung und zum Neuanfang leisten“, sagte Overbeck mit Blick auf Vorwürfe einer „Hetzjagd“ gegen Tebartz-van Elst am Donnerstag dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die in Limburg entstandenen Probleme hätten wesentlich mit dem Verlust von Vertrauen und mangelnder Transparenz zu tun. „Beides hängt miteinander zusammen.“ Alles kirchliche Handeln müsse der wechselseitigen Logik von Vertrauen und Transparenz entsprechen. „Nur so können wir als Kirche glaubwürdig sein. Wir müssen auch prüfen, ob unsere Strukturen hier in allem adäquat und zeitgemäß sind“, fügte der Ruhrbischof hinzu.

Der Frankfurter katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz plädierte dafür, die Katholiken im Bistum Limburg zu befragen, wen sie sich als neuen Bischof wünschen. „Wir sind sehr gut beraten, wenn wir unsere Gläubigen, die sogenannten einfachen Leute, fragen, wen sie sich vorstellen, und dann auf die Menschen auch zu hören“, sagte zu Eltz am Donnerstag dem Hessischen Rundfunk (HR).

Der Limburger Priesterrat und die Diözesanversammlung begrüßten das Ende der Amtszeit von Tebartz. Die Zeit des Wartens sei „fast unerträglich gewesen“, so der Sprecher des Priesterrats, Reinhold Kalteier. Nun gelte es, die Gräben zu schließen.

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