„Ein wirklicher Mystiker“: „Ein wirklicher Mystiker“

S³awomir Oder, Beauftragter für die Heiligsprechung Johannes Pauls II., spricht von persönlichen Begegnungen. Von Hendrik ter Mits
Foto: KNA | Johannes Paul II. bei einem Besuch in Gnesen: „Er hat jeden Tag mit Gott begonnen und beendet“, sagt sein Postulator.
Foto: KNA | Johannes Paul II. bei einem Besuch in Gnesen: „Er hat jeden Tag mit Gott begonnen und beendet“, sagt sein Postulator.

Seit vielen Jahren arbeitet der polnische Geistliche Monsignore S³awomir Oder im Vatikan. Er ist Präsident des Berufungsgerichts in der römischen Kurie und Päpstlicher Ehrenprälat. Internationale Bekanntheit erlangte er als Postulator des Seligsprechungsprozesses von Papst Johannes Paul II. In diesen Tagen ist Oders Buch „Darum ist er heilig“ (Perché e santo) auf Deutsch erschienen. Hendrik ter Mits hat mit ihm über den polnischen Papst und dessen Heiligsprechung gesprochen.

Am 27. April wird Johannes Paul II. heiliggesprochen. Wissen Sie schon, wo Sie an diesem Tag sein werden?

So wie es der Ritus der Heiligsprechungsliturgie vorsieht, werde ich mich auf dem Petersplatz befinden. In Nähe des Heiligen Vaters. Während der Seligsprechung 2011 gab es einen Moment, wo ich Gelegenheit hatte, mich Papst Benedikt zu nähern und mich bei ihm für das Vertrauen zu bedanken, das er mir entgegengebracht hat, indem er mich in diesem Prozess zum Postulator ernannt hat. Ich denke, dass es eine ähnliche Situation auch diesmal während des Heiligsprechungsritus geben wird.

Es wäre zu viel zu sagen, dass Johannes Paul II. Ihnen seine Heiligsprechung verdankt. Dennoch waren Sie als Postulator im Seligsprechungsprozess qua Amt sein Anwalt. Was für eine Erfahrung war das für Sie?

Ganz bestimmt sollte man nicht sagen, dass Johannes Paul II. mir verdankt, dass er zur Ehre der Altäre erhoben wird (lacht). Die Heiligkeit ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des Menschen mit Gottes Gnade. Sie ist es auch im Fall von Johannes Paul II., der mit der Gnade Gottes zusammengearbeitet hat. Meine Aufgabe als Postulator in diesem Prozess war es, die Schönheit, Tiefe und die Größe der Heiligkeit von Johannes Paul II. so objektiv wie möglich zu erfassen. Wir waren von seiner Heiligkeit schon zu seinen Lebzeiten überzeugt, dazu kamen dann die „Santo Subito“-Rufe (Sofort heilig) während seiner Beerdigung. Papst Benedikt XVI. traf die Entscheidung, die übliche Wartezeit von fünf Jahren aufzuheben, aber diesem Seligsprechungsprozess einen traditionellen Charakter zu verleihen. Der ganze Prozess wurde mit der Rigorosität des kanonischen Rechts durchgeführt.

Ich bin froh darüber, dass der Heilige Vater damals so entschieden hat, weil der Enthusiasmus, der sich in den „Santo Subito“-Rufen artikulierte, in den Prozessakten objektiviert wurde. Die Geschichte wird sich an die „Santo Subito“-Rufe erinnern, aber man wird dazu auch wissen, dass die Selig- und Heiligsprechung nicht nur von einem Element der Begeisterung getragen wurde, sondern von der Wahrheit, die tief verwurzelt im Leben von Johannes Paul II. ist.

Was hat Sie bei der Prozess-Arbeit persönlich berührt?

Für mich war dieser Prozess eine große Erfahrung sowohl vom menschlichen wie auch vom priesterlichen Standpunkt. Aus menschlicher Sicht ist die Begegnung mit einem Heiligen immer auch ein Ansporn zur Heiligkeit. Johannes Paul II. sagte, dass die Heiligen uns ermahnen und beschämen sollen in unserer Unvollkommenheit, aber zugleich sollen sie auch eine Begeisterung und Mobilisierung in uns entfachen, weil sie zeigen, dass Heiligkeit möglich ist. Aus diesem Grund war der Prozess ein wunderbares Abenteuer mit einer klaren Erkenntnis: Jeder Mensch ist dazu angelegt, mit größerem christlichem Glauben zu leben. Als Priester dagegen habe ich in Johannes Paul II. einen Menschen entdeckt, der sein Priestertum in einer heroischen, fröhlichen und spontanen Weise gelebt hat. Es gab ihm die Fülle seines Lebens und seiner Freude, was für mich ein bereicherndes und motivierendes Beispiel ist.

114 Zeugen haben ausgesagt. Viele unbekannte Dinge traten ans Licht. Welche Neuigkeit hat Sie am meisten überrascht?

Tatsächlich gab es viele neue Fakten, doch das, was mich bei diesem Prozess am meisten getroffen hat, war die perfekte Übereinstimmung zwischen dem kollektiven Bild, das die Medien von Johannes Paul II. während seiner öffentlichen Auftritte vermittelt haben, und der Wahrheit seines Lebens. Er zeigte sich uns so, wie er wirklich war. Er war einfach ein echter Mensch, es gab keine zwei Bilder, eins für die Medien, eins für den Alltag. Johannes Paul II. war ein total kohärenter Mensch bei dem, was er lebte. Das, was mich von allen Fakten am meisten fasziniert hat, war die Tiefe seiner Beziehung zu Gott. Er war ein wirklicher Mystiker, der stets mit der Anwesenheit von Gott lebte. Er hat jeden Tag mit Gott begonnen und beendet. Indem er über Gott und Seine Ehre nachdachte, hat er Entscheidungen getroffen. Er hat die Menschen quasi durch das Prisma der Ebenbildlichkeit Gottes, der sie geschaffen hat, angeschaut. Also, das, was mich am meisten berührt hat, ist die Tiefe seines spirituellen Lebens.

Wie schafft man das eigentlich, bei einer derartigen Datenfülle Ordnung zu halten? Hatten Sie ausreichend Mitarbeiter, die Ihnen geholfen haben?

Natürlich basiert die Durchführung eines solchen Prozesses immer auf einer Gruppe von Menschen, die zusammenarbeiten. Ich bin dankbar für die Unterstützung einiger Mitarbeiter, die mir bei der Korrespondenz mit Menschen in der ganzen Welt geholfen haben. Es gab auch zwei andere Personen, die mir bei grundlegenden Dingen, etwa im Zusammenhang der Positio (die kirchenrechtlich erforderliche detaillierte vatikanische Biografie des Kandidaten für ein Seligsprechungsverfahren – Anm. der Redaktion) geholfen haben. Ich bin Ihnen dankbar für ihre kompetente und kreative Hilfe.

In Ihrem Buch „Darum ist er heilig“, das in diesen Tagen in Deutschland erscheint, berichten Sie von Dingen aus dem Leben des Papstes, die vom Bereich der Politik bis zur Mystik reichen. Wie war es aus Ihrer Sicht möglich, dass ein einzelner Mensch ein solches Spektrum des Wissens und der Erfahrung abdecken konnte?

Die Geschichte seines Lebens war die Vorbereitung für diesen Reichtum. Gott führte Johannes Paul II. durch sehr schwierige menschliche Erfahrungen, die geprägt waren von Leid und vom Verlust der Familie, ihn aber auch zur intellektuellen und spirituellen Reifung führten. Das tiefe spirituelle Leben und die Begegnung mit Menschen des Glaubens, wie etwa sein Vater oder der Schneider Jan Tyranowski, haben ihm die Gotteserfahrung vermittelt. Eine Erfahrung, die in dem Wunsch, Christi als Priester nachzufolgen, gipfelte. Ich mag es, Johannes Paul II. als einen Mann zu denken, der eine perfekte Parabel des Wortes war. Er verliebte sich in das menschliche Wort, wie es in Gedichten, im Theater auftaucht, aber als er den Logos Christus kennenlernte, wurde dieser sein ganzes Leben. Karol Wojty³a hat dieses Wort von der Liebe Gottes und der Wahrheit der Erlösung mit seinem ganzen Leben ausgedrückt. Als junger Mann sprach er wie ein großer Prophet, dann wie ein Lehrer und am Ende ist er ein stummer Zeuge des Wortes geworden, das ihn gestaltet hat.

Was war das entscheidende Motiv für Sie, das Buch zu schreiben? War es die Fülle von interessanten Details, die Sie unbedingt mitteilen wollten? So diskret wie möglich…

Dieses Buch ist für mich ein Tagebuch meiner spirituellen Reise. Dieser Prozess hat mir geholfen, Johannes Paul II. zu begegnen und diese Begegnung mit ihm hat sozusagen im Rahmen besonderer priesterlicher Exerzitien stattgefunden. Ich betrachte dieses Buch als Notizen dieser spirituellen Reise, die ich mit anderen teilen kann und will.

Sie loben in Ihrem Buch sehr den emeritierten Papst Benedikt XVI., der Sie angespornt hat, die Arbeit schnell, aber gründlich zu machen. Sind Sie enttäuscht, dass er selbst die Heiligsprechungs-Zeremonie nicht leitet?

Ich muss sagen, dass ich am Anfang des Seligsprechungsprozesses die Nähe von Benedikt XVI. und seine Freude gespürt habe. Ich hatte in meinem Herzen eine große Hoffnung und einen Entschluss: Hl. Vater, ich werde alles machen, dass Sie Ihren Vorgänger Johannes Paul II. so schnell wie möglich heiligsprechen können. Und obwohl Gottes Vorsehung dafür gesorgt hat, dass die Heiligsprechungs-Messe nun von Papst Franziskus zelebriert wird, kann ich nicht sagen, dass ich enttäuscht bin. Man muss diese Dinge aus ekklesiologischer Perspektive sehen. Ich hoffe aber, dass – obwohl nicht als Zelebrant – Benedikt XVI. bei der Heiligsprechung anwesend sein wird.

Auch Johannes XXIII. wird am 27. April heiliggesprochen – wird auf diese Weise die Bedeutung von Johannes Pauls II. Heiligsprechung minimiert?

Auf gar keinen Fall! Im Gegenteil: Es scheint mir ein sehr schönes Zeichen dafür zu sein, dass die Heiligkeit in der Kirche präsent ist. Wir sind die Generation von Katholiken, die persönlich eine schöne Zeit erleben, da wir eine ganze Reihe von Nachfolgern Petri haben, die man als Heilige bezeichnen kann. Im Fall der Verbindung der Heiligsprechung von Johannes Paul II. und Johannes XXIII. zeigt sich ausdrücklich, dass der Schlüssel, um dieses besondere Ereignis zu verstehen, das Zweite Vatikanische Konzil ist. Johannes XXIII. hat es als Vater des Konzils einberufen und eröffnet, während Johannes Paul II. schon als junger Bischof von Krakau und Coautor vieler seine Dokumente daran teilnahm; als Papst hat er dann mit seinem ganzen Pontifikat das zweite Konzil realisiert. Jeder Heilige ist ein Geschenk für die Weltkirche und dient unserer Bereicherung. Ich denke, dass diese doppelte Heiligsprechung das Zweite Vatikanische Konzil wieder in das Zentrum der Kirche rücken wird, ein Gottesgeschenk. Die Doppelheiligsprechung zeigt die Richtung der Reflexion über die Kirche und die richtige Einstellung, um das Geheimnis des Konzils zu verstehen.

Was werden Sie als nächstes Projekt übernehmen? Werden Sie sich dafür einsetzen, dass Johannes Paul II. zum Kirchenlehrer ernannt wird?

Als Postulator habe ich mit dem Mandat gearbeitet, das man mir gegeben hat. Meine Aufgabe war es, den Selig- und Heiligsprechungsprozess vorzubereiten. Mit der Heiligsprechung kann ich sagen, dass ich mein Mandat erfüllt habe und meine Mission in diesem Bereich beendet ist. Wenn meine Vorgesetzten weitere Pläne haben, stehe ich zur Verfügung. Ich denke, dass mit der Heiligsprechung von Johannes Paul II. wir ein wunderbares Geschenk von Gottes Vorsehung bekommen haben, das für viele Jahre aktuell sein wird. Man wird das Wissen über den neuen Heiligen vertiefen, sodass man mit seiner Lehre und Hinweisen immer tiefer leben kann.

Man geht davon aus, dass am 27. April fast ganz Polen in Rom präsent sein wird. Die Frage ist nur, wo übernachten Ihre Landsleute. Haben Sie noch Plätze frei oder sind Sie bereits „ausgebucht“?

In Rom bereiten wir uns tatsächlich auf die Ankunft vieler Pilger vor. Nicht nur aus Polen, sondern aus verschiedenen Ecken der Welt werden sie kommen. Weil das letzte nötige Wunder zur Heiligsprechung sich in Costa Rica ereignete, werden viele Gläubige von dort und aus anderen südamerikanischen Ländern sich nach Rom bewegen. Ich denke aber, dass Rom eine so gastfreundliche Stadt ist, dass all diejenigen, die kommen, hier gut und gebührend in Empfang genommen werden, sodass sie mit Freude diese Feier erleben können.

Seit vielen Jahren arbeitet der polnische Geistliche Monsignore S³awomir Oder im Vatikan. Er ist Präsident des Berufungsgerichts in der römischen Kurie und Päpstlicher Ehrenprälat. Internationale Bekanntheit erlangte er als Postulator des Seligsprechungsprozesses von Papst Johannes Paul II. In diesen Tagen ist Oders Buch „Darum ist er heilig“ (Perché e santo) auf Deutsch erschienen. Hendrik ter Mits hat mit ihm über den polnischen Papst und dessen Heiligsprechung gesprochen.

Am 27. April wird Johannes Paul II. heiliggesprochen. Wissen Sie schon, wo Sie an diesem Tag sein werden?

So wie es der Ritus der Heiligsprechungsliturgie vorsieht, werde ich mich auf dem Petersplatz befinden. In Nähe des Heiligen Vaters. Während der Seligsprechung 2011 gab es einen Moment, wo ich Gelegenheit hatte, mich Papst Benedikt zu nähern und mich bei ihm für das Vertrauen zu bedanken, das er mir entgegengebracht hat, indem er mich in diesem Prozess zum Postulator ernannt hat. Ich denke, dass es eine ähnliche Situation auch diesmal während des Heiligsprechungsritus geben wird.

Es wäre zu viel zu sagen, dass Johannes Paul II. Ihnen seine Heiligsprechung verdankt. Dennoch waren Sie als Postulator im Seligsprechungsprozess qua Amt sein Anwalt. Was für eine Erfahrung war das für Sie?

Ganz bestimmt sollte man nicht sagen, dass Johannes Paul II. mir verdankt, dass er zur Ehre der Altäre erhoben wird (lacht). Die Heiligkeit ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des Menschen mit Gottes Gnade. Sie ist es auch im Fall von Johannes Paul II., der mit der Gnade Gottes zusammengearbeitet hat. Meine Aufgabe als Postulator in diesem Prozess war es, die Schönheit, Tiefe und die Größe der Heiligkeit von Johannes Paul II. so objektiv wie möglich zu erfassen. Wir waren von seiner Heiligkeit schon zu seinen Lebzeiten überzeugt, dazu kamen dann die „Santo Subito“-Rufe (Sofort heilig) während seiner Beerdigung. Papst Benedikt XVI. traf die Entscheidung, die übliche Wartezeit von fünf Jahren aufzuheben, aber diesem Seligsprechungsprozess einen traditionellen Charakter zu verleihen. Der ganze Prozess wurde mit der Rigorosität des kanonischen Rechts durchgeführt.

Ich bin froh darüber, dass der Heilige Vater damals so entschieden hat, weil der Enthusiasmus, der sich in den „Santo Subito“-Rufen artikulierte, in den Prozessakten objektiviert wurde. Die Geschichte wird sich an die „Santo Subito“-Rufe erinnern, aber man wird dazu auch wissen, dass die Selig- und Heiligsprechung nicht nur von einem Element der Begeisterung getragen wurde, sondern von der Wahrheit, die tief verwurzelt im Leben von Johannes Paul II. ist.

Was hat Sie bei der Prozess-Arbeit persönlich berührt?

Für mich war dieser Prozess eine große Erfahrung sowohl vom menschlichen wie auch vom priesterlichen Standpunkt. Aus menschlicher Sicht ist die Begegnung mit einem Heiligen immer auch ein Ansporn zur Heiligkeit. Johannes Paul II. sagte, dass die Heiligen uns ermahnen und beschämen sollen in unserer Unvollkommenheit, aber zugleich sollen sie auch eine Begeisterung und Mobilisierung in uns entfachen, weil sie zeigen, dass Heiligkeit möglich ist. Aus diesem Grund war der Prozess ein wunderbares Abenteuer mit einer klaren Erkenntnis: Jeder Mensch ist dazu angelegt, mit größerem christlichem Glauben zu leben. Als Priester dagegen habe ich in Johannes Paul II. einen Menschen entdeckt, der sein Priestertum in einer heroischen, fröhlichen und spontanen Weise gelebt hat. Es gab ihm die Fülle seines Lebens und seiner Freude, was für mich ein bereicherndes und motivierendes Beispiel ist.

114 Zeugen haben ausgesagt. Viele unbekannte Dinge traten ans Licht. Welche Neuigkeit hat Sie am meisten überrascht?

Tatsächlich gab es viele neue Fakten, doch das, was mich bei diesem Prozess am meisten getroffen hat, war die perfekte Übereinstimmung zwischen dem kollektiven Bild, das die Medien von Johannes Paul II. während seiner öffentlichen Auftritte vermittelt haben, und der Wahrheit seines Lebens. Er zeigte sich uns so, wie er wirklich war. Er war einfach ein echter Mensch, es gab keine zwei Bilder, eins für die Medien, eins für den Alltag. Johannes Paul II. war ein total kohärenter Mensch bei dem, was er lebte. Das, was mich von allen Fakten am meisten fasziniert hat, war die Tiefe seiner Beziehung zu Gott. Er war ein wirklicher Mystiker, der stets mit der Anwesenheit von Gott lebte. Er hat jeden Tag mit Gott begonnen und beendet. Indem er über Gott und Seine Ehre nachdachte, hat er Entscheidungen getroffen. Er hat die Menschen quasi durch das Prisma der Ebenbildlichkeit Gottes, der sie geschaffen hat, angeschaut. Also, das, was mich am meisten berührt hat, ist die Tiefe seines spirituellen Lebens.

Wie schafft man das eigentlich, bei einer derartigen Datenfülle Ordnung zu halten? Hatten Sie ausreichend Mitarbeiter, die Ihnen geholfen haben?

Natürlich basiert die Durchführung eines solchen Prozesses immer auf einer Gruppe von Menschen, die zusammenarbeiten. Ich bin dankbar für die Unterstützung einiger Mitarbeiter, die mir bei der Korrespondenz mit Menschen in der ganzen Welt geholfen haben. Es gab auch zwei andere Personen, die mir bei grundlegenden Dingen, etwa im Zusammenhang der Positio (die kirchenrechtlich erforderliche detaillierte vatikanische Biografie des Kandidaten für ein Seligsprechungsverfahren – Anm. der Redaktion) geholfen haben. Ich bin Ihnen dankbar für ihre kompetente und kreative Hilfe.

In Ihrem Buch „Darum ist er heilig“, das in diesen Tagen in Deutschland erscheint, berichten Sie von Dingen aus dem Leben des Papstes, die vom Bereich der Politik bis zur Mystik reichen. Wie war es aus Ihrer Sicht möglich, dass ein einzelner Mensch ein solches Spektrum des Wissens und der Erfahrung abdecken konnte?

Die Geschichte seines Lebens war die Vorbereitung für diesen Reichtum. Gott führte Johannes Paul II. durch sehr schwierige menschliche Erfahrungen, die geprägt waren von Leid und vom Verlust der Familie, ihn aber auch zur intellektuellen und spirituellen Reifung führten. Das tiefe spirituelle Leben und die Begegnung mit Menschen des Glaubens, wie etwa sein Vater oder der Schneider Jan Tyranowski, haben ihm die Gotteserfahrung vermittelt. Eine Erfahrung, die in dem Wunsch, Christi als Priester nachzufolgen, gipfelte. Ich mag es, Johannes Paul II. als einen Mann zu denken, der eine perfekte Parabel des Wortes war. Er verliebte sich in das menschliche Wort, wie es in Gedichten, im Theater auftaucht, aber als er den Logos Christus kennenlernte, wurde dieser sein ganzes Leben. Karol Wojty³a hat dieses Wort von der Liebe Gottes und der Wahrheit der Erlösung mit seinem ganzen Leben ausgedrückt. Als junger Mann sprach er wie ein großer Prophet, dann wie ein Lehrer und am Ende ist er ein stummer Zeuge des Wortes geworden, das ihn gestaltet hat.

Was war das entscheidende Motiv für Sie, das Buch zu schreiben? War es die Fülle von interessanten Details, die Sie unbedingt mitteilen wollten? So diskret wie möglich…

Dieses Buch ist für mich ein Tagebuch meiner spirituellen Reise. Dieser Prozess hat mir geholfen, Johannes Paul II. zu begegnen und diese Begegnung mit ihm hat sozusagen im Rahmen besonderer priesterlicher Exerzitien stattgefunden. Ich betrachte dieses Buch als Notizen dieser spirituellen Reise, die ich mit anderen teilen kann und will.

Sie loben in Ihrem Buch sehr den emeritierten Papst Benedikt XVI., der Sie angespornt hat, die Arbeit schnell, aber gründlich zu machen. Sind Sie enttäuscht, dass er selbst die Heiligsprechungs-Zeremonie nicht leitet?

Ich muss sagen, dass ich am Anfang des Seligsprechungsprozesses die Nähe von Benedikt XVI. und seine Freude gespürt habe. Ich hatte in meinem Herzen eine große Hoffnung und einen Entschluss: Hl. Vater, ich werde alles machen, dass Sie Ihren Vorgänger Johannes Paul II. so schnell wie möglich heiligsprechen können. Und obwohl Gottes Vorsehung dafür gesorgt hat, dass die Heiligsprechungs-Messe nun von Papst Franziskus zelebriert wird, kann ich nicht sagen, dass ich enttäuscht bin. Man muss diese Dinge aus ekklesiologischer Perspektive sehen. Ich hoffe aber, dass – obwohl nicht als Zelebrant – Benedikt XVI. bei der Heiligsprechung anwesend sein wird.

Auch Johannes XXIII. wird am 27. April heiliggesprochen – wird auf diese Weise die Bedeutung von Johannes Pauls II. Heiligsprechung minimiert?

Auf gar keinen Fall! Im Gegenteil: Es scheint mir ein sehr schönes Zeichen dafür zu sein, dass die Heiligkeit in der Kirche präsent ist. Wir sind die Generation von Katholiken, die persönlich eine schöne Zeit erleben, da wir eine ganze Reihe von Nachfolgern Petri haben, die man als Heilige bezeichnen kann. Im Fall der Verbindung der Heiligsprechung von Johannes Paul II. und Johannes XXIII. zeigt sich ausdrücklich, dass der Schlüssel, um dieses besondere Ereignis zu verstehen, das Zweite Vatikanische Konzil ist. Johannes XXIII. hat es als Vater des Konzils einberufen und eröffnet, während Johannes Paul II. schon als junger Bischof von Krakau und Coautor vieler seine Dokumente daran teilnahm; als Papst hat er dann mit seinem ganzen Pontifikat das zweite Konzil realisiert. Jeder Heilige ist ein Geschenk für die Weltkirche und dient unserer Bereicherung. Ich denke, dass diese doppelte Heiligsprechung das Zweite Vatikanische Konzil wieder in das Zentrum der Kirche rücken wird, ein Gottesgeschenk. Die Doppelheiligsprechung zeigt die Richtung der Reflexion über die Kirche und die richtige Einstellung, um das Geheimnis des Konzils zu verstehen.

Was werden Sie als nächstes Projekt übernehmen? Werden Sie sich dafür einsetzen, dass Johannes Paul II. zum Kirchenlehrer ernannt wird?

Als Postulator habe ich mit dem Mandat gearbeitet, das man mir gegeben hat. Meine Aufgabe war es, den Selig- und Heiligsprechungsprozess vorzubereiten. Mit der Heiligsprechung kann ich sagen, dass ich mein Mandat erfüllt habe und meine Mission in diesem Bereich beendet ist. Wenn meine Vorgesetzten weitere Pläne haben, stehe ich zur Verfügung. Ich denke, dass mit der Heiligsprechung von Johannes Paul II. wir ein wunderbares Geschenk von Gottes Vorsehung bekommen haben, das für viele Jahre aktuell sein wird. Man wird das Wissen über den neuen Heiligen vertiefen, sodass man mit seiner Lehre und Hinweisen immer tiefer leben kann.

Man geht davon aus, dass am 27. April fast ganz Polen in Rom präsent sein wird. Die Frage ist nur, wo übernachten Ihre Landsleute. Haben Sie noch Plätze frei oder sind Sie bereits „ausgebucht“?

In Rom bereiten wir uns tatsächlich auf die Ankunft vieler Pilger vor. Nicht nur aus Polen, sondern aus verschiedenen Ecken der Welt werden sie kommen. Weil das letzte nötige Wunder zur Heiligsprechung sich in Costa Rica ereignete, werden viele Gläubige von dort und aus anderen südamerikanischen Ländern sich nach Rom bewegen. Ich denke aber, dass Rom eine so gastfreundliche Stadt ist, dass all diejenigen, die kommen, hier gut und gebührend in Empfang genommen werden, sodass sie mit Freude diese Feier erleben können.

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