„Ein richtiger Riss“

Bischof Genn kritisiert evangelisches Familienpapier – Nikolaus Schneider beharrt auf EKD-Linie
Foto: KNA | Bischof Felix Genn.
Foto: KNA | Bischof Felix Genn.

Münster/Frankfurt (DT/KNA) Die jüngste Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Thema Familie bedeutet für den katholischen Bischof von Münster, Felix Genn, einen „richtigen Riss“ in seinem ökumenischen Mühen. In einer Predigt im Dom von Münster kritisierte Genn am Sonntag, dass die Orientierungshilfe „alle Formen von Partnerschaft unterschiedslos auf eine Stufe“ stelle.

In dem Papier plädiert die EKD für einen „erweiterten Familienbegriff“, in dem die Ehe nicht mehr notwendigerweise Voraussetzung für Elternschaft ist. Dies müsse auch „in der Kirche wahrgenommen und in das kirchliche Handeln einbezogen werden“. So solle die Kirche auch homosexuellen Paaren den Segen „nicht verweigern“. Kritik an dem Dokument kam in den letzten Tagen von der katholischen Kirche und vom Koordinationsrat der Muslime in Deutschland, aber auch aus protestantischen Kreisen.

Natürlich, so Genn, sei es „selbstverständlich und klar, dass wir homosexuell empfindende Menschen nicht diskriminieren dürfen. Gott liebt sie ebenso sehr wie jeden anderen Menschen auch.“ Das sei in der Vergangenheit nicht immer beachtet worden und habe zu vielen Verletzungen bei Homosexuellen geführt, räumte der Bischof ein. Gleichzeitig sei aber auch klar, „dass es nicht erst aufgrund der Aussage der Heiligen Schrift, sondern bereits von der Naturordnung her, grundlegende Unterschiede zwischen der Ehe von Mann und Frau und gleichgeschlechtlicher Partnerschaft gibt.“ So könnten gleichgeschlechtliche Paare keine Kinder bekommen, während die Ehe von Mann und Frau „Grundlage für die Bildung einer Familie und das Heranwachsen von Kindern“ sei.

Daran festzuhalten und aus diesem Grunde gegen die Adoption von Kindern im Rahmen von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu sein, „hat deshalb nichts mit Diskriminierung homosexuell empfindender Menschen zu tun“, betonte der Bischof. Ebenso wenig sei es vor diesem Hintergrund diskriminierend, „wenn wir mit der Ehe von Mann und Frau diejenige Lebensform in besonderer Weise fördern, welche für den Fortbestand unserer Gesellschaft die beste Grundlage bietet“. Genn erklärte, dass es ihn ungemein schmerze, in diesem Zusammenhang nicht die notwendige Unterstützung von der evangelischen Kirche zu erhalten. Auch die Abendmahlsgemeinschaft rücke dadurch in noch weitere Ferne, „weil wir den biblisch begründeten Zusammenhang von Kirche, Eucharistie und Ehe in keiner Weise aufgeben können“.

Der EKD-Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, hat das umstrittene EKD-Familienpapier gegen Kritik verteidigt. Er halte den Text nicht für einen Bruch mit der bisherigen Haltung der Kirche, sagte Schneider der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag). Manche Formulierung habe möglicherweise diesen Eindruck erwecken können, so der Ratsvorsitzende. „Aber es geht uns gerade um ein Festhalten an der Ehe und ein Ausweiten ihrer entscheidenden Werte auf andere Formen von Familie.“ In dem Papier plädiert die EKD für einen „erweiterten Familienbegriff“, in dem die Ehe nicht mehr notwendigerweise Voraussetzung für Elternschaft ist. Dies müsse auch „in der Kirche wahrgenommen und in das kirchliche Handeln einbezogen werden“. So solle die Kirche auch homosexuellen Paaren den Segen „nicht verweigern“. Kritik an dem Dokument kam von der katholischen Kirche und vom Koordinationsrat der Muslime in Deutschland, aber auch aus protestantischen Kreisen.

Den Wunsch nach mehr innerkirchlichen Beratungen, wie ihn July geäußert hatte, wies Schneider zurück. „Es wäre sehr unpraktisch, wenn die Arbeitsergebnisse einer EKD-Kommission vor ihrer Veröffentlichung von allen Landeskirchen freigegeben werden müssten.“ Zugleich räumte der Ratsvorsitzende den Bischöfen gegenüber Defizite in der Kommunikation ein: „Sie hätten früher informiert werden sollen.“ Zur Zusammensetzung der Autoren, die das Papier erarbeitet hatten, sagte Schneider der Zeitung: „Die Kritik hat bei mir den Gedanken angestoßen, künftige Kommissionen um eine oder einen fachkundigen Bibelwissenschaftler zu ergänzen.“

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