„Ein Leuchtturm der Hoffnung“

Kardinal Stanislaw Rylko warnt bei der Fatimawallfahrt in Retzbach vor einem Leben ohne Gott. Von Annalia Machuy
Foto: Machuy | Kardinal Stanislaw Rylko warb in Retzbach für die Beichte.
Foto: Machuy | Kardinal Stanislaw Rylko warb in Retzbach für die Beichte.

Retzbach (DT) Zum Auftakt der diesjährigen Monatswallfahrten des Fatimaweltapostolats Würzburg kamen am Samstag zahlreiche Gläubige am frühen Abend in der Wallfahrtskirche „Maria im grünen Tal“ in Retzbach, um gemeinsam mit dem vormaligen Präsidenten des Päpstlichen Rats für die Laien, Stanislaw Kardinal Rylko aus Rom den 100-jährigen Jahrestag der ersten Erscheinung der Gottesmutter in Fatima zu feiern. Nach dem internationalen Rosenkranz, der in mehr als zehn Sprachen vor dem Allerheiligsten gebetet wurde, eröffnete Kardinal Rylko feierlich das Festhochamt. Als Erzpriester von St. Maria Maggiore, der ältesten Marienkirche des christlichen Abendlandes, ist ihm die Marienverehrung und auch die Botschaft von Fatima ein besonderes Anliegen. Diese Feier, so betonte er zu Beginn des Festhochamtes, soll „das Andenken an dieses Ereignis in den Herzen der Menschen wachhalten“.

Im Evangelium berichtet Johannes, wie Jesus ihm vom Kreuz herab seine Mutter anvertraut und Maria ihm zur Mutter gibt: „Sieh, deine Mutter“, „Siehe, dein Sohn“. In seiner Predigt ging Kardinal Rylko auf dieses „große Geheimnis der Mutterschaft Mariens“ ein. Wie alle Marienheiligtümer, so sei auch Fatima einer der „Orte, an denen sich in ganz besonderer Weise das Testament Christi am Kreuz verwirklicht“. Von einer „ganz eigenen Macht“ sprach der Kardinal, die eine Mutter über ihre Kinder hat, einer Macht, die Wandlung ermöglicht. Diese Aufgabe, verändernd in das Leben ihrer Kinder einzugreifen, erfülle Maria in Fatima nun seit hundert Jahren. Dabei sei es auffällig, dass Maria gerne Kinder als ihre Gesprächspartner und Mitarbeiter aussuche. Ein reines Herz, das ist es, was Maria auch von uns wünsche. Jacinta und Francisco können uns da ein Vorbild sein. Am Seitenaltar erinnerten ein Bild und eine Reliquie an die beiden an diesem Tag heiliggesprochenen Seherkinder.

Aber Fatima stellt uns auch das ewige Scheitern vor Augen, „das Drama, das in jeder Sünde liegt“, so Kardinal Rylko. Ein Leben ohne Gott mache uns letztendlich verbittert und traurig, denn der Mensch könne sich selbst nicht retten. Kehrt er aber zu Gott zurück, erwarte ihn, vor allem im Sakrament der Versöhnung, sein Erbarmen, das uns Freiheit und Glück schenken möchte.

Nicht zuletzt ist Fatima eine hoffnungsvolle Botschaft. „Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren“, verspricht Maria den Kindern. Die Frau der Apokalypse, in der uns Maria begegnet, ist eine sieghafte Frau. „Fatima ist ein Leuchtturm der Hoffnung für unsere Zeit“, schloss Kardinal Rylko seine Predigt. Wir können uns von diesem Leuchtturm „bescheinen lassen“, wenn wir die Worte Jesu am Kreuz an- und Maria in unser Leben aufnehmen.

Ein wenig erahnen konnte man dieses Leuchten bei der Lichterprozession nach der heiligen Messe. Inmitten der singenden Menschen zog die mit weißen Rosen liebevoll geschmückte Fatimamadonna durch die Straßen von Retzbach. Tapfer mit dabei ist die elfjährige Sofie – auf Krücken. Vergangene Woche hat sie sich ihren Fuß gebrochen und trägt jetzt einen großen Gipsverband. Dennoch ließ sie sich nicht von ihren Eltern abbringen, mitzukommen. Regelmäßig besucht sie mit ihnen Fatimawallfahrten, die Lichterprozessionen am Ende gefallen ihr dabei immer ganz besonders. Ja, „das Kindsein hat einen Wert vor Gott“, so drückte es Vikar Christian Stadtmüller, der Diözesanleiter des Würzburger Fatimaweltapostolates, aus.

Zurück auf dem Vorplatz der Kirche wurde die Statue der Gottesmutter feierlich zu ihrer Pilgerreise durch das Bistum ausgesendet. In den nächsten Monaten wird sie in zahlreichen Gemeinden und Gemeinschaften in und um Würzburg zu Gast sein. Mit einem Lied zu ihrer Ehre und dem Segen aus der Hand des Kardinals wurde die Jubiläumsfeier feierlich beschlossen. Anschließend konnten die Gläubigen in der Kirche persönlich die Reliquien der heiligen Hirtenkinder verehren und als Andenken ein kleines Gebetsbild mitnehmen.

„Ich freue mich, dass sich die Marienverehrung so verbreitet und viele Herzen entzündet“, sagte Kardinal Rylko, „Maria ist immer eine Führerin, die die Menschen zu Christus bringt.“ Die Wallfahrt in Retzbach hat wieder einmal gezeigt, dass es sich lohnt, ihr zu folgen.

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