„Ein Katalysator von Gott zu uns“

Bayerische Bischöfe verteidigen priesterliche Ehelosigkeit – Sternberg und Schavan beharren auf ihrer Position

Würzburg/Eichstätt/München/Münster (DT/KNA/pow) Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hat sich für die Beibehaltung der Zölibatspflicht ausgesprochen. Nicht eine Abschaffung dieses „Zeichens der Ganzhingabe“ bringe eine vertiefte Pastoral und Neuevangelisierung, „sondern das Gegenteil: Glaubwürdig gelebte Hingabe ist der beste Weg, die Glaubensnot der Mitmenschen zu überwinden“, sagte Hofmann in seiner Predigt zu Mariä Lichtmess am Mittwochabend im Würzburger Kiliansdom. „Bis heute hat die katholische Kirche diesen Schatz – trotz aller Wirrungen, allen Versagens Einzelner und aller Angriffe – hochgehalten und damit den Menschen immer wieder einen Weg zu Gott gebahnt“, erklärte er.

Wenn auch der Zölibat für viele ein Zeichen des Ärgernisses und des Widerspruchs sei, so sei er doch – wie auch das Zeichen des Kreuzes – gerade darin auf das Himmelreich ausgerichtet. Er stehe für eine übernatürliche Sichtweise des Lebens, das sich eben nicht im Hier und Jetzt erschöpfe, sondern im völligen Angewiesensein auf Gott seine lebensstiftende Nähe bezeuge. „Durch die Askese und Enthaltsamkeit einfordernde Lebensweise wird die Realität Gottes als tragfähiges Lebensfundament in eine säkular ausgerichtete Gesellschaft eingebracht.“ Deutlich machte Bischof Hofmann, dass nicht eine nur quantitative Vermehrung der Priester die Lösung der Probleme bringe, sondern ein vertieftes, glaubwürdiges priesterliches Leben. Priester dürften nicht zu abhängigen Angestellten einer bischöflichen Behörde deklariert werden. „Ihre Lebenshingabe ist ein Katalysator von Gott zu uns und von uns zu Gott. Dies gilt es zu stützen und zu fördern, um der Glaubensnot unserer Zeit entgegenzuwirken.“

Die aktuelle Zölibatsdebatte stellt nach den Worten des Bischofs alle bisherigen Diskussionen und Auseinandersetzungen in den Schatten. Unterschiedlichste Gruppen innerhalb – und auch außerhalb – der Kirche meldeten sich bei den Bischöfen zu Wort und forderten die Aufhebung des priesterlichen Zölibates. Während die einen die Aussprache darüber wollten, verbänden andere mit der Zölibatsdiskussion die Forderung der Freistellung oder gar Aufhebung. Unterschiedlichste Gründe würden dafür angebracht: der Priestermangel, das Aufgeben des Priesterberufes um der Ehe willen, das Scheitern Einzelner im Umgang mit der Sexualität und sexuelle Übergriffe im Bereich der Pädophilie, die zu Unrecht dem zölibatären Leben angelastet würden, sagte Bischof Hofmann.

Die aktuelle Lage ist kein Grund, zu jammern

Auch der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke sieht in der Aufhebung der Zölibatspflicht kein Mittel, den Priestermangel zu beheben. „Statt schnelle administrative Veränderungen im Sinne der Satzungsänderung eines Vereins zu fordern, sollten wir den Priestermangel im Kontext anderer Mangelerscheinungen sehen“, sagte Hanke beim Lichtmessgottesdienst im Eichstätter Dom. In Pfarrgemeinden und Gottesdiensten sei ein Gläubigenmangel spürbar. Zudem mangle es an der Gebetspraxis im täglichen Leben, an sakramentalen Eheschließungen, an Familien, in denen der Glaube noch eine wichtige Rolle im Zusammenleben spiele und nicht zuletzt an Glaubensfreude. Um diese Mängel zu beheben, brauche es „Christen, die ihren Besitz mit Armen teilen, Gläubige, die sich nach Vergebung und Verwandlung sehnen, Frauen und Männer, die eine tiefe Freude an Gott und am Mitmenschen in ihrem Herzen erfahren“, sagte der Bischof und zeigte sich zuversichtlich. Die aktuelle Lage der Kirche sei kein Grund zu jammern. „Wenn sich jeder von uns einen Bereich in seinem Leben wählt, um diesen mehr als bisher dem Lichte Christi auszusetzen, dann dienen wir der Fruchtbarkeit der Kirche.“

Die neuerliche Debatte über den Zölibat greift nach Auffassung des Münchner Kardinals Reinhard Marx zu kurz. Es gehe nicht nur um die Frage, wie die Kirche mehr Personal bekomme. Vielmehr gelte es zu entdecken, was das Zeichen der Ganzhingabe zu bedeuten habe, sagte Marx am Mittwochabend beim Gottesdienst zum Feiertag Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess) im Liebfrauendom. Jesus habe damit „in körperlicher, sichtbarer Weise und nicht nur innerlich als Idee“ ausdrücken wollen, dass Gott die Liebe sei, betonte der Kardinal. Es gelte, dieses Zeichen als kostbare Gabe an die ganze Kirche wertzuschätzen „und nicht den Priestern und Ordensleuten einzureden, dass sie verrückt sind“. Marx räumte ein, dass es auch schwer sein könne, den Zölibat zu leben. „Eine solche Lebensweise ist manchmal prekär.“ Gerade weil es ein so großes Zeichen sei, könne man tief fallen. Vor allem, wer allein lebe, sei gefährdet und brauche Unterstützung. Dazu zählten Exerzitien, geistliche Erneuerung, Disziplin, kultureller Austausch, Freundschaft und Verlässlichkeit. „Wir beten darum, dass uns dieses Zeichen immer wieder geschenkt wird“, sagte der Erzbischof. „Und natürlich sollen wir auch denen beistehen, die manchmal an dieser Anforderung zerbrechen.“

Europäischer Sonderweg erwünscht

Der kulturpolitische Sprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, wies die Kritik von Kardinal Walter Brandmüller an der Antizölibatsinitiative von acht CDU-Politikern zurück. „Wir haben uns nicht als Politiker geäußert, aber ich bestehe darauf, dass auch Politiker Christen sind“, sagte er der münsterschen Kirchenzeitung „Kirche + Leben“ (Sonntag). Darüber hinaus hält Sternberg beim Zölibat „eine eigene Lösung für Europa“ für möglich. Es gebe „keinen dogmatisch oder kirchenrechtlich zwingenden Grund für eine ausschließlich weltkirchliche Lösung“. Viele pastorale Herausforderungen von heute wie etwa die Gemeindefusionen hingen mit dem gravierenden Priestermangel zusammen. Die Frage sei, wie man damit umgehe, so der ZdK-Sprecher. „Und ich frage mich, ob nicht schlicht auch das Berufsbild eines Pfarrers als Leiter eines so gewaltigen Apparats mit wenig Aussicht auf seelsorgliche Aufgaben, dafür auf eine Dienstzeit bis zum 75. Lebensjahr, irgendwann komplett unattraktiv wird für junge Männer.“

Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) wies die Kritik Brandmüllers zurück. Den Vorwurf Brandmüllers, dass Politiker sich nicht in innerkirchliche Fragen einmischen dürften, verstehe sie nicht, da sich Bischöfe auch zu politischen Fragen wie Hartz-IV oder zur Steuergesetzgebung äußerten, sagte Schavan dem ZDF-Hauptstadtstudio am Mittwoch in Berlin. „So und andersherum sind Impulse wichtig“, erläuterte die CDU-Politikerin.

Die Ministerin, Bundestagspräsident Norbert Lammert und weitere prominente katholische CDU-Politiker hatten an die deutschen Bischöfe appelliert, sich für eine Lockerung des Zölibats und die Zulassung „erprobter verheirateter Männer“ zum Priesteramt einzusetzen. Brandmüller hatte sie daran erinnert, dass sie auf diese Weise zu einem innerkirchlichen Thema Stellung beziehen, das sie „weder von Amts wegen noch persönlich betrifft“. „Wir haben uns kein Recht genommen, sondern eigentlich eine Pflicht wahrgenommen, die jeder Katholik hat: sich zu interessieren und einzubringen in das, was Kirche ist und sein kann“, begründete die Ministerin das gemeinsame Vorgehen. Schavan forderte die Bischofskonferenz auf, das Thema Zölibat beim Deutschlandbesuch des Papstes im September auf die Tagesordnung zu setzen.

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