„Ein doppeltes Ja zu Gott“

Bischof Ivo Muser von Bozen-Brixen über den neuen Seligen. Von Marie-Thérese Knöbl
Exzellenz, was bedeutet der heutige Tag für Sie persönlich?

Es ist ein Tag der Freude und des Glücks. Ich bin vor allem sehr dankbar: Es ist ein großes unverdientes Geschenk für die ganze Diözese.

Was macht Josef Mayr-Nusser zu einem Seligen?

Sein unermüdlicher und lebensbejahender Einsatz für die Weitergabe des Glaubens, seine Liebe zu den Menschen – insbesondere den Armen – und sein mutiges Zeugnis für Christus machen Josef Mayr-Nusser zu einem Seligen. Darüber hinaus auch seine ganz persönlichen Tugenden, deren volles Ausmaß nur Gott alleine kennt.

Was kann uns Josef Mayr-Nusser sagen?

Das Leben und die Gestalt von Josef Mayr-Nusser können und sollen uns auch heute herausfordern und provozieren. Er kann uns alle dazu anregen, kritisch darüber nachzudenken, ob alles richtig ist, was um uns herum geschieht. Er kann uns ermutigen, Zeugnis zu geben von unserem Glauben an unserem jeweiligen Wirkungsort. Christus ist unser Fundament, darauf baut alles andere auf, auch unser ganzes Menschenbild.

Ist Josef Mayr-Nusser ein typischer Südtiroler Seliger?

Ja, unbedingt. Die ganze Lebensgeschichte und auch sein Schicksal spiegeln die Geschichte Südtirols. Josef Mayr-Nusser hat sich im Laufe seines Lebens mehrfach politisch positioniert – auch wenn es unbequem für ihn war.

Was dürfen sich die Gläubigen von Josef Mayr-Nusser erhoffen?

Josef Mayr-Nusser ist uns Fürsprecher, Mahner und Wegbegleiter. Wegbegleiter und Vorbild nicht in dem Sinne, dass man sein Leben kopieren, sondern in dem Sinn, dass man es immer wieder neu aktualisieren sollte. Nicht, indem man „Nein“ sagt zu etwas wie Josef Mayr-Nusser zu dem Eid, den er leisten sollte, sondern indem man durch ein doppeltes „Ja“ – das Ja zu Gott und das Ja zu einem Leben mit Christus ein persönlich gelebtes Zeugnis davon gibt. Die Gläubigen können sich sicher sein, dass sie mit ihrem Zeugnis für Christus nicht alleine sind. Sie können sich mit Josef Mayr-Nusser in Gebet und Gedanken verbinden – über die Feierlichkeiten dieser beiden Festtage anlässlich seiner Seligsprechung hinaus.

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