„Ehevorbereitung ist ein Schwachpunkt“

Bischof Oster: In manchen Fällen sakramentale Trauung durch einfache Segensfeiern ersetzen
Foto: KNA | Sucht nach kreativen Lösungen für junge Paare: Jugendbischof Stefan Oster.
Foto: KNA | Sucht nach kreativen Lösungen für junge Paare: Jugendbischof Stefan Oster.

Passau (dpa/lby) Der Passauer Bischof Stefan Oster hat sich dafür ausgesprochen, kirchliche Hochzeiten häufiger durch einfache Segensfeiern zu ersetzen. „In diese Richtung sollten wir denken“, sagte Oster in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Denn vielen Brautpaaren sei gar nicht klar, was eine sakramentale Trauung bedeute. Änderungen seien nicht einfach umzusetzen. Im immer noch bestehenden volkskirchlichen Katholizismus sei das „ein richtig dickes Brett“, so Bischof Oster. Wörtlich erklärte der Salesianer, der auch Jugendbischof der deutschen Bischofskonferenz ist: „Wenn jemand zum Pfarrer kommt und sagt: ,Wir heiraten jetzt‘, und der Pfarrer sagt: ,So oft habe ich Euch hier noch nicht gesehen – wollen wir nicht eine Segensfeier machen?‘, dann kommt die Antwort: ,Sind wir minderwertige Christen?‘. Solange die selbstverständliche Praxis die kirchliche Heirat in Weiß mit dem Sakrament ist, solange ist es richtig schwierig zu sagen: ,Jetzt machen wir mal eine schöne Segensfeier, und wenn sich die Beziehung zwei, drei Jahre christlich vertieft hat, dann kommt Ihr nochmals.‘

Oster sagte: „Die Ehevorbereitung ist eigentlich ein Schwachpunkt. Da müssen wir besser und intensiver werden. Das Problem ist: Unser Kirchenrecht sagt uns: Jeder Getaufte hat ein Recht auf das Sakrament. Daher ist es nicht leicht, eine Art einheitlichen Standard von verpflichtender Ehevorbereitung zu finden. Andererseits können wir den Menschen oft nicht klarmachen, dass Ehevorbereitung richtig wichtig ist. Wir bereiten jedes Kommunionkind und jedes Firmkind monatelang auf das Sakrament vor – und bei der Ehevorbereitung genügt's im Grunde, wenn man einmal mit dem Pfarrer spricht und hofft, dass er dabei nicht zu viele peinliche Fragen stellt.“

Die Kirche schaffe sich damit große Probleme an anderer Stelle, nämlich bei der Frage, ob wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion gehen dürfen. Bisher war das nicht erlaubt. Nach dem Papstschreiben „Amoris laetitia“ lassen die Bischöfe jetzt aber auch offiziell Ausnahmen zu. Er habe deswegen Hasskommentare bekommen, sagte Oster: „Ich krieg jetzt auch zum Teil Briefe oder Kommentare, wo ich von besonders Traditionellen als Verräter beschimpft werde.“ Der 51-Jährige leitet seit 2014 das Bistum Passau. Zuvor war er Dogmatikprofessor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer in Benediktbeuern.

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