„Dieses Unglück lehrt uns Demut“

Kirchliche Stimmen zum Unfalltod des polnischen Präsidenten Lech Kaczysnki

Rom/Warschau (DT/KNA) Papst Benedikt XVI. hat der polnischen Bevölkerung sein Beileid zum Tod von Staatspräsident Lech Kaczynski und weiterer ranghoher Vertreter des Landes bekundet. Die Nachricht vom tragischen Tod des Präsidenten, seiner Frau und der begleitenden Personen habe ihn mit tiefem Schmerz erfüllt, heißt es in einem am Samstag veröffentlichten Beileidstelegramm des Kirchenoberhauptes an den Präsidenten des polnischen Parlaments, Bronislaw Komorowski. Der Papst versicherte den Familien der Opfer seine geistliche Verbundenheit. Unter den weiteren Toten erwähnte der Papst namentlich Ryszard Kaczorowski, den früheren polnischen Exilspräsidenten, den katholischen polnischen Militärbischof Tadeusz Ploski, den orthodoxen Militärordinarius, Erzbischof Miron Chodakowski, sowie den evangelischen Militärpfarrer Adam Pilsch.

Das Flugzeug des polnischen Staatspräsidenten war am Samstag kurz vor der Landung auf dem Flughafen der westrussischen Stadt Smolensk abgestürzt. Alle Passagiere der Maschine kamen durch den Unfall ums Leben. Unter den Opfern sind zehn Geistliche. Sie wollten gemeinsam mit dem Staatsoberhaupt an einer Gedenkfeier im westrussischen Katyn teilnehmen. Zu den Toten gehören der Rektor der Kardinal-Stefan-Wyszynski-Universität Warschau, Pfarrer Ryszard Rumianek (62). Auch der Postulator des Seligsprechungsverfahrens für den Solidarnosc-Priester Jerzy Popieluszko, Pfarrer Zdzislaw Krol (74), und der Kaplan des Staatspräsidenten, Roman Indrzejczyk (79), starben. Weitere Opfer sind der höchste evangelische Militärpfarrer Polens, Adam Pilch (44), der Vizekanzler der katholischen Militärdiözese, Pfarrer Jan Osinski (35), und der Seelsorger der Vereinigung der Hinterbliebenen der Katyn-Opfer, Andrzej Kwasnik (53). Ploski sollte auf dem polnischen Soldatenfriedhof bei Katyn einen Gottesdienst feiern. Er leitete seit 2004 die Militärdiözese und hatte den Rang eines Generals.

Auch der katholische Militärbischof Walter Mixa sprach den Menschen in Polen sein Mitgefühl aus. Als gebürtiger Oberschlesier fühle er sich dem polnischen Volk und den Angehörigen der Opfer des Flugzeugabsturzes von Smolenk in der Stunde tiefer Trauer verbunden, sagte Mixa am Sonntag im oberbayerischen Landsberg. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner rief zum Gebet für die Opfer auf. „In dieser Stunde stehen wir eng neben unserem polnischen Nachbarland“, betonte Meisner, der ebenfalls aus Schlesien stammt, in Köln. Der tragische Flugzeugabsturz habe den Dankgottesdienst für Papst Johannes Paul II. auch „zu einem Bittgottesdienst für sein polnisches Volk werden lassen“.

Erzbischof Józef Michalik, der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz und Bischof von Przemyœl predigte am Sonntag: „Diese Tragödie sollte die Politiker den Respekt gegenüber ihren politischen Gegnern lehren. Vielleicht war diese Tragödie auch nötig, sodass die Welt die ganze Wahrheit über Katyn erfahren kann. (...) Dank dieser Tragödie haben wir aber auch das große Herz der Russen sehen können. Wir sehen, wie sie in Situationen reagieren, wenn sie unschuldig sind. Sie möchten helfen, sie bringen sich ein. Keine andere Nation der Welt ist zu solcher Herzlichkeit, solchem Mitgefühl fähig. (...) Die Wahrheit über Präsident Lech Kaczyñski unterscheidet sich vollkommen von dem Image, das die Medien kreiert haben. Die Medien versuchten ihn als eine unfähigen Person, voll von Komplexen zu zeigen, der sich nur um seine eigene Gesundheit drehte. Das hat diesen Menschen sehr verletzt. Wir haben diesen Menschen dagegen oft ganz anders wahrgenommen. Er war zu herzlichem, menschlichem Kontakt fähig, und er war ein Mann mit enormem wissenschaftlichem Erfolg. Vielleicht ist durch die Katastrophe des Absturzes unser Unrecht, unsere Sünde wider die Wahrheit dieses Menschen enthüllt worden, so dass wir nun gezwungen sind, uns zu bekehren. Ich kann persönlich bezeugen, dass Lech Kaczyñski ein Mann war, dem die Beichte persönlich wichtig war. Er war ein demütiger Mensch.“

Kardinal Stanis³aw Dziwisz, der Metropolit von Krakau, predigte vor Tausenden von Zuhörern in und außerhalb der Kathedrale auf dem Wawel: „In unserem Herzen ist Schmerz und Trauer. Ein ähnliche Trauer wie Polen sie vor fünf Jahren durchlitt, Papst Johannes Paul II. starb. Wir versuchen dieses aktuelle Drama zu analysieren, zu verstehen, doch es gelingt uns nicht. (...) Oh Heimatland! Du hast wieder eine schmerzhafte Erfahrung machen müssen, doch wir glauben, dass das Opfer unserer Brüder und Schwestern, die gestorben sind, Gutes bringen wird, nämlich Frieden und Versöhnung unter allen polnischen Männern und Frauen.“

Kazimierz Nycz, Erzbischof und Metropolit von Warschau, sagte in der heiligen Messe am Samstagabend in der St. Johannes-Kathedrale, wo auch der geschäftsführende Präsident Bronis³aw Komorowski, sowie die Warschauer Bürgermeisterin Hanna Gronkiewicz-Waltz anwesend waren, sowie Tausende von Zuhörern vor den Lautsprecherboxen in der Warschauer Altstadt: „Als Präsident Lech Kaczyñski und seine Frau Maria vor einer Woche beim Kreuzweg teilnahmen und an der zwölften Station standen, dem Tode Jesu, und wir uns an den Tod von Papst Johannes Paul II. erinnerten, konnte er nicht wissen, dass nur eine Woche später er selbst derjenige sein würde, dessen wir uns nun erinnern. Das Leben ordnet sich nicht immer dem liturgischen Kalender unter. Das Leben der österlichen Osteroktav hat uns nun wieder unter das Kreuz geführt. Diese Tragödie zeigt uns, wie ähnlich doch unser Schicksal ist, wie nah wir Menschen uns sind durch die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens. Egal, ob wir Gläubige oder Nicht-Gläubige sind, diesem oder einem anderen politischen Lager angehören. Ob wir Priester sind oder Laien.“

S³awoj Leszek G³ódŸ, der Metropolit von Danzig, sagte in seiner Predigt: „Der Engel des Todes war auf ihrem Weg. So wie der Engel des Todes auch bei den polnischen Offizieren war, die vor 70 Jahren ermordet wurden. Diesmal hat das ganze Land jedoch sofort daran Anteil nehmen können. (...) Dieses Unglück lehrt uns Demut und die Wertschätzung höherer Werte. Denn was uns bleibt, ist die Hinwendung zu Gott und das Gebet.“

Themen & Autoren

Kirche