Diener der Leprakranken

Zum seligen Jan Beyzym am 2. Oktober. Von Katrin Krips-Schmidt

Der selige Jan Beyzym – ein polnischer Jesuit –, der am 15. Mai 1850 in Beyzymy Wielkie in der heutigen Ukraine das Licht der Welt erblickte, sollte zu einem „Diener und Beschützer der Leprakranken“ werden. 1872 trat er der Gesellschaft Jesu bei und empfing 1881 in Krakau die Priesterweihe. Zunächst wirkte er als Lehrer und Erzieher an verschiedenen Kollegs der Jesuiten, wurde 1898 jedoch in die Mission nach Madagaskar entsandt.

Dort kam er am 30. Dezember in Tananarive an. Zehn Kilometer nördlich der Stadt hatte er die Verantwortung für seine erste Leprastation Ambahivoraka.

Pater Beyzym musste sich auf das, was er dort vorfand, erst einstellen, doch mit der Zeit lernte er, die 150 Leprakranken zu pflegen, die auf seine medizinische und geistliche Betreuung angewiesen waren. In seinen vielen Briefen an die Freunde und Gönner in Europa schilderte er seine Situation: „Es gibt niemanden bei den Leprakranken, weder einen Arzt, noch einen Priester, auch keine Krankenschwester, absolut niemanden. Ich schlüpfe in alle Rollen hier: bin Geistlicher, Briefträger, Sakristan, Gärtner, Arzt. Es gibt weder Medizin noch Verbandsmaterial, um die Verletzungen und Wunden zu verbinden. Nichts ... Es ist hier schwer, die Kranken zu pflegen, denn abgesehen von der Lepra haben sie auch Syphilis und Krätze und sind voller Flöhe. Das wundert mich allerdings nicht. Wie sollten diese Unglücklichen sich waschen und kämmen, wo sie doch keine Finger haben, weil sie wegen der Lepra abgefallen sind? Ich fühle mich unwohl, wenn ich an die große Zahl von Leuten denke, die aus einer Laune heraus so viel Geld für unbegreifliche Vergnügungen ausgeben, während es hier an allem mangelt.“

Noch viel mehr machte sich Pater Bey- zym Sorge um das „moralische Elend“ der ihm Anvertrauten, was „eine Folge ihres materiellen Zustands“ sei: „Sie sind tausend Gelegenheiten zur Sünde ausgesetzt ... Ich sehe diese kleinen Kinder, die nicht nur nicht lernen, Gott zu lieben, sondern noch nicht einmal wissen, dass es einen Gott gibt, während die Großen ihnen schon beibringen, wie man ihn beleidigt!“

Einkehrtage im Geiste des heiligen Ignatius

Zunächst musste sich Pater Beyzym bei seinem Dienst selbst überwinden, seine ausgeprägte eucharistische und marianische Frömmigkeit gaben ihm Kraft und Halt: „Man muss stets mit Gott vereint bleiben und immerzu beten können ... Anfänglich konnte ich die Verletzungen nicht anschauen, und mitunter passierte es mir, dass ich ohnmächtig wurde, wenn ich eine besonders widerwärtige Wunde gesehen hatte. Heute schaue ich mir die Wunden meiner unglücklichen Kranken an und berühre sie, wenn ich sie pflege oder die Krankensalbung mit dem heiligen Öl spende, ohne dass es mir was ausmacht. Um die Wahrheit zu sagen, empfinde ich durchaus etwas in meinem Herzen, wenn ich die Wunden versorge, aber nur, weil ich sie lieber selbst hätte, als dass ich sie an diesen unglücklichen Armen sehen müsste.“

Er organisierte sogar Einkehrtage im Geiste des heiligen Ignatius: „Unter den Leprakranken herrschten ein Schweigen und eine Sammlung, die unserer gebildetsten Exerzitienteilnehmer würdig wären.“

Mit Spenden aus Polen, Deutschland und Österreich konnte er 1902 mit dem Bau eines Krankenhauses beginnen, das 1911 mit 150 Betten eröffnet, Unserer Lieben Frau von Tschenstochau geweiht wurde und das noch heute existiert.

Jan Beyzym starb am 2. Oktober 1912 in Fianarantsoa und wurde am 18. August 2002 als „Apostel der Leprakranken“ von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen.

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