Die „Weiße Mutter“

Zum Gedenktag des seligen Maria Katharina Troiani am 6. Mai. Von Katrin Krips-Schmidt

Die selige Maria Katharina Troiani kam am 19. Januar 1813 in Giuliano di Roma – hundert Kilometer südöstlich von Rom gelegen –, als Tochter einer wohlhabenden Familie auf die Welt. Sie wurde auf den Namen Costanza getauft.

Schon in jungen Jahren hatte sie einen schweren Verlust zu verkraften: Ihre Mutter starb bei einem Unfall im Haus, und so wuchs Costanza in der Obhut der Caritas-Schwestern in Ferentino auf. Je älter sie wurde, umso mehr fühlte sie sich zu einem geweihten Leben in einer religiösen Gemeinschaft hingezogen, und so trat sie 1829 unter dem Ordensnamen Maria Katharina von der heiligen Rosa von Viterbo der Klarissengemeinschaft von Ferentino bei, in der sie aufgewachsen war.

Erst im Alter von sechsundvierzig Jahren konnte sie einem weiteren Ruf Gottes folgen, den sie schon seit langem verspürte: in die Mission nach Ägypten und Palästina zu gehen. Der Beichtvater des Klosters in Ferentino, Pater Joseph Modena, hatte sich einige Zeit im Land der Pharaonen aufgehalten und versuchte, bei seiner Rückkehr nach Italien bei verschiedenen Ordensgemeinschaften um Missionare zu werben, die bereit wären, als dringend benötigte Lehrer und Erzieher für Kinder und Jugendliche nach Ägypten zu kommen. Maria Katharinas Orden nahm die Herausforderung an.

Nach einer längeren Phase der Planung schiffte sich Maria Katharina gemeinsam mit der Oberin ihres Ordens und vier weiteren Schwestern nach Ägypten ein. Die kleine Expedition erreichte am 14. September 1859 das Land am Nil, wo sie in Kairo das erste Heim für verwahrloste Mädchen eröffnete. Das Besondere war, dass man sich hier um Kinder ohne Rücksicht auf deren Herkunft, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit kümmerte – bevorzugt wurden Bedürftige aufgenommen.

Da das italienische Mutterhaus keine weitere Unterstützung mehr schicken wollte, gründete Maria Katharina, die seit 1863 die Leitung der Niederlassung in Ägypten innehatte, ein eigenes Institut: die „Kongregation der Terziar-Franziskaner-Missionarinnen von Ägypten“ – seit 1950 wurde die Gemeinschaft umbenannt in: „Franziskaner-Missionarinnen des Unbefleckten Herzens Mariens“. Unmittelbar nach der Approbation des Ordens 1868 durch Papst Pius IX. legten Mutter Maria Katharina und ihre nunmehr neun Schwestern die Profess nach der neuen Regel ab, gleichzeitig wurden neun Postulantinnen eingekleidet. Mutter Katharina sorgte sich vor allem um die auf der Straße ausgesetzten Kinder – 1 500 Findelkinder konnten durch sie gerettet und in ihren Heimen aufgenommen werden – sowie um den Freikauf junger schwarzer Sklaven.

Ihre Gemeinschaft verbreitete sich – in Ägypten entstanden Schulen in Kairo, Mansura und Damiata, und sogar in Jerusalem konnten die Schwestern tätig werden, heute setzen die Franziskaner-Missionarinnen das Werk ihrer Gründerin in Europa, Asien, Afrika, Lateinamerika und den Vereinigten Staaten fort.

Am 6. Mai 1887 verstarb Mutter Maria Katharina nach einer mehrwöchigen Erkrankung in Kairo. Bei ihrem letzten Geleit, der zu einem wahren Triumphzug wurde, waren viele Menschen – Christen wie Muslime – anwesend, die „die Mutter der Armen“ und „die weiße Mutter“ hoch verehrten. Papst Johannes Paul II. nahm Maria Katharina am 14. April 1985 in das Verzeichnis der Seligen auf.

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