Die Mutter Christi: Stütze der Kirche im Kampf gegen die Mächte des Bösen

Die Predigt von Papst Franziskus am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel
Foto: dpa | „Das Magnificat ist der Gesang der Hoffnung, es ist der Gesang des Gottesvolkes, das in der Geschichte unterwegs ist“, hob Papst Franziskus in seiner Predigt hervor.
Foto: dpa | „Das Magnificat ist der Gesang der Hoffnung, es ist der Gesang des Gottesvolkes, das in der Geschichte unterwegs ist“, hob Papst Franziskus in seiner Predigt hervor.

Die Berichte über die Massaker und Schießereien in Ägypten hingen wie dunkle Wolken auch über dem Besuch des Papstes in Castel Gandolfo, dem Ort der päpstlichen Sommerresidenz, dem Franziskus am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel einen Besuch abgestattet hat. Nach der Feier der Messe mit mehreren tausend Gläubigen auf dem Platz vor der Residenz sprach der Papst beim Gebet des Angelus von „den schmerzlichen Nachrichten“ aus „jenem geschätzten Land“ und sicherte den Menschen dort sein Gebet zu. Vor dem Gottesdienst hatte Franziskus in privater Form die Klausurschwestern des Klarissinnen-Klosters von Castel Gandolfo besucht. Bei der Messe dann hielt der Papst folgende Predigt:

Liebe Brüder und Schwestern,

im Schlussteil der Konstitution über die Kirche hat das Zweite Vatikanische Konzil uns eine wunderschöne Meditation über die Allerseligste Jungfrau Maria hinterlassen. Ich erwähne nur die Aussagen, die sich auf das Geheimnis beziehen, das wir heute feiern. Die erste lautet: „Die unbefleckte Jungfrau, von jedem Makel der Erbsünde unversehrt bewahrt, wurde nach Vollendung des irdischen Lebenslaufs mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen und als Königin des Alls vom Herrn erhöht“ (Nr. 59). Und gegen Ende des Textes heißt es dann: „Wie die Mutter Jesu, im Himmel schon mit Leib und Seele verherrlicht, Bild und Anfang der in der kommenden Weltzeit zu vollendenden Kirche ist, so leuchtet sie auch hier auf Erden in der Zwischenzeit bis zur Ankunft des Tages des Herrn als Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes dem wandernden Gottesvolk voran“ (Nr. 68). Im Licht dieser wunderschönen Ikone unserer Mutter können wir die Botschaft betrachten, die in den biblischen Lesungen enthalten ist, die wir eben gehört haben. Dabei können wir uns auf drei Schlüsselworte konzentrieren: Kampf, Auferstehung, Hoffnung.

Der Abschnitt aus der Offenbarung stellt die Vision eines Kampfes zwischen der Frau und dem Drachen vor Augen. Die Gestalt der Frau, die für die Kirche steht, ist einerseits herrlich, triumphierend, und andererseits liegt sie noch in Geburtswehen. So ist die Kirche tatsächlich: Auch wenn sie im Himmel schon an der Herrlichkeit ihres Herrn teilhat, erlebt sie in der Geschichte unablässig die Prüfungen und die Herausforderungen, die der Konflikt zwischen Gott und dem Bösen – dem Feind von jeher – mit sich bringt. Und in diesem Kampf, dem die Jünger Jesu sich stellen müssen, lässt Maria sie nicht allein; die Mutter Christi und der Kirche ist immer bei uns. In gewissem Sinne teilt auch Maria diesen zweifachen Zustand. Natürlich ist sie bereits ein für allemal in die Herrlichkeit des Himmels eingetreten. Doch das bedeutet nicht, dass sie fern, dass sie von uns getrennt ist; im Gegenteil, Maria begleitet uns, sie kämpft an unserer Seite, sie unterstützt die Christen im Kampf gegen die Kräfte des Bösen. Das Gebet mit Maria, besonders der Rosenkranz, besitzt auch diese „kämpferische“ Dimension des Ringens; es ist ein Gebet, das in der Schlacht gegen den Bösen und seine Helfershelfer Unterstützung bietet.

Die zweite Lesung spricht uns von der Auferstehung. Der Apostel Paulus betont in seinem Brief an die Korinther mit Nachdruck, dass Christ sein bedeutet, daran zu glauben, dass Christus wirklich von den Toten auferstanden ist. Unser ganzer Glaube gründet sich auf diese fundamentale Wahrheit, die keine Idee, sondern ein Ereignis ist. Und auch das Geheimnis von der Aufnahme Marias in den Himmel mit Leib und Seele ist ganz in die Auferstehung Christi eingefügt. Die Menschheit der Mutter ist vom Sohn in dessen Übergang durch den Tod hindurch gleichsam „mit hineingezogen“ worden. Jesus ist ein für allemal ins ewige Leben eingegangen, mit seiner ganzen Menschheit – jener Menschheit, die er von Maria genommen hatte. So ist Maria, die Mutter, die ihm das ganze Leben hindurch treu gefolgt ist – ihm mit dem Herzen gefolgt ist – mit ihm ins ewige Leben eingetreten, das wir auch Himmel, Paradies, Vaterhaus nennen

Auch Maria hat das Martyrium des Kreuzes kennengelernt: Sie hat den Leidensweg ihres Sohnes in ihrem Innern bis zum Grund durchlebt. Im Tod war sie mit ihm völlig vereint, und darum wurde ihr das Geschenk der Auferstehung zuteil. Christus ist der Erste der Auferstandenen, und Maria ist die Erste der Erlösten, die Erste von denen, „die zu ihm gehören“.

Das Evangelium schlägt uns das dritte Wort vor: Hoffnung. Hoffnung ist die Tugend dessen, der im Erleben des Konflikts, des täglichen Ringens zwischen Leben und Tod, zwischen Gut und Böse an die Auferstehung Christi, an den Sieg der Liebe glaubt. Das Magnificat ist der Gesang der Hoffnung, es ist der Gesang des Gottesvolkes, das in der Geschichte unterwegs ist. Es ist der Gesang so vieler Heiliger, von denen einige bekannt, ganz viele andere unbekannt, Gott aber bestens bekannt sind: Mütter, Väter, Katecheten, Missionare, Priester, Schwestern, Jugendliche, sogar Kinder, die sich dem Kampf des Lebens gestellt haben, indem sie die Hoffnung der Kleinen und der Demütigen im Herzen trugen. „Meine Seele preist die Größe des Herrn“, singt an diesem Tag auch die Kirche in allen Teilen der Welt. Dieser Gesang ist besonders intensiv, wo der Leib Christi heute die Passion erleidet. Und Maria ist dort, sie ist diesen Gemeinschaften, diesen unseren Brüdern und Schwestern nahe, ist mit ihnen unterwegs, leidet mit ihnen und singt mit ihnen das Magnificat der Hoffnung.

Liebe Brüder und Schwestern, stimmen auch wir aus ganzem Herzen in diesen Gesang der Geduld und des Sieges, des Kampfes und der Freude ein – in diesen Gesang, der die triumphierende mit der wandernden Kirche verbindet, der die Erde mit dem Himmel und die Geschichte mit der Ewigkeit verbindet.

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