Die jungen Frommen

Wie französische Weltjugendtagsteilnehmer ticken – Umfrage des Magazins „La vie“. Von Markus Werz

Fromm, lehramtstreu und konservativ. Mit diesen drei Stichworten lässt sich eine repräsentative Umfrage des Magazins „La Vie“ und der französischen Bischofskonferenz über das soziologische Profil der französischen Teilnehmer am Weltjugendtag zusammenfassen. Vor der Abfahrt nach Krakau wurde eine Stichprobe von rund 2 500 Jugendlichen zu ihrer sozialen Herkunft, ihrer religiösen Sozialisation und ihrer Glaubensausübung befragt. Die Teilnehmer sind überwiegend regelmäßige Messbesucher. 62 Prozent der Teilnehmer gehen wöchentlich zur Messe. Acht Prozent von ihnen sogar unter der Woche. Mit den Messbesuchern zu den Festtagen liegt der Messbesuch bei 92 Prozent.

Das sind beeindruckende Zahlen, da der Messbesuch im nationalen Durchschnitt bei acht Prozent liegt. Wenn man die Generation der unter 30-Jährigen betrachtet, erreicht er nur drei Prozent. Selbst das bei vielen praktizierenden Katholiken vernachlässigte Bußsakrament ist für die Jugendlichen kein Tabu. Knapp über die Hälfte geht regelmäßig zur Beichte, 15 Prozent sogar oft. Die Weltjugendtagspilger stellen in dieser Hinsicht den harten Kern der katholischen Jugend dar. Sie sind über den Messbesuch hinaus mit der Kirche verbunden, denn 79 Prozent von ihnen sind kirchlich engagiert. 40 Prozent von ihnen sind Pfadfinder, die anderen beteiligen sich in ihrer Pfarrei oder der Hochschulpastoral. Diese Jugendlichen stehen in den Fragen des Lebensschutzes und der Sexualmoral zu den Positionen des Lehramtes. Knapp drei Viertel der Teilnehmer lehnen Abtreibung, Euthanasie und auch die in Frankreich im Zuge der „Ehe für alle“ debattierte Leihmutterschaft ab. 70 Prozent stimmen der kirchlichen Ehelehre zu. Mit 62 Prozent Zustimmung ist die Unterstützung in Hinblick auf die kirchlichen Verlautbarungen zu Migranten und Einwanderung hingegen schwächer. Das mag daran liegen, dass sich von den im Schnitt 20 Jahre alten Teilnehmer 42 Prozent als konservativ bezeichnen. Fast zehn Prozent sehen sich als rechtsextrem (Umfragen zufolge wählen 23 Prozent der praktizierenden Katholiken den „Front National“; AdR). Die Linkskatholiken bilden eine verschwindend geringe Minderheit von knapp fünf Prozent. Ein Drittel will sich politisch nicht verorten. Mit diesen Ergebnissen bestätigt die Studie den Trend hin zu einem Katholizismus, der bewusster Teil der persönlichen Identität ist. In ihren Glaubens- und Werthaltungen sehen diese jungen Katholiken den zentralen Aspekt ihres Lebens und eine wesentliche Voraussetzung für ein gutes Leben. Allerdings kreisen die Jugendlichen nicht um sich selbst, sondern sehen zu 44 Prozent die Nächstenliebe als weiteren Punkt eines gelingenden Lebens. Damit stehen sie in deutlicher Distanz zu den Werthaltungen der restlichen Gesellschaft.

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