Die Herzmitte kirchlichen Tuns

Das Stift Heiligenkreuz gibt eine zweisprachige Ausgabe der Texte der Messe heraus. Von Klaus-Peter Vosen

In der Herzmitte allen kirchlichen Tuns steht das heilige Messopfer. Angesichts einer abgesunkenen Teilnahmefrequenz und eines im Hinblick auf die heilige Eucharistie öfter unzureichenden Religionsunterrichts ist alles zu begrüßen, was einem besseren Verstehen dieses Glaubensgeheimnisses dient. Die Zisterzienser in Heiligenkreuz haben es unternommen, den Ritus der heiligen Messe in einer preiswerten und doch würdigen Weise den Gläubigen darzubieten.

Es handelt sich hierbei um eine synoptisch angelegte, deutsch-lateinische Ausgabe in zweifarbigem Druck, so wie man sie von Diözesangebetbüchern früherer Zeiten her kennt und wie sie auch vom neuen, in der Vorbereitung befindlichen „Gotteslob“ erhofft werden darf. Der Hinweis „enthält nur approbierte Texte“ und der Imprimaturvermerk garantieren die Qualität der Handreichung. Sie eignet sich wirklich gut als Hilfe zu einem vertieften Mitvollzug der heiligen Eucharistie. Man kann sich etwa vorstellen, dass sie bei Sommerfreizeiten mit Jugendlichen sinnvoll sein kann, umso mehr als sie auch noch einen – allerdings traditionellen – Liedanhang aufweist. Der Zelebrant freilich bleibt für die veränderlichen Teile der heutigen Messe auf das Missale angewiesen. Beim Kelchwort steht einstweilen noch die bisherige Übersetzung „für alle“, nach der Umstellung auf das „für viele“ im deutschen Sprachraum, die nun bald zu erwarten ist, werden künftige Auflagen die Änderung zu berücksichtigen haben. Zu würdigen ist, dass einige Teile des Messritus auch mit Noten versehen sind.

Religiöser Analphabetismus der Gegenwart wird ignoriert

Kritisch kann ein Mehrfaches angemerkt werden, doch trifft diese Kritik zum Teil nicht allein die begrüßenswerte Heiligenkreuzer Edition, sondern auch das Messbuch selbst: Zwar ist der besondere, zentrale Charakter der heiligen Wandlung durch Großbuchstaben hervorgehoben, der Begriff „Wandlung“ aber vermieden.

Außerdem fehlt im Gegensatz zu anderen Teilen der heiligen Messe jeder katechetische Hinweis darauf, was hier geschieht.

In unserem Zeitalter des religiösen Analphabetismus kann sich nach der unmaßgeblichen Meinung des Rezensenten die Kirche ein solches Schweigen über das Wichtigste nicht mehr leisten. Wie ist es möglich, ausgerechnet hier so zu tun, als wäre die dahinterstehende Glaubenslehre heute allgemein bekannt? Auch dient es nicht der Ehrfurcht, wenn vor dem Eucharistischen Hochgebet nicht zum Knien aufgefordert, ein solches allenfalls ortsüblichen Gewohnheiten überlassen wird. Bezüglich der Heiligenkreuzer Ausgabe müsste für künftige Ausgaben der Hinweis gefordert werden, dass zum Glaubensbekenntnis alternativ das Nizäno-Konstantinopolitanische Credo und das Apostolicum zur Verfügung stehen. Jemand, der im Ablauf der heiligen Messe nicht genau Bescheid weiß, könnte sonst zu der Auffassung kommen, dass vielleicht beide Symbola hintereinander zu beten seien. Man erkläre diesen Einwand in der „katechumenalen“ Situation unserer Tage bitte nicht für gesucht oder lächerlich!

Ferner ist die Frage, ob heutzutage ein Büchlein wie das vorliegende einfach am vom Heiligen Vater ja zugelassenen „außerordentlichen Ritus“ vorbeigehen sollte, ob dieser nicht vielmehr in einem zweiten Teil des Messritus-Büchleins zu bringen wäre – natürlich ohne zu postulieren, dass dieser Ritus nun überall anzubieten wäre. Doch wenn jemand die heilige Messe nach dem Missale von 1962 mitfeiert, vielleicht nur als zufälliger Messbesucher, ist ihm schon wegen lateinischer Sprache und vieler stiller Partien eine Rituserklärung wohl noch notwendiger als bei der „ordentlichen“ Form der heiligen Messe. Insgesamt ist die Heiligenkreuzer Publikation begrüßenswert!

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz (Hrsg.), Die Heilige Messe. Der Messritus der katholischen Kirche, 103 Seiten, Be&Be-Verlag, Heiligenkreuz 2012, ISBN 978-3-902694-33-1, EUR 6,90

Themen & Autoren

Kirche

Synode
Synode
Synodalität als Stärkung der Kirche Premium Inhalt
Synodale Prozesse wecken derzeit sowohl Hoffnung als auch Sorgen. Doch was zeichnet den „gemeinsamen Weg“ aus? Zehn biblische Anregungen für synodale Gespräche.
20.09.2021, 19 Uhr
Martin Baranowski
Schwules Paar
Rezension
Eine Wegweisung im LGBTIQ - Dschungel Premium Inhalt
Daniel Mattson legt in seinem autobiografischen Buch "Warum ich mich nicht als schwul bezeichne" tiefe Gedanken über Sexualität, persönliche Freiheit und die Lehre der Kirche vor.
19.09.2021, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer