„Die Gewissen erleuchten“

Spanien: Bischof von San Sebastián ermutigt zum Engagement für den Lebensschutz
Foto: IN | Bischof José Ignacio Munilla.
Foto: IN | Bischof José Ignacio Munilla.

Würzburg (reg) Der Bischof von San Sebastian, Jose Ignacio Munilla (54), hat sich für eine Fortsetzung der Abtreibungsdebatte in Spanien ausgesprochen. Es sei sehr wichtig, den glimmenden Docht der gesellschaftliche Diskussion nicht auszulöschen, obwohl in der kommenden Legislaturperiode keine politische Initiative für die Verteidigung des menschlichen Lebens zu erwarten sei, schrieb der Bischof der Europäischen Kulturhauptstadt 2016, der auch Vorsitzender der Medienkommission der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaften (COMECE) ist, in einem am Fest der Unschuldigen Kinder veröffentlichten Gastbeitrag für die baskische Tagszeitung Diario Vasco. Mit Blick auf die kürzlich publizierte Statistik, derzufolge die Abtreibungszahlen in Spanien 2014 um knapp dreizehn Prozent niedriger liegen als im Vorjahr, äußerte sich der Oberhirte von San Sebastián skeptisch: Immer, wenn die Abtreibungsdebatte in der spanischen Gesellschaft in Gang käme, sinke die Zahl der vorgeburtlichen Kindstötungen. Sobald man aufhöre, über sie zu reden, stiegen die Zahlen, erklärte Bischof Munilla.

Kritik übte er an den Mitgliedern des am 20. Dezember neu gewählten spanischen Parlaments: „Im Moment gibt es nicht einen einzigen verlässlichen Parlamentarier, der sich öffentlich für den Schutz des menschlichen Lebens vom Augenblick der Empfängnis bis zum natürlich Tod einsetzt. Es ist das erste Mal, dass sich in Spanien ein solches politisches Szenario bietet“, so der Bischof. Die Überzeugungen eines erheblichen Teils der Bevölkerung über Familie und Lebensschutz würden von keiner Partei mehr im Parlament repräsentiert. Auch hätten sich die Parteien das „einheitliche Denken über die Gender-Ideologie“ angeeignet.

Munilla unterstrich die Bedeutung der Gewissensbildung. Für den Lebensschutz stehe angesichts der „Versuchung, wie alle anderen zu denken“, die Aufgabe, die Gewissen zu erleuchten, derzeit an erster Stelle. Notwendig sei weiterhin, Schwangere in Not zu unterstützen. An dritter Stelle verwies der Bischof darauf, dass alle, die an einer Abtreibung beteiligt gewesen seien, durch „das Tor der Barmherzigkeit“ gehen sollten. Dieses Angebot der Vergebung bedeute keine Relativierung der schlechten Tat, sondern die Verkündigung der unendlichen Barmherzigkeit Gottes, der Biografien heilen könne.

Erst vor einigen Monaten hatten die regierenden Konservativen von Ministerpräsident Mariano Rajoy mit ihrer Mehrheit das von der sozialistischen Vorgängerregierung liberalisierte Abtreibungsgesetz leicht modifiziert. Die Reform der Reform fiel jedoch deutlich moderater aus als angekündigt. Ähnlich wie in den meisten Ländern Europas sind Abtreibungen in Spanien bis zur 14. Schwangerschaftswoche zugelassen.

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