die frage

Wie kann für eine Mutter der Himmel ewige Glückseligkeit sein, wenn eines ihrer Kinder in der Hölle ist? Magdalena Krause, Berlin
Abt Winfried Schwab OSB, Stift Neuburg.
Foto: IN | Es antwortet: Abt Winfried Schwab OSB, Stift Neuburg.

Eine spannende Frage, die für viele an den Grundfesten des Glaubens rüttelt. Gibt es wirklich eine Hölle? Kann Gott so unbarmherzig sein, jemanden auf ewig zu verdammen? Ist er nicht im Gegenteil unendlich barmherzig?

Zunächst einmal: Ja, es gibt die Hölle – und es muss sie geben. Ihre Existenz ist die Folge der Freiheit, sich bewusst und absichtlich gegen Gott entscheiden zu können. Ohne diese Möglichkeit hätte der Mensch keinen freien Willen. Dann wäre er nur eine Spielfigur auf dem Schachbrett des Schöpfers. Von der Hölle spricht Jesus mehrfach ausdrücklich, etwa in Matthäus 5, 22: „Wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.“ Oder in Matthäus 23, 33 zu den Schriftgelehrten: „Ihr Nattern, ihr Schlangenbrut! Wie wollt ihr dem Strafgericht der Hölle entrinnen?“

Die Hölle gibt es also – aber der Lebensweg des schweren Sünders führt nicht zwangsläufig hinein. Im Gegenteil. Christus lädt ein zur persönlichen Umkehr und ist bereit zu verzeihen bis zum allerletzten Augenblick. Dem reuigen Verbrecher am Kreuz etwa antwortet er in der Sterbestunde: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lukas 23, 42–43). Nicht nur das, Christus geht noch weiter und sagt: „Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?“ (Lukas 15, 4). Ist größere Liebe überhaupt vorstellbar?

Gott hat dem Menschen den freien Willen geschenkt – und er akzeptiert dessen Entscheidung. Wie sich aber der Mensch im letzten Augenblick seines Lebens entscheidet, das wissen nur Gott und der Sterbende selbst.

Was können nun zweifelnde und sich sorgende Mütter (und Väter!) für ihre Kinder tun? Sie können beten – zu deren Lebzeiten um den rechten Weg hin zu Christus und um eine gute Sterbestunde. Letzteres ist, vollkommen zu Unrecht, heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Nach dem Tode eines Kindes dürfen Eltern um Gottes Barmherzigkeit bitten.

Bleibt die Frage: Lässt sich ewige Glückseligkeit denken, wenn ein Kind in der Hölle leidet? Zunächst: Himmel und Hölle werden nicht nur als reale Orte verstanden, sondern auch als Zustandsbeschreibungen. Himmel meint dann Gottesnähe, Hölle Gottesferne. Der Evangelist Johannes sagt: „Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ (1 Johannes 3, 2). Gott ähnlich zu werden heißt einen Sinn zu entdecken in dem, was jetzt noch unverständlich ist. Wir erhalten Antworten auf drängende Fragen, etwa warum er Leid bei Unschuldigen oder den Tod von Kindern zulässt. Himmel als Gottesnähe aufgefasst lässt uns menschliche Denkweisen ablegen und öffnet den Horizont zu einem neuen Verständnis der Allmacht Gottes, seiner Liebe und Barmherzigkeit.

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