„Die Familie ist das Problem Nr. 1“

Von Regina Einig
„Die Familie ist das Problem Nr. 1“

Pfarrer Hesiquio Trevizo (Foto: privat) betreut die Pfarrei „Jesús Maestro“ in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juarez. Er ist der diözesane Sprecher für den Papstbesuch am 17. Februar. Im Interview mit der „Tagespost“ erläutert er die Vorbereitungen und die sozialen Herausforderungen vor Ort.

Wie bereiten sich die Gläubigen in Ciudad Juárez auf den Papstbesuch vor?

In allen Pfarreien und Gemeinschaften werden Katechesen und Vorträge gehalten über Themen, die von der Mexikanischen Bischofskonferenz vorgeschlagen worden sind. Im Vordergrund steht dabei, was die katholische Lehre über das Papstamt sagt. Hinzu kommen das persönliche und gemeinschaftliche Gebet.

Erwarten die Gläubigen Ihrer Diözese vom Heiligen Vater eine besondere Botschaft?

Ja, wir wissen dass der Papst kommt, um alle Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken. Wir hoffen, dass er Stellung nimmt zum Phänomen der Migration, zur Gewalt und ihren Opfern sowie zur Familie – alles unter dem Leitwort des Besuchs: „Botschafter der Barmherzigkeit und des Friedens“.

Morde und Selbstmorde in der Bevölkerung machen den Menschen in Ciudad Juárez zu schaffen. Was kann die Kirche hier tun?

Die Zahl der Selbstmorde ist nicht sehr hoch, allerdings bringt jeder Fall Schwierigkeiten zum Vorschein, die man anpacken muss. Um dem Problem der Selbstmorde zu begegnen ist es notwendig, sich um die Familien zu kümmern, und vollen Einsatz zu bringen, um die Werte wieder ins Blickfeld zu rücken. Wirklich exorbitant hoch und schrecklich sind hier die Morde. Das ist weltweit bekannt. Es braucht echte Anstrengungen in der Evangelisierung, um die Menschen, vor allem die Jungen, auf den Weg der wahren Liebe zum Leben zu bringen.

Wie sieht es mit den Priesterberufungen bei Ihnen aus?

Auffallend gewachsen sind sie nicht. Für anderthalb Millionen Einwohner stehen 120 Priester zur Verfügung. Und auch die Zahl der Priester und Ordensleute insgesamt ist in unserer Umgebung ist nicht wirklich gestiegen, allerdings haben wir, verteilt auf verschiedene Semester, hundert Priesteramtskandidaten.

Zerfallserscheinungen der Familie machen vielen Menschen zu schaffen. Wo setzt die Kirche an?

An erster Stelle kommt die Familie. Die Familie hat absolute Priorität bei unserer Arbeit, das sieht man weltweit ebenso wie bei der Ordentlichen und Außerordentlichen Familiensynode. In unserer Stadt kann man, ohne befürchten zu müssen, falsch zu liegen, sagen, dass die Familie das Problem Nummer eins ist. Aus dieser Tatsache entstehen unsere seelsorglichen Möglichkeiten, indem wir Familien in allen Lebenslagen betreuen. Das ist die große Herausforderung, vor der die Kirche hier bei uns steht. Ein spanischer Soziologe hat einmal gesagt, wenn wir die familiären Schwierigkeiten lösten, hätten wir achtzig Prozent der Probleme der Gesellschaft, der Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren gelöst. Das ist die Aufgabe.

Und die Migranten?

Die Migration ist auch ein ganz wichtiger Punkt bei uns, weil Ciudad Juárez an der Grenze zur USA liegt. Von überall her kommen Leute und versuchen, in die USA zu gelangen. Wir haben das „Haus des Migranten“, das ist ein riesiger, gut ausgestatteter Komplex, so dass wir wenigstens hier einen Beitrag zur Lösung des Problems leisten können. Wer weggebracht wird oder es nicht über die Grenze in die USA schafft und in Ciudad Juárez bleibt, bekommt dort Soforthilfe und Unterstützung für den Heinweg. Keine Frage: Die Lage ist dramatisch.

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