Deutscher Ökumenebischof kritisiert Papst

Der Ökumenebischof der Deutschen Bischofskonferenz, Gerhard Feige, hält es für "völlig unverständlich", wie sich Rom im Kommunionstreit verhalten hat.
Eine Frau hält eine Hostie beim Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt
Foto: Rolf Vennenbernd (dpa) | ARCHIV - 10.05.2018, Nordrhein-Westfalen, Münster: Eine Frau hält eine Hostie beim Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt.

In einem am Mittwoch veröffentlichten "Nachruf auf eine unsägliche Entwicklung" hat der Ökumenebischof der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Gerhard Feige, den Vatikan kritisiert. Es sei "völlig unverständlich", wie sich Rom im deutschen "Kommunionstreit" verhalten habe. Den Gegnern der von der DBK geplanten, jedoch am Montag vom vatikanischen Glaubenspräfekten Erzbischof Luis Ladaria Ferrer per Brief gestoppten pastoralen Handreichung warf Feige "Doppelmoral" vor.

Es würden "höchste Ansprüche für einen Kommunionempfang" erhoben und sogar dessen Unmöglichkeit behauptet, zugleich aber "unzählige Ausnahmen" erkannt und  ohne weiteres toleriert. Der Magdeburger Bischof bezog sich direkt auf die Äußerung des Kölner Erzbischofs Kardinal Rainer Maria Woelki.

Dieser hatte am Wochenende erklärt, dass evangelische Ehepartner von Katholiken in Ausnahmefällen die Kommunion erhalten könnten, wobei diese Frage allerdings ausschließlich in den Raum der persönlichen Seelsorge, der geistlichen Begleitung und der individuellen Gewissensentscheidung der Gläubigen gehöre. Pastoral begründete Ausnahmeregelungen dürften jedoch nicht als neue Normen festgeschrieben werden, hatte Woelki erklärt. Entsprechend "einer ungeschriebenen Regel der katholischen Kirche" weise er Betroffene an der Kommunionbank aber nicht zurück.

Feige plädierte im "Nachruf" von Mittwoch dafür, nichtkatholischen Ehepartnern offiziell zu erlauben, "im Einzelfall unter besonderen Umständen nach geistlicher Beratung und individueller Gewissensentscheidung die Kommunion zu empfangen".

Er kritisierte überdies die Haltungsänderung an der Kirchenspitze seit 3. Mai. Beim Gespräch im Vatikan an diesem Tag habe es geheißen, die deutschen Bischöfe sollten in der Kommunionfrage eine "möglichst einmütige" Regelung finden. Einen Monat später sei dieser Auftrag "offensichtlich durch Papst Franziskus selbst" wieder rückgängig gemacht worden. "Die Enttäuschung ist bei vielen groß, der Schaden noch nicht abzusehen", so Feige.

"Opfer" seien vor allem die betroffenen konfessionsverbindenden Ehen und Familien, betonte der Bischof weiter: "Ihnen gilt meine besondere Verbundenheit: Lassen Sie sich nicht entmutigen, bewahren Sie sich Ihre Liebe und Treue, vertrauen Sie der Barmherzigkeit Gottes, und gehen Sie den Weg, den Christus Ihnen weist."

Wörtlich erklärte Bischof Feige: "Ein ähnlicher Konflikt mit der Begründung, es würde sich um ein Thema handeln, 'das den Glauben der Kirche berührt und von weltkirchlicher Relevanz ist', hätte sich auch beim Wort der deutschen Bischöfe zur Ehe- und Familienpastoral mit den Äußerungen über den möglichen Sakramentenempfang einzelner Personen, die nach einer Scheidung wieder geheiratet haben, entzünden können, ist aber in diesem Zusammenhang erstaunlicherweise ausgeblieben. Wieso ist es jedoch dann hinsichtlich der Konfessionsverschiedenheit zur Eskalation gekommen?"

DT/KAP

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