Der Papst und die Monsignori

Die geistlichen Ehrentitel für katholische Geistliche rücken durch eine neue Regelung des Heiligen Vaters in den Fokus. Von Ulrich Nersinger
Foto: Symbolbild: dpa | ie Begeisterung für Franziskus ist auch im Klerus beachtlich. Dass nicht alle Reformen des Papstes den landläufigen Erwartungen entsprechen, hat der Papst nun gezeigt.
Foto: Symbolbild: dpa | ie Begeisterung für Franziskus ist auch im Klerus beachtlich. Dass nicht alle Reformen des Papstes den landläufigen Erwartungen entsprechen, hat der Papst nun gezeigt.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Medien verbreitet, dass sich der Heilige Vater weitgehend zu einer Aussetzung der Verleihung geistlicher Ehrentitel entschlossen habe. Der Papst sei zu diesem Schritt durch ein unter Priestern immer mehr verbreitetes Karrieredenken, gepaart mit einer Fixierung auf Äußerlichkeiten, bewogen worden.

Eine engere Bindung an den Apostolischen Stuhl

Dieser Tage sorgte eine Meldung des italienischen Internetportals „Vatican Insider“ für weitere Schlagzeilen. Laut einem Bericht der weltweit viel beachteten Website habe Papst Franziskus die Verleihung geistlicher Ehrentitel einer neuen Regelung unterzogen. Die Auszeichnungen „Apostolischer Protonotar“ und „Ehrenprälat“ seien gänzlich abgeschafft worden; Ernennungen zum „Kaplan Seiner Heiligkeit“ würden zwar weiterhin ausgesprochen, erfolgten jedoch nur noch an verdiente Geistliche, die das 65. Lebensjahr vollendet hätten. Bereits verliehene Ehrentitel behielten aber ihre Gültigkeit. Das Päpstliche Staatssekretariat habe die Apostolischen Nuntien aufgefordert, die Bischöfe in aller Welt von den aktuellen Bestimmungen zu unterrichten.

Schon im ersten christlichen Jahrtausend war es zur Gepflogenheit geworden, dass der Papst gewisse Ämter, die es am Päpstlichen Hof gab, auch ehrenhalber zu verleihen. Mit ihnen wollte er Klerikern und Laien in und außerhalb Roms seine besondere Wertschätzung bezeugen und sie enger an den Apostolischen Stuhl binden. So zeichneten die Päpste verdiente Bischöfe mit dem Titel eines „Päpstlichen Thronassistenten“ aus. Bei feierlichen Liturgien und Zeremonien waren ihnen am Thron des Papstes besondere Aufgaben übertragen. Die Thronassistenten erfreuten sich einer Reihe von Privilegien und Ehrenrechten; darunter der Ernennung zum „comes romanus“ (Römischer Graf). Als äußeres Zeichen ihrer Würde trugen sie an der Kette des Brustkreuzes oberhalb des Pektorale Abzeichen der päpstlichen Insignien (Tiara und gekreuzte Schlüssel). Der Brauch, Bischöfe in den Rang von „Päpstlichen Thronassistenten“ zu erheben, wurde bis in das Pontifikat des seligen Johannes Pauls II. hinein beibehalten. In Deutschland war 1983 dem ehemaligen Bischof von Regensburg Rudolf Graber diese hohe Würde verliehen worden.

Vor der Reform des Päpstlichen Hofs im Jahre 1968 wurden Priester durch die Ernennung zu Apostolischen Protonotaren und Päpstlichen Hausprälaten oder mit der Aufnahme in die verschiedenen Klassen der Geheimen Geistlichen Kammerherren, der Geheimkapläne und der Geheimkleriker des Papstes geehrt. Alle Auszeichnungen unterlagen mehreren Abstufungen; so waren die Geistlichen Kammerherren neben den Wirklichen in Überzählige, Kammerherren „di abito paonazzo“ (im pfauenblauen Gewand) und Ehrenkammerherren „extra urbem“ (außerhalb Roms) unterteilt. Die Träger dieser Titulaturen erhielten bestimmte Privilegien zugesprochen wie beispielsweise den Gebrauch eines Tragaltars oder eine besondere violette Gewandung.

Den Apostolischen Protonotaren war bei bestimmten Gelegenheiten sogar das Tragen einer weißen Mitra gestattet. Einige dieser geistlichen Ehrentitel wurden auf Lebenszeit verliehen, andere nur für die Dauer der Regierungszeit des Papstes, der die Verleihung ausgesprochen hatte – wobei jedoch die Möglichkeit bestand, nach dem Ableben des Papstes für das neue Pontifikat um eine Bestätigung des Titels anzusuchen.

Am 28. März 1968 wandelte Paul VI. mit dem Motu Proprio „Pontificalis Domus“ den Päpstlichen Hof in das „Päpstliche Haus“ um. Paul VI. hielt es für angebracht, „die Zusammensetzung Unseres Päpstlichen Hauses den Gegebenheiten unserer Zeit anzupassen und auf die wirklichen Verhältnisse hinzuführen“. Durch die Verfügung des Heiligen Vaters wurden die Ehrentitel für Priester auf drei Stufen reduziert: auf die der „Überzähligen Apostolischen Protonotare“, der „Ehrenprälaten Seiner Heiligkeit“ und der „Kapläne Seiner Heiligkeit“. Die Ernennung, mit der die so ausgezeichneten Geistlichen der „Päpstlichen Familie“ zugerechnet werden, erfolgte nun auf Lebenszeit. Sie wurde im Amtsblatt des Heiligen Stuhls, den „Acta Apostolicae Sedis“, publiziert. Die Träger dieser Titel werden im „Annuario Pontificio“ (Päpstliches Jahrbuch) namentlich aufgelistet. Die Ehrung durch den Heiligen Vater macht sich heute vor allem durch Besonderheiten in der priesterlichen Kleidung und in der Anrede bemerkbar.

Die Kapläne Seiner Heiligkeit besitzen für liturgische wie außerliturgische Gelegenheiten eine violett paspelierte schwarze Soutane mit einem violetten Zingulum; zu Gottesdiensten, die heilige Messe ausgenommen, nehmen sie zusätzlich das Superpelliceum (ein Chorhemd mit weiten Ärmeln). Bei liturgischen Feierlichkeiten tragen die Ehrenprälaten als Chorkleid einen violetten Talar, ein violettes Zingulum und das Superpelliceum; ansonsten bedienen sie sich einer rubinrot paspelierten schwarzen Soutane mit violettem Zingulum. Als Chorgewand kommt den Überzähligen Apostolischen Protonotaren ein violetter Talar, ein violettes Zingulum, das Superpelliceum und ein schwarzes Birett mit schwarzer Quaste zu; außerhalb der Liturgie verfügen sie über die rubinrot paspelierte schwarze Soutane und ein violettes Zingulum. Die Kapläne Seiner Heiligkeit, die Ehrenprälaten und die Überzähligen Apostolischen Protonotare dürfen sich mit „Hochwürdiger Monsignore“ anreden lassen.

Einige klerikale Schlupflöcher

Die violette Mantelletta (ein knielanger, vorne offener, ärmelloser Umhang), das Rochett (ein Chorhemd mit engen Ärmeln), ein schwarzes, mit roter Quaste verziertes Birett und die Anrede „Hochwürdigster Monsignore“ stehen – entgegen weit verbreiteter Meinung – nur den Wirklichen Apostolischen Protonotaren zu. Hiermit wird deutlich, dass der Heilige Stuhl unterscheidet zwischen Titeln ehrenhalber und Titeln, die mit einem echten Amt verknüpft sind. So gibt es an der Kurie das „Kollegium der Wirklichen Apostolischen Protonotare“, sieben Prälaten, die für die Beurkundung wichtiger kirchlicher Dokumente verantwortlich zeichnen. Aber Rom wäre nicht Rom, wenn es auch nach den Reformen der sechziger Jahre nicht einige klerikale „Schlupflöcher“ gelassen hätte: Die Domherren der großen Papstbasiliken in der Ewigen Stadt tragen den Titel eines Überzähligen Apostolischen Protonotars „ad instar participantium“ (nach dem Vorbild der Wirklichen) und tragen die Kleidung der echten Protonotare. Die Verleihung eines geistlichen Ehrentitels durch den Papst ist als Zeichen des Dankes zu verstehen für Dienste, die dem Heiligen Stuhl und der Kirche in herausragendem Maße geleistet wurden. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Ernennungen zu Kaplänen und Ehrenprälaten Seiner Heiligkeit und Überzähligen Apostolischen Protonotaren an Zahl zugenommen. Weniger wäre mehr gewesen, ist man geneigt zu kommentieren. Und manchmal entsprach der Lohn auch nicht dem Verdienst. Der Automatismus, mit dem an der Römischen Kurie nach vier, fünf Dienstjahren Geistlichen ein Ehrentitel winkte, hat ein weiteres zum Unmut über die „Monsignori“ beigetragen. Leistung und Integrität müssen die Qualifikation für eine Auszeichnung sein, nicht die Anzahl der abgehakten Kalendertage. Es ist bedauerlich, dass eine altehrwürdige und sinnvolle Tradition durch Deformierungen beträchtlichen Schaden erlitten hat. Papst Franziskus scheint sich nun für eine Zäsur entschieden zu haben. Für ihn sind Karrierismus und Verweilen im rein Äußerlichen Hemmschwellen für den Glauben. Es bleibt zu hoffen, dass sich durch die Zäsur die jetzigen und künftigen Träger von Ehrentiteln stärker in die Pflicht genommen fühlen, in einer violetten Gewandung und in roten Knöpfen nicht nur Schmuck und Dekoration zu sehen, sondern einen Ansporn für ihren Dienst an Papst und Kirche.

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