Der Muslim an der Gregoriana

Am 3. Juni 2007 haben Attentäter vier katholische Chaldäer, einen Priester und drei Diakone, am Eingang einer Kirche im irakischen Mossul erschossen. Sie wollten dort eine heilige Messe feiern. Damals ging ein offener Brief durch die Medien, den nach der Tat ein muslimischer Freund des ermordeten Priesters verfasst hatte: „Im Namen des gütigen und barmherzigen Gottes, an meinen Bruder Ragheed: Ich bitte Dich um Verzeihung mein Bruder, dass ich nicht an Deiner Seite war, als die Verbrecher das Feuer auf Dich und Deine Mitbrüder eröffneten. Aber die Kugeln, die Deinen reinen und unschuldigen Körper durchschlugen, sind auch mir durch das Herz und die Seele gegangen.“ So der Anfang des Briefs, der die Unterschrift Adnan Mokrani, Professor für Islam am Institut für Religions- und Kulturstudien der Päpstlichen Universität Gregoriana, Rom, trug.

Zu Beginn des Studienjahrs 2009/2010 hat Adnan Mokrani nun einen unbefristeten Lehrauftrag an der von Jesuiten getragenen Gregoriana erhalten und ist damit der erste dauerhaft installierte muslimische Dozent an einer Päpstlichen Universität. Schon seit acht Jahren wirkt Mokrani an der Gregoriana. Der in Tunesien geborene Islamwissenschaftler hat in seiner Heimat an der angesehenen Universität Zeytuna in Tunis ein Doktorat in Soziologie und später am Päpstlichen Islaminstitut Pisai in Rom ein zweites Doktorat abgelegt. Dann kam der Lehrauftrag an dem seit zehn Jahren bestehenden Institut für Religions- und Kulturstudien, an dem Studenten der Gregoriana sich mit den Grundlagen anderer Religionen vertraut machen können. Direktor des Instituts ist der Jesuitenpater Felix Körner.

Im Gespräch mit Radio Vatikan bezeichnete er Mokrani als „ausgezeichneten Dozenten“. Die Entscheidung, ihm einen unbefristeten Lehrauftrag zu geben, begründete er so: Seit acht Jahren habe der Tunesier schon an der Gregoriana gelehrt. „Und wir sagten dann: Na ja, wenn wir den immer nur als eingeladenen Gastdozenten behandeln, ist das eigentlich auf die Dauer unfair – es kann zum Profil der Gregoriana gehören, dass neben den in den Entscheidungsgremien sitzenden ,stabilen‘ Professoren auch ein fest angestellter und mit einem dauerhaften Vertrag ausgestatteter Muslim zum Kollegium gehört, der nicht das Glaubensbekenntnis der Christen ablegen muss, sondern der seine eigene Religion fair vorstellen soll. Das haben wir jetzt durch eine kirchenrechtliche Konstruktion, die wir ,professore aggregato‘, also ,dazugehöriger Professor‘ nennen, geschaffen.“

Was an Universitäten in islamisch geprägten Ländern unmöglich wäre, geschieht nun in Rom an einer Päpstlichen Universität: Mokrani bildet in einem Team mit katholischen Theologen und Religionswissenschaftlern künftige Brückenbauer für interreligiöse und interkulturelle Verständigung aus. Zwar gehöre es auch weiterhin zum Profil einer Päpstlichen Universität, dass der „Professor“ auch eine „professio“, also ein katholisches Glaubensbekenntnis ablege, meint Institutsleiter Pater Körner. Wenn dann jemand im Kollegium sitze, der ein anderes Glaubensbekenntnis hat, aber trotzdem auf seine Weise dazugehört, sitze er „natürlich nicht in den Gremien, wo wir die Entscheidungen über die Zukunft der Gregoriana treffen“. Guido Horst

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