Der Märtyrer, der Hitler ausweisen wollte

Peter Christoph Düren setzt dem früheren bayerischen Innenminister Franz Xaver Schweyer ein Denkmal. Von Stefan Meetschen

Er war ein mutiger Politiker und Christ – und er hatte einen klugen Plan: der bayrische Innenminister Franz Xaver Schweyer (1868–1935), der im Jahr 1922 alles daran setzte, den immer bekannter werdenden, rechtsradikalen Nachwuchsdemagogen Adolf Hitler des Landes zu verweisen. Erkannte Schweyer, der in Augsburg sein Abitur gemacht hatte und danach Jura und Staatswirtschaft studierte, doch hellsichtig Hitlers „Größenwahn“ und die damit verbundenen Gefahren des Nationalsozialismus. Doch mit der Ausweisung klappte es nicht, die SPD verhinderte sie, insbesondere der SPD-Fraktionschef in Bayern, Erhard Auer, wie Peter Christoph Düren, Theologischer Referent im Bischöflichen Ordinariat im Bistum Augsburg und Verleger, in seiner aktuell erschienenen, der ersten Biographie Schweyers deutlich macht. „Der SPD-Parteiführer in Bayern verhindert aber einen entsprechenden Beschluss mit Verweis auf die demokratischen und freiheitlichen Grundsätze und indem er die Bedeutung Hitlers als gering einstuft.“ Ein fataler Irrtum, wie man heute weiß.

Doch Schweyer gab nicht auf. Zu Beginn des Jahres 1923, also einige Monate vor dem Hitler-Ludendorff-Putsch, versuchte der an seiner katholischen Gesinnung auch bei anderen Themen (zum Beispiel Abtreibung) nie Zweifel aufkommen lassende Politiker, einen Parteitag der NSDAP zu verbieten. Wiederum erfolglos. Damit war er als Feindbild der braunen Bewegung endgültig etabliert. Zunächst bedachte man ihn mit Hohn und Spott, später dann mit aggressiver Feindschaft. Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nazis kam Franz Xaver Schweyer in die sogenannte „Schutzhaft“. „Aufgrund der schlechten Behandlung und ständiger Demütigungen sowie der schweren seelischen Belastung erleidet er am 5. August 1933 einen Schlaganfall, von dem er sich bis zu seinem Tod nicht mehr richtig erholen wird.“

Am 10. November 1935 stirbt Schweyer als einer der ersten Widersacher der Nazis. Düren, der sich seit vielen Jahren intensiv mit dem vorbildlichen „Minister und Märtyrer“ beschäftigt und bereits zahlreiche Vorträge über Schweyer gehalten hat, bilanziert: „Dem antisemitischen Rassenhass setzt Schweyer das christliche Menschenbild entgegen, der Vergötzung von Volk und Führer das christliche Gottesbild.“ Alle Bedingungen des Martyriums seien im Fall Schweyers erfüllt, weshalb es richtig sei, dass man ihn in das deutsche Martyrologium aufgenommen habe.

Das Buch, das mit Geleit- und Grußworten des Bischofs von Augsburg, Konrad Zdarsa, des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann und des früheren Finanzministers Theo Waigel versehen ist, besticht durch seinen klaren Aufbau, gründliche Recherche und ein ordentliches Quellenverzeichnis sowie einfache Lesbarkeit und eine ansprechende Illustrierung. Peter Christoph Dürens Buch „Minister und Märtyrer“ ist ein verdienstvolles Standardwerk für alle, die Franz Xaver Schweyer kennenlernen möchten. Es belegt, dass der beste Schutz vor politischen Ideologien und extremen Bewegungen ein humanistisch grundierter politischer Katholizismus ist.

Peter Christoph Düren: Minister und Märtyrer. Der bayerische Innenminister Franz Xaver Schweyer (1868–1935). Dominus-Verlag, 2015, 96 Seiten,

ISBN 978-3-940879-46-2, EUR 12,50

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