Den Hunger nach Leben stillen

Papst Franziskus beim Angelus: Habt keine Angst vor der Beichte
Foto: dpa | Papst Franziskus beim Angelus-Gebet.
Foto: dpa | Papst Franziskus beim Angelus-Gebet.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Am heutigen Sonntag wird die Lesung des sechsten Kapitels des Johannesevangeliums fortgesetzt. Nach der Brotvermehrung hatten sich die Leute auf die Suche nach Jesus gemacht und ihn endlich bei Kafarnaum gefunden. Er kannte gut den Grund für so viel Begeisterung, ihm nachzufolgen, und er offenbart es auch deutlich: „Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid“ (Joh 6,26). In Wirklichkeit folgen ihm jene Menschen wegen des materiellen Brotes, das tags zuvor ihren Hunger gesättigt hatte, als Jesus die Brote vermehrt hatte; sie haben nicht verstanden, dass jenes für die so Vielen gebrochene Brot Ausdruck der Liebe Jesu selbst war. Sie haben jenem Brot mehr Wert beigemessen als dem, der es schenkte.

Angesichts dieser geistlichen Blindheit hebt Jesus die Notwendigkeit hervor, über das Geschenk hinauszugehen und den Schenker zu entdecken, zu kennen. Gott selbst ist das Geschenk und auch der Schenker. Und so können die Leute in jenem Brot, in jener Geste den finden, der es gibt: Gott. Er lädt ein, sich einer Perspektive zu öffnen, bei der es nicht nur um die tägliche Sorge um das Essen, die Kleidung, den Erfolg, die Karriere geht. Jesus spricht von einer anderen Speise, er spricht von einer Speise, die nicht verdirbt, die zu suchen und anzunehmen wichtig ist. Er mahnt: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird“ (V. 27). Das heißt: sucht das Heil, die Begegnung mit Gott.

Und mit diesen Worten will er uns begreifen lassen, dass der Mensch jenseits des leiblichen Hungers einen anderen Hunger in sich trägt – wir alle haben diesen Hunger –, einen wichtigeren Hunger, den gewöhnliche Speise nicht stillen kann. Es handelt sich um den Hunger nach Leben, den Hunger nach Ewigkeit, den er allein sättigen kann, da er „das Brot des Lebens“ ist (V. 35). Jesus beseitigt nicht die Sorgen um das tägliche Brot und die Suche nach ihm, nein, er beseitigt nicht die Sorgen um all das, was das Leben fortgeschrittener machen kann. Doch Jesus ruft uns in Erinnerung, dass sich der wahre Sinn unseres irdischen Daseins am Ende findet, in der Ewigkeit, er liegt in der Begegnung mit ihm, der Geschenk und Schenker ist; und er ruft uns auch in Erinnerung, dass die menschliche Geschichte mit ihren Leiden und Freuden in einem Horizont der Ewigkeit gesehen werden muss, das heißt in jenem Horizont der endgültigen Begegnung mit ihm. Und diese Begegnung erhellt alle Tage unseres Lebens.

Wenn wir an diese Begegnung denken, an dieses große Geschenk, dann werden die kleinen Geschenke des Lebens, auch die Leiden und Sorgen, von der Hoffnung auf diese Begegnung erhellt werden. „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben“ (V. 35). Und das ist der Bezug zur Eucharistie, dem größten Geschenk, das Seele und Leib sättigt. Jesus – „Brot des Lebens“ – begegnen und ihn in uns aufnehmen gibt dem oft schweren Weg des Lebens Sinn und Hoffnung. Doch dieses „Brot des Lebens“ ist uns verbunden mit einer Aufgabe gegeben, das heißt: damit wir unsererseits den geistlichen und materiellen Hunger der Brüder und Schwestern sättigen können, indem wir das Evangelium überall verkündigen. Mit dem Zeugnis unserer brüderlichen und solidarischen Haltung gegenüber dem Nächsten machen wir Christus und seine Liebe mitten unter den Menschen gegenwärtig.

Die heilige Jungfrau stehe uns bei der Suche und bei der Nachfolge ihres Sohnes Jesus bei, des wahren Brotes, des lebendigen Brotes, das nie verdirbt und für das ewige Leben dauert.

Nach dem Angelus sagte der Papst:

Heute wird die „Vergebung von Assisi“ begangen. Es handelt sich dabei um einen starken Aufruf, sich dem Herrn im Sakrament der Barmherzigkeit zu nähern und auch die Kommunion zu empfangen. Es gibt Leute, die sich davor ängstigen, zur Beichte zu gehen, und dabei vergessen, dass wir dort nicht auf einen strengen Richter treffen, sondern auf den unendlich barmherzigen Vater. Es ist wahr: wenn wir in den Beichtstuhl treten, verspüren wir ein wenig Scham. Das geschieht allen, uns allen, doch wir müssen daran denken, dass auch diese Scham eine Gnade ist, die uns auf die Umarmung des Vaters vorbereitet, der immer vergibt und immer alles vergibt.

Euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag. Und bitte vergesst nicht, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!

Übersetzung aus dem Italienischen von Armin Schwibach

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