Den Bedürftigen dienen

Der neugegründete Ritterorden von Johannes Paul II. (Rycerze Jana Paw³a II) erobert Polen – und bald vielleicht schon die ganze Welt. Ein Interview mit dem Ordensgeneral Krzysztof W¹sowski, einem Warschauer Juristen. Von Stefan Meetschen
Foto: Meetschen | Krzysztof Wasowski.
Foto: Meetschen | Krzysztof Wasowski.
Sie leiten einen Ritterorden, der nach Johannes Paul II. genannt ist. Diesen Papst kennt man, Ihren Orden allerdings noch nicht. Jedenfalls, was die deutschsprachigen Länder betrifft. Wann sind die Johannes Paul II.-Ritter entstanden?

Inoffiziell am 14. Januar 2011, dem Tag also, als Papst Benedikt entschied, dass die Voraussetzung zur Seligsprechung des polnischen Papstes gegeben sei. An diesem Tag kam uns die Idee, einen Ritterorden zu gründen und deshalb besitzen wir gegenüber dem deutschen Papst eine besondere Dankbarkeit. Er hat sich sehr für die Verehrung von Johannes Paul II. eingesetzt. Das offizielle Gründungsdatum ist Johannes Pauls II. siebter Todestag, der 2. April 2012. An diesem Tag wurde unser Ritterorden offiziell von der Kirche angenommen. Der Erzbischof der Diözese Warschau-Praga, Henryk Hoser, hat das dafür notwendige Dekret unterschrieben.

Wie hat Erzbischof Hoser reagiert, als Sie ihm von Ihrem Vorhaben berichtet haben? Es werden ja nicht jeden Tag neue Ritterorden gegründet. Viele Orden besitzen eine Jahrhundertelange Tradition.

Erzbischof Hoser fand die Idee prima. Zumal er viel internationale Erfahrung besitzt und weiß, dass Johannes Paul II. auch im Ausland sehr populär ist. Sogar populärer als die Jungfrau Maria, die gewöhnlich die Kultur der Ritterorden sehr prägt und die natürlich auch für uns, schon durch das Motto „Totus Tuus“, eine wichtige Rolle spielt. Doch allein durch unseren Namen besitzen wir eine gute Ausgangsbasis für nationales und internationales Wachstum.

Braucht die katholische Kirche denn im 21. Jahrhundert noch Ritter?

Unbedingt! Für uns sind die klassischen Tugenden sehr wichtig: Ehre, Männlichkeit, Mut, Loyalität, Verantwortung aus dem Glauben heraus. Das hat uns hier in Warschau gefehlt. Deshalb ist unser Ritterorden sinnvoll und keinesfalls ein Anachronismus. Gerade dieses Jahrhundert, in dem die geistige Verwirrung so weit fortgeschritten ist, braucht Ritter, die im besten Sinne katholisch sind.

Wie viele Ritter von Johannes Paul II. gibt es denn bisher?

Zurzeit liegt unsere Zahl bei ungefähr 150 Personen.

Wo in Polen sind die Ritter zu finden?

In vier polnischen Diözesen, sogenannten Kommandanturen: Warmia, Warschau, Warschau-Praga und £ódŸ. Im kommenden Jahr werden wir uns auch in Schlesien und anderen Gebieten ausbreiten.

Wie rekrutieren Sie denn neue Ritter für den Orden?

Die Antwort wird Sie überraschen. Unser Orden basiert vor allem auf der Initiative von Frauen. Und damit meine ich Ehefrauen, Verlobte oder Mütter, die sich bei uns melden. Wieso? Wahrscheinlich, weil sie denken, dass ihre Ehemänner, Verlobten oder Söhne bei uns zu ordentlichen Menschen werden. (lacht) Das ist nicht ganz falsch, aber es ist nicht so, dass ein Ritter zum Beispiel nicht trinken oder rauchen darf. Wir haben schon einen Sinn für Genussmittel, allerdings machen wir auch andere Sachen.

Nämlich?

Wir treffen uns einmal im Monat in einer Pfarrei, denn wir sehen uns als integraler Bestandteil einer Pfarrei an. Solch eine Pfarrei nennen wir Regiment. In jedem Regiment müssen mindestens sechs Ritter sein. Jede Gruppe wählt einen Tag, an dem sie sich trifft. Das Treffen muss mit der heiligen Messe in der Pfarrei verbunden sein. Während des Treffens ist ein Priester dabei. Die Versammlung leitet der Großritter, der jährlich bestimmt wird. Man betet das Credo, singt die Nationalhymne und liest Texte unseres Patrons.

Zu Beginn des Jahres wählt der Priesterrat aus, was Gegenstand der ritterlichen Lektüre sein soll. Enzykliken, Texte von Pilgerreisen, Katechesen. Dieser Priesterrat unseres Ordens wird angeführt von Weihbischof Marek Solarczyk von der Diözese Warschau-Praga, er ist unser Schutzbischof. Nach der Lektüre übersetzt der Geistliche das, was Johannes Paul II. uns sagen will, in die ritterliche Sprache. Also: Wen sollen wir schlagen, gegen wen sollen wir uns verteidigen. (lacht) Dann beten wir für den Heiligen Vater und danach kommen organisatorische Sachen. Wir überlegen, wie wir der Pfarrei helfen können. Dann kommt das Gebet für alle Mitbrüder, vor allem für die, welche arbeitslos oder krank sind, und für Bekannte. Am Ende stehen wird auf und singen den Appell von Jasna Góra.

Das klingt nach einem zähen Programm, das von den Rittern viel Disziplin verlangt.

Das stimmt. Deshalb schreien wir zwischendurch schon mal „Vivat Jesus!“ und antworten „Totus Tuus!“ Denn wirklich: Ritter können nicht immer nur sitzen und reflektieren. Manchmal werden wir zu Konferenzen und anderen Veranstaltungen eingeladen und geben allein durch unsere Präsenz Zeugnis ab. Oder wir engagieren uns beim Marsch für das Leben. Wir stiften zum Beispiel den Preis „Engel des Lebens“ für Personen, die sich in Fragen des Lebensschutzes verdient gemacht haben.

Sie haben gesagt, dass die Männlichkeit und die Ehre einen Ritter auszeichnen. Gibt es noch andere Qualitätsmerkmale eines Ritters von Johannes Paul II.?

Die Charismen unserer Ritterschaft lauten: Glaube, Barmherzigkeit, Solidarität und Patriotismus. Der Glaube ist das Fundament von allem. Darauf soll sich alles andere weiterentwickeln. Und Weiterentwicklung ist wichtig. Wir wollen in Anknüpfung an die Worte von Johannes Paul II. bei seinem letzten Polenbesuch 2002 eine lebendige Votivgabe des Pontifikats für die katholische Männerwelt sein. Wir wollen dazu beitragen, dass seine Lehre gelebt wird. Deshalb sind auch spirituelle Einkehrtage für einen Johannes Paul II.-Ritter wichtig. Während der Advents- und der Fastenzeit halten wir Exerzitien.

Was sind denn eigentlich Ihre Attribute? Sie gehen wohl nicht mit dem Schwert in die Kirche, oder?

Unser Schwert ist der Rosenkranz. Den hat ein Ritter immer bei sich. Wir haben einen speziellen Rosenkranz mit dem Papst-Wappen von Johannes Paul II. Und unser Schild ist das Skapulier. Das muss man nicht tragen, aber man darf es unter dem Hemd tragen. Es schützt vor dem Teufel.

Bei den traditionellen Ritterorden ist es in der Regel entscheidend, in welche Familie man hineingeboren wurde. Welche Aufnahmekriterien zählen bei Ihnen?

Wichtig ist, dass ein Kandidat katholisch ist und einen korrekten Lebenswandel vorweisen kann, also nicht in einer wilden Ehe lebt oder geschieden und wieder verheiratet ist. Dazu muss eine Empfehlung von einem Geistlichen oder einem Ritterbruder vorliegen.

Wie sieht die Aufnahme aus?

Es gibt eine halbjährige Probezeit. Der Kandidat empfängt den Rosenkranz und unsere Regeln. Zur Pflichtlektüre gehört das Apostolische Schreiben über den Rosenkranz, Rosarium Virginis Mariae. Besteht der Kandidat die Probezeit, kommt es während einer Messe nach der Kommunion zur Investitur. Der Kandidat kommt mit anderen Kandidaten nach vorn zum Altar und der Priester liest die Treueschwüre gegenüber Gott, dem Heiligen Vater und der Heimat vor. Die zukünftigen Ritter schwören, dass sie der Kirche und den Bedürftigen dienen wollen. Sie bekommen die ritterliche Kleidung, eine schwarze Kutte mit gelbem Wappen verliehen, die Mozetta.

Sie selbst leiten erfolgreich eine Anwaltskanzlei in Warschau. Welche anderen Berufe sind bei den Rittern vertreten?

Alle Berufe. Historiker, Juristen, Finanzexperten, Taxifahrer, Ingenieure, Lehrer, Politiker, Beamte, Ärzte, Journalisten.

Und das Alter Ihrer Mitglieder?

Liegt durchschnittlich zwischen 40 und 45 Jahren. Es gibt aber keine Altersvorschrift. Der älteste Ritter ist 68 Jahre alt.

Zu Beginn des Gesprächs haben Sie von internationalem Wachstum gesprochen. Wie real sind die Auslandspläne der Ritterschaft?

Der Generalbotschafter unseres Ordens war lange Zeit als Botschafter in Nahost. Er kümmert sich um neue Provinzen im Ausland. Gerade die vielen polnischen Gemeinden bieten dafür eine gute Basis. Wir haben aber auch eine Auslandsabteilung für Englisch, Italienisch und vielleicht auch Deutsch in Planung. Wir möchten schließlich, dass für die Lehre von Johannes Paul II. in der ganzen Welt Werbung gemacht wird. Einen besseren Beitrag Polens zur Globalisierung kann es nicht geben.

Was machen Sie denn am 27. April 2014? An dem Tag, an dem Johannes Paul II. heiliggesprochen wird?

Wir werden mit einer größeren Gruppe in Rom sein. Mit unseren Familien. Der Petersdom ist schließlich ein besonderer Platz. Dort befindet sich das Grab unseres Patrons und es ist unser Ziel, dieses Grab zu bewachen. So wie es die Grabesritter in Jerusalem tun. Wir setzen damit eine Tradition fort, die Erzbischof Konrad Krajewski, der Päpstliche Almosenier, angefangen hat. Jeden Donnerstag um 7 Uhr gibt es am Grab von Johannes Paul II. eine heilige Messe auf Polnisch, und wir wollen uns um diese Messe kümmern. Schon jetzt gilt: Jeder Ritter ist verpflichtet, mindestens einmal in seinem Leben das Grab von Johannes Paul II. zu besuchen.

Welche Rolle werden die Ritter beim Weltjugendtag 2016 in Krakau spielen, der Heimat von Karol Wojty³a?

Wir stehen zur Verfügung. Das Organisationskomitee, angeführt von Kardinal Stanis³aw Dziwisz, den wir bald treffen werden, kann auf uns zurückgreifen.

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